Kunst trift Mo­de

KURIER_PRET-A-PORTER - - Editorial - VON BRI­GIT­TE R. WINK­LER

Sie ha­ben die glei­chen Wur­zeln: Kunst und Mo­de. Klei­dung ist ein Teil un­se­rer Kul­tur. Kein Wun­der, dass es da Ge­mein­sam­kei­ten, Par­al­le­li­tä­ten, Über­schnei­dun­gen, Ko­ope­ra­tio­nen und ge­gen­sei­ti­ge In­spi­ra­ti­on gibt. Die Viel­sei­tig­keit der Ver­wandt­schaft ist so span­nend zu be­ob­ach­ten. Im­mer wie­der wan­dern Mo­de­schöp­fer auch zwi­schen den Wel­ten hin und her oder wech­seln – wie Hel­mut Lang – von der Mo­de ganz zur Kunst.

IN­SPI­RA­TI­ON UND KO­OPE­RA­TI­ON

Er war ein ge­nia­ler Mo­de­schöp­fer. Wenn Yves Saint Laurent sei­ne Kol­lek­tio­nen ent­warf, dann ent­sprach er der Au­fas­sung von Ja­mes Joy­ce, der die Er­scha­fung des Schö­nen als Ziel des Künst­lers sah. Zur un­glaub­li­chen Viel­sei­tig­keit die­ser Schön­heit, die Saint Laurent schuf, ge­hört auch die In­spi­ra­ti­on durch den hol­län­di­schen Ma­ler Piet Mon­dri­an (1872 bis 1944) und des­sen streng geo­me­tri­sche Ma­le­rei. Das Mon­dri­an-Kleid aus dem Jahr 1965 be­grün­de­te Saint Lau­rents Welt­ruhm und wur­de un­zäh­li­ge Ma­le ko­piert. Zu­letzt sah man ei­ne frap­pant ähn­li­che Ver­si­on am ORF-„Vor­stadt­weib“Ni­colet­ta, ge­spielt von Ni­na Proll. Marc Ja­cobs war ei­ner der ers­ten Mo­de­schöp­fer, die sich di­rekt Künst­ler ins Haus hol­ten. Die von Mo­de­schöp­fer und Grai­ti-Künst­ler Ste­phen Sprou­se be­schrif­te­ten Ta­schen wa­ren Best­sel­ler.

GE­NÄH­TE KUNST

Cla­es Oldenburg wur­de es nie an­ge­krei­det. Der schwe­di­sche PopArt-Künst­ler ar­bei­tet auch ger­ne mit Sto­fen, aber er ist eben ein Mann. Nä­hen war noch bis vor kur­zem für ei­ne Künst­le­rin ein NoGo. „Als Frau muss­te ich mich im­mer recht­fer­ti­gen“, sagt Ina Loitzl, die sich trotz­dem nicht von ih­rer Lie­be zu Sto­fen ab­brin­gen ließ. Wenn sie am Abend an ih­ren mo­de­ai­nen Skulp­tu­ren näht, ist das „me­di­ta­tiv“. Die tex­ti­len Ob­jek­te der ge­bür­ti­gen Kärnt­ne­rin, die jetzt in Wi­en lebt, darf man bei Aus­stel­lun­gen be­rüh­ren, er­tas­ten, be­grei­fen. „Die ho­he Kunst kommt da­durch dem Nor­ma­len wie­der nä­her“, lacht die Künst­le­rin.

Andrea Vil­hena stammt auch aus Kärn­ten und lebt jetzt in Por­tu­gal. Ih­re Skulp­tu­ren ent­ste­hen aus ge­brauch­ter Klei­dung, neue Sto­fe sind die Aus­nah­me. Vil­hena: „Ge­wis­se Spu­ren und Struk­tu­ren, die hin­ter­las­sen wur­den, sind wich­tig, das Sinn­li­che, nicht das Lo­gi­sche.“Zu­nächst kommt al­les in die Wasch­ma­schi­ne und wird bei 90 Grad ge­rei­nigt, was die Tex­ti­li­en auch schon ein­mal ver­än­dert. Aus ge­tra­ge­nen Hand­schu­hen formt sie mit we­ni­gen Ein­gri­fen be­ein­dru­cken­de Ge­sich­ter. „Der Kör­per als Form in­ter­es­siert mich. Er ist der Be­häl­ter, in dem wir sind.“

MO­DE BE­MA­LEN

Ein Be­such im Show­room ei­nes Mo­de­la­bels kann ganz schön fad sein. Man geht die Klei­der­stän­der ent­lang und schaut sich die Mo­del­le an. Dann steckt man das Look­book oder den Stick mit der Kol­lek­ti­on ein und geht zum nächs­ten Ter­min. Ka­rin Krap­fen­bau­er und Mar­kus Hausleitner lu­den wie im­mer in ei­nen Show­room in Pa­ris, um Ein­käu­fern und Pres­se ih­re neue Früh­jahrs­kol­lek­ti­on zu prä­sen­tie­ren. Al­lein der Na­me ih­res La­bels weicht von an­de­ren gründ­lich ab: „Hou­se of the ve­ry is­land’s club di­vi­si­on midd­lesex klas­sen­kampf but the ques­ti­on is whe­re are you, now?“Mit Künst­lern ar­bei­tet man ger­ne zu­sam­men, Hausleitner macht selbst Mu­sik. So auch dies­mal. Da­zu konn­te man Ja­kob Le­na Knebl, die zum Künst­ler­team ge­hört, bei ih­rer Per­for­mance be­ob­ach­ten: In­ter­es­sant ge­schnit­te­ne Sweat­shirts be­mal­te sie li­ve zu Kunst­wer­ken.

