Ta­schen­de­sign ma­de in Aus­tria

KURIER_PRET-A-PORTER - - Editorial -

SIE WUR­DEN IN ÖS­TER­REICH GE­BO­REN, LE­BEN ABER SCHON VIE­LE JAH­RE IN PA­RIS. FÜH­LEN SIE SICH ALS FRAN­ZÖ­SIN?

Bar­ba­ra Rihl: Ich in­de Pa­ris und die gan­ze Welt auf­re­gend, trotz­dem bin ich Gm­und­ne­rin ge­blie­ben. Mit mei­ner Mut­ter Eri­ka, die nach wie vor in Gmun­den lebt, te­le­fo­nie­re ich je­den Tag. Und mit der Wir­tin In­grid Pern­kopf vom Gast­haus Grün­berg ar­bei­te ich an ei­nem Koch­buch.

SIE SIND MO­DE­DE­SI­GNE­RIN UND IL­LUS­TRA­TO­RIN. WO HA­BEN SIE IHR HAND­WERK GE­LERNT?

BR: Stu­diert ha­be ich an der Uni­ver­si­tät für an­ge­wand­te Kunst in Wi­en, un­ter an­de­rem in der Mo­de­klas­se von Karl La­ger­feld und dann bei Jil San­der. Mit­te der 80er Jah­re zog es mich nach New York an die Par­sons School of De­sign. Ich woll­te die Mo­de auch als Bu­si­ness ken­nen­ler­nen, die ei­zi­en­te Sei­te der Mo­de. Nach dem Ab­schluss war ich fünf Jah­re als De­si­gne­rin im LVMHKon­zern bei Kenzo tä­tig. Von ihm ha­be ich so viel ge­lernt. Kenzo hat mir Län­der er­öf­net, die ich noch nicht ge­kannt ha­be, wie Ka­sachs­tan, den Hi­ma­la­ya, das Land der Mas­sai …

WANN HA­BEN SIE SICH SELBST­STÄN­DIG GE­MACHT?

BR: Im Jahr 2000, da­mals grün­de­te ich die gleich­na­mi­ge Mar­ke BAR­BA­RA RIHL und be­gann Le­der- und Li­fe­style-Ac­ces­soires zu ent­wer­fen. Ich ha­be ge­ar­bei­tet wie ein Depp, aber im­mer mit viel Freu­de, und hab im­mer neue We­ge ge­sucht. Wenn’s schwie­rig wird, das ist span­nend, das ge­fällt mir, das ist toll. „Jetzt erst recht“, sag ich mir dann. Mei­ne ers­te Kol­lek­ti­on ha­be ich auf der Pre­miè­re Clas­se ( ei­ner Mes­se für Ac­ces­soires wäh­rend der Pa­ri­ser Mo­de­wo­che, Anm.) prä­sen­tiert und gleich 85 Auf­trä­ge be­kom­men, von Berg­dorf Good­man bis Nei­man Mar­cus.

WIE ENT­STE­HEN IH­RE ZEICH­NUN­GEN?

BR: Ich bin ei­ne ty­pi­sche Pa­ri­ser De­si­gne­rin mit ös­ter­rei­chi­scher Warm­her­zig­keit. Ich zeich­ne sehr schnell, manch­mal zwei Kol­lek­tio­nen pro Wo­che. Sie sind von Ge­schich­ten, die ich auf Rei­sen er­le­be, in­spi­riert. Ich möch­te die Leu­te da­mit zum Träu­men brin­gen und ih­nen ei­ne gro­ße Le­bens­freu­de und Kraft ver­mit­teln. Auch wenn Pro­ble­me da sind, soll man sei­ne gu­te Lau­ne be­hal­ten und zu­ver­sicht­lich sein. Das sind Wer­te, die ich auch mei­nen bei­den Kin­dern wei­ter­ge­be.

WO WER­DEN IH­RE TA­SCHEN ER­ZEUGT?

BR: Zu fast 80 Pro­zent in Frank­reich. Ich ent­wer­fe mei­ne Ta­schen so, dass es auch klei­ne­ren Ate­liers mög­lich ist, sie zu pro­du­zie­ren. Wir ha­ben ein leich­tes Le­der ent­wi­ckelt, es hat zwei Sei­ten, da­durch wird die Näh­zeit kür­zer und wir konn­ten in Frank­reich blei­ben.

