We­ge aus der De­pres­si­on

Die Sinn­haf­tig­keit ei­ner Psy­cho­the­ra­pie steht au­ßer Fra­ge. Und Psy­cho­phar­ma­ka zäh­len mitt­ler­wei­le zu den am meis­ten ver­schrie­be­nen Me­di­ka­men­ten. Wei­te­re Stra­te­gi­en zur Be­wäl­ti­gung ei­ner De­pres­si­on.

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Wie Pa­ti­en­ten ih­re De­pres­sio­nen über­wun­den ha­ben

Bei der Su­che nach pas­sen­den Be­wäl­ti­gungs­stra­te­gi­en soll­te man sich fol­gen­de drei Le­bens­be­rei­che ge­nau­er an­schau­en, rät die Lin­zer Psy­cho­the­ra­peu­tin He­le­ne Gr­übl: Die Be­zie­hung zu sich selbst, die Be­zie­hun­gen zu an­de­ren und die be­ruf­li­che Ebe­ne, be­zie­hungs­wei­se die Ebe­ne der Tä­tig­kei­ten, die es zu er­fül­len gilt – wie zum Bei­spiel die Pfle­ge ei­nes Fa­mi­li­en­mit­glie­des.

Was kann ich für mich tun?

Ein we­sent­li­ches Merk­mal bei De­pres­sio­nen ist ein ge­ring aus­ge­präg­tes Selbst­wert­ge­fühl. Ein klas­si­sches Bei­spiel sind Men­schen, die An­ge­hö­ri­ge pfle­gen, sich im­mer wie­der gro­ßen Stra­pa­zen aus­set­zen und an­de­re vor sich selbst stel­len. Sich mit Men­schen zu um­ge­ben, die ei­nem Wert­schät­zung ent­ge­gen­brin­gen, ist ein wich­ti­ger Schritt. Häu­fig sind Be­trof­fe­ne eher pas­siv und ängst­lich. Vi­ta­li­tät un­dLe­ben­dig­keit­soll­ten­wie­der­in­den

„Als Kunst­the­ra­peu­tin ist mei­ner Mei­nung nach auch Krea­ti­vi­tät als Aus­drucks­mit­tel ei­ne Mög­lich­keit zur Be­wäl­ti­gung.“ He­le­ne Gr­übl, Psy­cho­the­ra­peu­tin und Kunst­the­ra­peu­tin in Linz

All­tage­in­ge­baut­wer­den,wo­bei­d­a­mit nicht un­be­dingt ein Fit­ness­stu­dio ge­meint ist. Hier­bei geht es eher um Be­we­gung die ei­nem ent­spricht. In der Herbst­zeit, in der sich sai­so­na­le De­pres­sio­nen häu­fen, könn­te man sich mit­ei­nerF­reund­in­stat­timKaf­fee­haus auf ei­nen Spa­zier­gang tref­fen.

„Als Kunst­the­ra­peu­tin ist mei­ner Mei­nung nach auch Krea­ti­vi­tät als Aus­drucks­mit­tel ei­ne gu­te Mög­lich­keit zur Be­wäl­ti­gung“, sagt He­le­ne Gr­übl. Be­son­ders bei ho­her Ver­schlos­sen­heit kann sie ei­ne Brü­cke schla­gen und da­bei hel­fen, die Krank­heit zu be­wäl­ti­gen. „Im krea­ti­ven Aus­druck hat man die Mög­lich­keit, sei­ne Stim­mung aus­zu­drü­cken, los­zu­wer­den und zu be­ar­bei­ten.“Sich am En­de des Ta­ges auf et­was Er­freu­li­ches be­sin­nen – das kann ei­ne net­te Be­geg­nung, ein Lä­cheln oder auch ein schö­nes Buch sein. Die­se Er­kennt­nis kommt aus der Trau­ma­for­schung und könn­te eben­falls ei­ne mög­li­che Stra­te­gie sein. Oft­mals funk­tio­niert das nicht so­fort, aber es lässt sich er­ler­nen.

Wie se­hen mei­ne Be­zie­hun­gen aus?

Ge­ne­rell soll­te man sich fra­gen: Wie se­hen mei­ne Be­zie­hun­gen aus? Die Ant­wort muss kei­ne di­rek­te Ve­rän­de­rung be­deu­ten, wie zum Bei­spiel ei­ne Tren­nung. Den­noch wä­re es wich­tig, sich­zu­fra­gen:Pass­tes­noch?Was­wür­de ich ger­ne mit den Men­schen in mei­nem Le­ben un­ter­neh­men? „Man kann ei­ne Art Pa­ra­dig­men­wech­sel ver­su­chen und ge­zielt auf Men­schen zu­ge­hen, de­nen es zur­zeit be­son­ders gut geht“, schlägt Gr­übl au­ßer­dem vor.

Wie geht es mir im Job ?

Ge­ra­de im be­ruf­li­chen All­tag fällt es Men­schen mit De­pres­sio­nen häu­fig schwer, sich ab­zu­gren­zen. Ein Werk­zeug in der The­ra­pie kann hier das Rol­len­spiel sein. War­um fällt es mir schwer, „Nein“zu sa­gen? Oft wird es als un­mo­ra­lisch emp­fun­den, et­was für sich ein­zu­for­dern. Hier muss ei­ne neue Ein­stel­lung zu den ei­ge­nen Be­dürf­nis­sen ge­lernt wer­den: Was ha­be ich da­von, wenn ich im­mer „Ja“sa­ge? Bin ich we­ni­ger wert, wenn ich nicht län­ger in der Ar­beit blei­be? Es geht um die Er­kennt­nis, dass bei ei­nem „Nein“nichts Schlim­mes pas­siert, son­dern man sich da­mit so­gar Re­spekt ver­schaf­fen kann. Ein wich­ti­ger Stan­dard­satz soll­te sein: „Ich ha­be ei­nen Ter­min.“Wo­für der Ter­min auch im­mer steht – das bleibt per­sön­lich.

Wenn man ei­nen schlech­ten Tag hat­te, ist es wich­tig, sich dies ein­zu­ge­ste­hen, und nicht so zu tun, als wä­re es an­ders ge­we­sen. Man ten­diert zu sehr, den an­de­ren ent­spre­chen zu wol­len. Das spie­gelt aber nicht im­mer die ei­ge­ne Stim­mung wie­der, man ist eben nicht im­mer im in­ne­ren Gleich­ge­wicht. Die­se Über­an­ge­passt­heit ist auf Dau­er kon­tra­pro­duk­tiv für die kör­per­li­che und see­li­sche Ge­sund­heit. „Der Kör­per lügt nicht“, ap­pel­liert Gr­übl.

Es gibt mitt­ler­wei­le vie­le Mög­lich­kei­ten, mit ei­ner De­pres­si­on um­zu­ge­hen

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