KO­S­TÜ­ME AUS MO­DE

„Peer Gynt“, ge­tanzt nach dem Schau­spiel von Hen­rik Ib­sen und mit Ko­s­tü­men der deut­schen Mo­de­schöp­fe­rin Do­ro­thee Schu­ma­cher, ab­ge­lei­tet von ih­rer „Re­sort“-Kol­lek­ti­on, ver­gan­ge­nes Jahr im Ti­ro­ler Lan­des­thea­ter.

MEHR ALS EIN SCHUH

Die Aus­stel­lung in der Ga­le­rie 3 in Kla­gen­furt weck­te so­fort un­zäh­li­ge As­so­zia­tio­nen, Vi­sio­nen, Ge­füh­le. Auf den farb­schö­nen Bil­dern von Ali­na Ku­nitsyna sah man fal­ten­rei­che Sto­fe, Män­tel, Bett­de­cken, die sich um et­was zu winden schie­nen, ste­hen­de So­cken, ge­tra­ge­nes Schuh­werk. War da doch je­mand da­hin­ter, da­rin, was ver­barg sich da? Man konn­te sich an die­ser in­ten­si­ven Ver­bin­dung von Kunst und Mo­de nicht satt­se­hen. Rasch wa­ren die meis­ten Bil­der ver­kauft. „Ich ma­le Emo­tio­nen“, sag­te die in Minsk ge­bo­re­ne Künst­le­rin, die jetzt in Damt­schach und Wi­en lebt, einst zu Kun­st­re­zen­sen­tin Re­na­te Qu­e­hen­ber­ger. Sehr schön for­mu­lier­te es auch Micha­el Cer­ha in sei­ner Ein­lei­tung zum Ka­ta­log „Ali­na Ku­nitsyna Vi­sus/Exu­vie“: „Das Ge­heim­nis des Äu­ße­ren ist sein In­ne­res, das am En­de im­mer ein Ge­heim­nis bleibt.“

VON DER MO­DE ZUM THEA­TER

Sei­ne Hau­te-Cou­ture-Schau­en ge­hör­ten zum Schöns­ten, was Pa­ris zu bie­ten hat­te. Um­wer­fend, wie Christian La­croix mit Far­ben und Mus­tern spiel­te. 2009 wur­de sein Haus ge­schlos­sen. Seit­her hat sich der Fran­zo­se noch mehr der Aus­stat­tung von Künst­lern ver­schrie­ben. Be­reits 1998 und 2000 klei­de­te er das Bal­lett des Neu­jahrs­kon­zer­tes ein, wie auch schon Vivienne West­wood oder die Wie­ner De­si­gner El­fen­kleid und Pe­tar Pe­trov. Kaum ein gro­ßes Opern­haus, an dem er noch nicht ge­ar­bei­tet hat. Als ihn Star­di­ri­gent Christian Thiele­mann ein­lud, mit ihm am 19. März mit Gi­u­sep­pe Ver­dis Otel­lo die Salz­bur­ger Os­ter­fest­spie­le zu er­öf­nen, sag­te La­croix so­fort zu. Was ist für ihn der größ­te Un­ter­schied zwi­schen Cou­ture und Ko­s­tüm? La­croix: „Mo­de kann aus der Fer­ne un­au­fäl­lig sein, wäh­rend Büh­nen­kos­tü­me aus­drucks­stark her­vor­ste­chen müs­sen.“Aber: „Die Werk­stät­ten in Salz­burg ha­ben der­ar­ti­ge Fä­hig­kei­ten und Kennt­nis­se, dass sie mit den Ma­te­ria­li­en so um­ge­hen kön­nen, wie das bei der Cou­ture der Fall ist.“

STE­PHEN SPROU­SE FÜR LOU­IS VUIT­TON ANDREA VIL­HENA, „AB­STRACT # 11“, 2014

YVES SAINT LAURENT

INA LOITZL, „WELTDIRNDL“UND „KOPF­ÜBER“, TEX­TI­LE KUN­ST­OB­JEK­TE,

2016 UND 2010

DO­RO­THEE SCHU­MA­CHER

ALI­NA KU­NITSYNA, „GOLD“, 2012

JA­KOB LE­NA KNEBL AM WERK

KO­S­TÜM FÜR DES­DE­MO­NA

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