SCHLUSS MIT TA­BUS

KURIER_PSYCHE - - EDITORIAL -

900.000 Ös­ter­rei­cher be­zie­hen be­reits auf­grund psy­chi­scher Lei­den Leis­tun­gen der Kran­ken­kas­sen. Es ist da­her höchs­te Zeit, die Krank­hei­ten der See­le aus der Ta­bu­zo­ne zu ho­len.

Fast je­der fünf­te Ar­beit­neh­mer ist in­zwi­schen von psy­chi­schen Er­kran­kun­gen be­trof­fen. 850 Mil­lio­nen Eu­ro ge­ben die So­zi­al­ver­si­che­run­gen jähr­lich für die Be­hand­lung und Re­ha­bi­li­ta­ti­on die­ser im­mer grö­ßer wer­den­den Pa­ti­en­ten­grup­pe in Ös­ter­reich aus. Doch of­fen ge­spro­chen wird dar­über so gut wie nie. Zu groß sind hier noch die Hem­mun­gen der Be­trof­fe­nen, sich zu ih­ren psy­chi­schen Er­kran­kun­gen zu be­ken­nen. Zu groß ist das Ta­bu, wel­ches die­se Krank­hei­ten in der Öf­fent­lich­keit um­gibt. Viel­fach wer­den psy­chi­sche Er­kran­kun­gen nach wie vor von vie­len als Schwä­che, Be­hin­de­rung oder Schlim­me­res an­ge­se­hen.

Doch psy­cho­so­ma­tisch be­ding­te Schmer­zen, Schlaf­lo­sig­keit, Burn-out oder De­pres­sio­nen sind heu­te der Haupt­grund für den Er­halt von Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­geld und für den krank­heits­be­ding­ten vor­zei­ti­gen Ru­he­stand. 71 Pro­zent der Ge­samt­kos­ten des Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­gel­des ent­fal­len in­zwi­schen auf psy­chi­sche Er­kran­kun­gen.

Die Ur­sa­chen für de­ren star­ke Zu­nah­me se­hen die meis­ten Ex­per­ten in den um­fas­sen­den ge­sell­schaft­li­chen Ve­rän­de­run­gen der ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­te. Durch die mo­der­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie sind wir al­le in­zwi­schen an je­dem Ort per­ma­nent er­reich­bar oder set­zen stän­dig Pos­tings,Tweets,Mail­so­derPics­in­sNetz. Wir le­ben al­les öf­fent­lich – mit al­len Fol­gen. Gleich­zei­tig steigt bei fast je­dem die Be­las­tung am Ar­beits­platz, wo zu­neh­mend stär­ker wer­den­der Kon­kur­renz­druck und im­mer an­spruchs­vol­ler wer­den­de Tä­tig­kei­ten für Stress sor­gen. Kom­bi­niert mit Är­ger in der Be­zie­hung oder der Fa­mi­lie wird das al­les sehr vie­len Ös­ter­rei­che­rin­nen und Ös­ter­rei­chern sehr schnell zu viel.

Die Fol­ge sind Er­schöp­fungs­zu­stän­de bis hin zum völ­li­gen Zu­sam­men­bruch. Un­be­han­delt kann die See­le hier schnell ir­re­ver­si­ble Dau­er­schä­den da­von­tra­gen.Dah­er­holt­derKURIER in die­sem Ge­sund­heits­ma­ga­zin ge­mein­sam mit den füh­ren­den Psych­ia­tern und Psy­cho­lo­gen Ös­ter­reichs die psych­ia­tri­schen Er­kran­kun­gen aus ih­rer Ta­bu­zo­ne und zeigt, wie die meis­ten von ih­nen heu­te gut the­ra­pier­bar sind, so sie nur früh­zei­tig ge­nug er­kannt wer­den.

Es gibt kei­ne Krank­heit, über die man nicht of­fen spre­chen kann – und soll. In die­sem Sin­ne wün­sche ich Ih­nen ei­ne in­for­ma­ti­ve Lek­tü­re.

Herz­lichst, Ihr Chris­ti­an Neu­hold

Mag­da­le­na Meer­graf und Chris­ti­an Neu­hold ha­ben die­ses Ma­ga­zin ge­stal­tet

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