Duft­stars aus Ös­ter­reich

KURIER_PRET-A-PORTER - - Editorial - VON BRI­GIT­TE R. WINK­LER

Wie riecht das, wenn man an Sig­mund Freud denkt? Alex­an­der Lau­ber weiß es, hat er sich doch für sei­nen neu­en Duft in­ten­siv mit dem le­gen­dä­ren Wie­ner aus­ein­an­der­ge­setzt. „Ich ha­be mich mit ei­ni­gen he­men be­schäf­tigt. Zum Bei­spiel mit dem hema Holz“, blickt Lau­ber zu­rück. Mit Holz in der Freud’schen Wel­t­an­schau­ung, wo der Wald gleich­ge­setzt ist mit ei­nem un­be­wuss­ten Trieb, mit Li­bi­do und Se­xua­li­tät. „Wald, Holz, das re­prä­sen­tiert die Frau“, er­klärt Lau­ber, „die Brust, die Scham. Es ist ein sehr se­xu­el­les hema. Dar­aus ent­stand die Idee der Holz­no­te zu­gleich mit Mil­chig­keit.“Was Lau­ber noch über Freud er­fah­ren hat: dass er die Re­de­wen­dung „Holz vor der Hüt­te ha­ben“sehr wohl ge­kannt hat­te, weil er sich dar­auf be­zog.

JETZT IST DER DUFT FER­TIG und soll noch im April auf den Markt kom­men. Be­ste­hend aus vie­len hoch­wer­ti­gen, na­tür­li­chen Roh­sto­fen wie Am­ber, San­del­holz oder Mi­mo­se. „Sie hat die­se ganz sub­ti­le, grün­lich lo­ra­le, stau­bi­ge Qua­li­tät“, be­schreibt es Lau­ber. Und spricht auch von „schö­nen Holz­as­pek­ten“und „un­schul­di­gem Haut­ge­fühl“. Man darf ge­spannt sein. Span­nend ist die Ge­schich­te, wie aus dem Wie­ner Wer­be­fach­mann Alex­an­der Lau­ber ein er­folg­rei­cher Duft­spe­zia­list wur­de. „Zu­nächst war es ein fo­ren­si­sches In­ter­es­se“, be­ginnt er zu er­zäh­len. „Ich ha­be mich mit der Iden­ti­tät der Stadt be­schäf­tigt und mir über­legt, war­um es in Wi­en kei­ne Parfumhäuser gibt.“Er be­gann zu re­cher­chie­ren, „oh­ne zu wis­sen, wo­hin das führt“. Er er­forsch­te Habs­bur­gi­sches, stö­ber­te in der Na­tio­nal­bi­blio­thek und fand ei­ne Samm­lung von Re­zep­tu­ren.

„MO­DE KANN MAN SICH AN­SCHAU­EN, aber ei­nen Duft, der nicht mehr exis­tent ist, muss man nach­bau­en, um ihn nach­em­pin­den zu kön­nen.“Auch bei den Na­men gab es Pro­ble­me. „Vol­ka Ma­ria“hieß ein Duft. War das ein Hei­li­ger, ei­ne Plan­ze,

WAR­UM GIBT ES IN ÖS­TER­REICH KEI­NE PARFUMHÄUSER, FRAG­TE SICH ALEX­AN­DER LAU­BER

UND BE­GANN, SELBST DÜF­TE AUF DEN MARKT ZU BRIN­GEN.

ein Mär­chen, ei­ne Ni­be­lun­ge­ni­gur? Lau­ber re­cher­chier­te wie­der ein­mal, konn­te aber nichts in­den. Bis er drauf­kam, dass es da ei­nen Über­set­zungs­feh­ler aus dem Fran­zö­si­schen ge­ge­ben ha­ben muss­te. Schluss­end­lich fand er her­aus, das Vol­k­a­ma­ria ei­ne Plan­ze ist.

SCHLIESS­LICH ENT­STAND SEIN ERS­TER DUFT, er nann­te ihn „Klub­was­ser“und sei­ne Fir­ma „Wie­nerBlut“. Jetzt galt es zu über­le­gen: Wo soll­te er sei­ne Neu­heit ver­kau­fen? „Ich ha­be mir ge­dacht, wenn, dann will ich nach den Ster­nen grei­fen“, er­in­nert sich Lau­ber und tat es auch. Er fuhr nach Pa­ris und bot sein Par­fum im cools­ten, fa­shiona­bels­ten Ge­schäft der Stadt an, bei Co­let­te. Die Sen­sa­ti­on stell­te sich ein: Be­sit­ze­rin Sa­rah war höchst in­ter­es­siert. Es gab wei­te­re Be­stel­lun­gen und der Duft­mi­scher be­schloss wei­ter­zu­ma­chen. Das war 2009.

In der Zwi­schen­zeit gibt es schon sechs Düf­te. Bei der Aus­wahl sei­ner Mit­ar­bei­ter für je­den Duft setzt Alex­an­der Lau­ber auf höchs­te Qua­li­tät. Mit der „Na­se“von Com­me des Garçons, Mark Bux­ton, ent­wi­ckel­te er den Duft „Ex Vo­to“, der 2015 auf den Markt kam. Den Fla­kon für sei­ne Par­fums ent­warf ihm der in New York le­ben­de Alex Wie­de­rin. Na­tür­lich mit ho­her Glas­qua­li­tät. Vor­la­ge da­zu war ein Glas­ge­fäß von Jo­sef Hof­mann, ge­scha­fen für Lob­meyr. Der De­ckel da­zu ist aus Ba­ke­lit. Lau­ber: „Es ist mir wich­tig, ein schö­nes Ob­jekt zu pro­du­zie­ren, das man sich ger­ne an­schaut.“Wenn er über ei­nen Duft spricht, glaubt man, ihn zu rie­chen, so in­ten­siv, so an­schau­lich, so blu­mig sind sei­ne Be­schrei­bun­gen. Ei­ne Ko­pro­duk­ti­on gab es auch schon. 2013 stell­te Mo­de­schöp­fe­rin Le­na Ho­schek ihr ers­tes Par­fum „Lo­ve­ro­se“vor, das sie ge­mein­sam mit Alex­an­der Lau­ber ent­wi­ckelt hat­te. Auch ihr Fla­kon hat Be­son­der­hei­ten: ei­nen alt­mo­di­schen Par­fum­zer­stäu­ber und ei­ne alt­ro­sa­far­be­ne Schlei­fe.

Alex­an­der Lau­ber schnup­pert an Roh­sto­fen: für das nächs­te Par­fum ist Sig­mund Freud die In­spi­ra­ti­on

Mit Le­na Ho­schek brach­te der ehe­ma­li­ge Wer­be­proi das Par­fum „Lo­ve­ro­se“auf den Markt

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