Fan­ta­sie­vol­le Ex­tra­va­ganz in Pa­ris

KURIER_PRET-A-PORTER - - Editorial -

WAS PA­RIS ZU BIE­TEN HAT, IST IN KEI­NER STADT DER WELT IN DIE­SER KON­ZEN­TRA­TI­ON

AN FAN­TA­SIE, LU­XUS UND WAHN­SINN ZU ER­LE­BEN.

Es ist so ty­pisch, dass Pa­ris es ei­nem En­g­län­der zu ver­dan­ken hat, dass es die Stadt der Mo­de ist. Charles Fre­de­rick Worth kam 1845 mit 19 Jah­ren nach Pa­ris, setz­te erst­mals Man­ne­quins ein, ver­an­stal­te­te als Ers­ter Mo­de­schau­en und gilt als Be­grün­der der Hau­te Cou­ture. Ei­ne sei­ner wich­tigs­ten Kun­din­nen war die Frau des ös­ter­rei­chi­schen Bot­schaf­ters in Pa­ris, Pau­li­ne von Met­ter­nich. Heu­te wür­de man sa­gen, sie war sein bes­tes Te­sti­mo­ni­al. Denn ih­re Ou­tits geie­len von Kö­ni­gin Vic­to­ria bis Kai­se­rin Si­si vie­len Da­men des Adels und der Hau­te So­cié­té. Und Worth kam mit­samt sei­nen 1.200 Nä­he­rin­nen mit dem Ar­bei­ten kaum nach.

WAR­UM TY­PISCH? Weil Pa­ris im­mer das größ­te Sam­mel­su­ri­um an Mo­de­schöp­fern aus den ver­schie­dens­ten Län­dern der Welt be­her­bergt hat. Wer mit Na­del und Sche­re ge­ni­al um­ge­hen kann, ist an der Sei­ne ger­ne ge­se­hen. Bis heu­te. An Pa­ris hängt, nach Pa­ris drängt ein­fach je­der, der in der Mo­de et­was gel­ten will. Ob auf dem Lauf­steg, in Show­rooms oder auf zahl­rei­chen Mes­sen. In der Zwi­schen­zeit hat sich für Ein­hei­mi­sche in be­stimm­ten Pa­ri­ser Ge­gen­den da­durch ei­ne wun­der­ba­re Geld­quel­le auf­ge­tan. Wäh­rend der Modewochen ver­mie­ten sie ih­re Woh­nun­gen an Show­room­Su­chen­de. Zu hor­ren­den Prei­sen.

Welt­weit be­kannt ge­macht ha­ben die Mo­de dann al­ler­dings zwei Fran­zo­sen: Co­co Cha­nel und Christian Di­or. Wäh­rend der Re­vo­luz­ze­rin Cha­nel ein lan­ges Le­ben be­schert war, starb Di­or nach kaum mehr als zehn Jah­ren im Mo­de­busi­ness. Um­so er­staun­li­cher, dass er es in die­ser kur­zen Zeit schaf­te, sich ei­nen un­sterb­li­chen Na­men zu er­ar­bei­ten. Üb­ri­gens mit­hil­fe zwei­er jun­ger As­sis­ten­ten, die nicht we­ni­ger ge­ni­al wa­ren: Pier­re Car­din und Yves Saint Laurent.

So scha­de, dass Raf Si­mons, der zu­letzt die künst­le­ri­schen Ge­schi­cke im Hau­se Di­or be­stimm­te, sei­nen Ver­trag ver­gan­ge­nes Jahr nicht mehr ver­län­ger­te. War es ihm doch ge­lun­gen, die Tra­di­ti­on des Hau­ses zu wür­di­gen, aber trotz­dem zeit­ge­mä­ße Klei­dung zu ent­wer­fen. Die Früh­jahrs­kol­lek­ti­on war sei­ne letz­te. Un­ver­gess­lich die Ku­lis­se da­zu: ein rie­si­ger Berg von blü­hen­dem Rit­ter­sporn.

JA, AUCH DA­FÜR IST PA­RIS BE­KANNT: Nir­gend­wo gab und gibt es ei­ne sol­che Kon­zen­tra­ti­on an fan­ta­sie­vol­len Mo­de­schau­en wie hier. Ob da Karl La­ger­feld für Cha­nel ei­nen Eis­berg aus dem Nor­den ein­lie­gen lässt oder Dries Van No­ten sich von ei­ner Künst­le­rin ei­nen lauf­ste­glan­gen Tep­pich we­ben lässt, der wie ei­ne Wie­se aus­sieht, und das al­les für 15 Mi­nu­ten – ein un­glaub­li­cher Lu­xus. Neun Ta­ge dau­ert die Mo­de­wo­che in­zwi­schen und man möch­te kei­nen mis­sen. We­der die Schau­en der gro­ßen Na­men, noch je­ne der jun­gen Ta­len­te. Man muss ein­fach da­bei sein, wenn im Hau­se Ba­len­cia­ga, ei­nem Cou­ture­Haus mit fast hei­li­ger Tra­di­ti­on, ein jun­ger Ge­or­gi­er sein De­büt gibt, Dem­na Gva­sa­lia. Man möch­te das Er­geb­nis se­hen, wenn be­kannt ge­ge­ben wird, dass im Hau­se Di­or einst­wei­len „das Team“die Kol­lek­ti­on ent­wirft. Geht es oh­ne krea­ti­ves Ober­haupt? Viel­leicht

dies­mal doch, wie span­nend. Nein, es geht nicht. Was ist dem ge­nia­len Bel­gi­er Dries Van No­ten wie­der Herr­li­ches ein­ge­fal­len? Und wo­mit über­rascht uns der Schwei­zer Al­bert Kriem­ler bei Akris dies­mal? Kön­nen Vivienne West­wood aus En­g­land und ihr Mann Andre­as Krontha­ler aus Ös­ter­reich ih­re un­ver­kenn­ba­re Hand­schrift noch im­mer wei­ter­ent­wi­ckeln? Und wo­von wa­ren John­ny Tal­bot aus den USA und Adri­an Run­hof aus Deutsch­land dies­mal in­spi­riert? Und klar freut man sich, wenn ei­nem bei all die­sem Wahn­sinn an Fan­ta­sie auch noch Ri­han­na, Sun­nyi Mel­les, der Di­ri­gent Phil­ip­pe Jor­dan oder Kanye West über den Weg lau­fen. Es gibt Schlim­me­res.

Un­glaub­lich schön: der Berg an Rit­ter­sporn, aus dem Raf Si­mons’ letz­te Kol­lek­ti­on für Di­or her­vor­kam

1 Mo­de­far­be Blau: auch bei Cha­nel nicht zu über­se­hen 2 Fan­ta­sie­vol­le Per­fek­ti­on, ent­wor­fen in Wi­en: Schu­he von Pe­tar Pe­trov 3 Ele­gant und in der Ba­sisMo­de­far­be Weiß: ein Mo­dell von Hus­sein Chalayan 4 Neue Fal­ten­tech­nik: Ho­se­nen­sem­ble von Yo­shiyu­ki Miyamae für Is­sey Miya­ke 5 Ein­fach edel: lo­ses Kleid von Tal­bot Run­hof 6 Das Neu­es­te von Swa­rov­ski: zu se­hen im Pa­ri­ser Show­room

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