PA­RIS GE­HÖRT DER GM­UND­NE­RIN SCHON. JETZT IST BAR­BA­RA RIHL DRAUF UND DRAN, DEN REST DER WELT MIT IH­REN BE­ZAU­BERND VER­SPIEL­TEN TA­SCHEN ZU ER­OBERN.

NACH ZEHN JAH­REN ER­ÖFF­NE­TEN SIE IH­REN ERS­TEN FLAGSHIP­S­TO­RE IN DER RUE DU 29 JUILLET, GLEICH UMS ECK VON CO­LET­TE. WO KANN MAN IH­RE TA­SCHEN NOCH KAU­FEN?

BR:B In der Zwi­schen­zeit ha­be ich zwei ei­ge­ne Ge­schäf­te in Pa­ris und drei In Chi­na, wo wei­te­re ge­plant sind. Ich ar­bei­te mit 68 Län­dern zu­sam­men, mit Ko­rea, Chi­na, Ja­pan so­wie den USA. Mei­ne Kol­lek­tio­nen füh­ren rund 500 Ge­schäf­te wie die Ga­le­ries La­f­ay­et­te und manch­mal Co­let­te in Pa­ris, Saks Fifth Ave­nue in New York, On­ward Ka­shiyama in Ja­pan und Stel in Wi­en.

SIE AR­BEI­TEN ABER AUCH MIT FLUG­LI­NI­EN ZU­SAM­MEN.

BR: Ja, mit zwan­zig, von Air Fran­ce über Bri­tish Air­ways bis KLM. Ich ha­be ei­ge­ne Cor­ners ent­wi­ckelt, die ich in Ho­tels auf­stel­le. Von der Ra­les Group, die dem Emir von Qa­tar ge­hört, über das Roy­al Mon­ceau in Pa­ris, die Soi­tels welt­weit, die Four Sea­sons Ho­tels bis zum La Ma­mou­nia in Mar­ra­kesch. Ich ma­che Kol­lek­tio­nen für Kreuz­fahrt­schi­fe und Pri­va­t­y­ach­ten.

HA­BEN SIE AUCH PRO­MI­NEN­TE FANS?

BR: Zu mei­nen Kun­din­nen ge­hö­ren Schau­spie­le­rin Em­ma Wat­son, Court­ney Cox’ Toch­ter Co­co, aber auch die Rock­stars Mick Jag­ger und Len­ny Kra­vitz lie­ben ofen­bar mei­nen Stil und zäh­len zum ixen Fan-Kreis. Her­zo­gin Catherine wur­de 2012 mit dem Mo­dell „A PLACE I DREAM TO GO …“ge­sich­tet.

WIE ER­KLÄ­REN SIE SICH IH­REN ER­FOLG?

BR: Der Mo­tor mei­nes Er­fol­ges ist mein En­thu­si­as­mus. Da­mit kann man an­de­re po­si­tiv an­ste­cken. Die Leu­te be­kom­men ei­nen po­si­ti­ven Schock, wenn sie mei­ne Sa­chen se­hen. Das ist wie ein Se­gel­schif im vol­len Wind und die Leu­te fah­ren mit. Das Le­ben ist sehr ver­gleich­bar mit ei­nem Se­gel­boot. Man muss ein gu­ter Ka­pi­tän sein, man muss ei­ne gu­te Mann­schaft und man muss ein Ziel ha­ben. Dann Lei­nen los! Ein­mal im Jahr muss man das Schif aus dem Was­ser neh­men, durch­put­zen und al­les frisch für das nächs­te Pro­jekt ana­ly­sie­ren, eli­mi­nie­ren, re­pa­rie­ren – und wie­der los­fah­ren zum nächs­ten Ziel.

Flagship Sto­re in Pa­ris (oben), Sweat­shirt in Ko­ope­ra­ti­on mit Uni­q­lo, Rei­sen als In­spi­ra­ti­on für

die Zeich­nun­gen

GIBT LE­BENS­FREU­DE WEI­TER

Bar­ba­ra Rihl aus Gmun­den an ih­rem Schreib­tisch in Pa­ris, wo manch­mal in­ner­halb ei­ner Wo­che zwei Kol­lek­tio­nen ih­rer an­ste­ckend fröh­li­chen Ta­schen ent­ste­hen

Von ihr selbst ent­wor­fen und in vie­len Ge­schäf­ten, Ho­tels und Schi­fen welt­weit auf­ge­stellt: der Bar­ba­ra Rihl Pa­ris­Cor­ner

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