Der gro­ße Unisex-Trend

KURIER_PRET-A-PORTER - - Editorial - VON BRI­GIT­TE R. WINK­LER

ES IST NICHT DER EIN­ZI­GE TREND, ABER EI­NER DER STÄRKS­TEN UND KOMMT AUCH IM HERBST WIE­DER: WEG MIT DEN GREN­ZEN ZUM AN­DE­REN GE­SCHLECHT.

MAN MUSS

die Mo­dels schon sehr gut ken­nen, da­mit man weiß, ob das jetzt ein weib­li­ches oder ein männ­li­ches ist. He­di Sli­ma­ne zeig­te bei sei­ner Früh­jahrs-Män­ner­mo­de­schau auch ei­ni­ge Frau­en­ou­tits. Und die­ses Mo­del. He­le­na Se­ve­rin aus Ös­ter­reich. Jetzt bei Saint Laurent ex­klu­siv un­ter Ver­trag.

War­um soll Män­nern nicht end­lich er­laubt sein, was Frau­en schon lan­ge dür­fen? War­um sich nicht nach Lust und Lau­ne an­zie­hen und fri­sie­ren? Nicht das Ge­schlecht soll ent­schei­dend sein für die Wahl der Klei­dung, son­dern die Lust, die Lau­ne, der Wil­le ... Es soll ein­fach egal sein. Es soll end­lich egal wer­den, wer was wie trägt. Und ge­nau das wird von füh­ren­den De­si­gnern vor­weg­ge­nom­men. Sie zeig­ten für das Früh­jahr (und auch schon für den Herbst) Män­ner­mo­de mit Ele­men­ten der Frau­en­mo­de, männ­li­che Mo­dels, die sehr weib­lich wir­ken, oder gleich Män­ner in Frau­en­mo­de. Und in der Frau­en­mo­de neh­men läs­si­ge An­zü­ge und Ho­sen über­hand.

FRAU­EN IN MÄNNERHOSEN? Wen regt das heu­te noch auf? Gibt es Men­schen, die Frau­en in lan­gen Ho­sen fra­gen, ob sie les­bisch sind? Oder es zu­min­dest ver­mu­ten? Lang ist es nicht her, dass wir den Män­nern al­les weg­ge­nom­men ha­ben. Dass Frau­en im Smo­king oder mit Kra­wat­te ein­fach nur gu­te Fi­gur ma­chen. Co­co Cha­nel, Mar­le­ne Dietrich und Yves Saint Laurent – um nur ei­ni­ge zu nen­nen – sei Dank! Ob der Grif zur Ho­se nun aus prak­ti­schen Grün­den pas­siert, aus mo­di­schen, aus se­xu­el­len, aus be­rech­nen­den, aus Spaß, we­gen der Tem­pe­ra­tur oder weil gera­de nichts an­de­res da hängt, in­ter­es­siert nie­man­den mehr. Män­ner in Frau­en­rö­cken? Wen regt das heu­te nicht mehr auf? Au­ßer es ist Prinz Charles im Schot­ten­rock. Ja, er darf. War­um ei­gent­lich? Ent­we­der sind Män­ner im Frau­en­rock un­er­träg­lich, oder eben nicht. Es ist lan­ge her, dass Hel­mut Lang die Tra­di­ti­on, Män­ner­ und Frau­en­mo­de ge­trennt zu zei­gen, durch­brach. Jetzt pas­siert das im­mer öf­ter und soll zur Re­gel wer­den. Es ist lan­ge her, dass Je­an Paul Gaul­tier – er wird ja heu­te noch En­fant ter­ri­b­le ge­nannt – sich selbst im Rock zeig­te, bei sei­nen Män­ner­shows zu­nächst qua­si heim­lich Trans­gen­der­Mo­dels mit­lau­fen ließ, schließ­lich mit And­re Pe­jic ei­nen wun­der­hüb­schen Mann als Braut en­ga­gier­te, der heu­te And­re­ja heißt und um­ope­riert ist. Da­her hat sich Gaul­tier in „un­se­re“Con­chi­ta ver­liebt. Ei­nen Mann, der mit un­glaub­li­cher Kon­se­quenz und zu­gleich Lo­cker­heit das trägt, wo­nach ihm gera­de ist und dar­aus auch noch ein Ge­schäft und wun­der­bar un­auf­ge­reg­te Po­li­tik macht. Vor we­ni­gen Sai­so­nen be­gann das Spiel auf den in­ter­na­tio­na­len Lauf­ste­gen lang­sam, ver­ein­zelt, aber si­cher zur Re­gel zu wer­den. Und seit der neu­en Früh­jahrs­mo­de ist der Trend zur gen­der­lo­sen Mo­de nicht mehr zu über­se­hen. Die bunt ge­misch­ten X­ und Y­Chro­mo­so­men in uns wer­den sich freu­en.

YSL MEN

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22/4

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