So ver­mei­den Sie ein Burn-out

Le­bens-und Ar­beits­mo­del­le sind heut­zu­ta­ge viel­fäl­tig und kaum ver­all­ge­mei­ner­bar. Psy­cho­lo­gin Bar­ba­ra Amon spricht sich da­her für ei­nen in­di­vi­du­el­len Zu­gang bei der Burn-out-Prä­ven­ti­on aus.

KURIER_PSYCHE - - INHALT - NA­DI­NE OBERMÜLLER

Was bei Burn-out-Prä­ven­ti­on wich­tig ist

Ein Burn-out hat sel­ten nur ei­nen Aus­lö­ser. „Häu­fig wird ein Le­bens­be­reich als be­son­ders be­an­spru­chend er­lebt, et­wa die Ar­beit. Hin­zu kom­men in der Re­gel wei­te­re Fak­to­ren, wie Vor­fäl­le in der Fa­mi­lie“, er­klärt Bar­ba­ra Amon, Ex­per­tin im Be­reich der Burn-out-Prä­ven­ti­on. Die Sum­me die­ser Her­aus­for­de­run­gen führt da­zu, dass das see­li­sche und kör­per­li­che Gleich­ge­wicht ins Wan­ken ge­rät. Um die Ba­lan­ce wie­der­zu­fin­den, kön­nen fol­gen­de acht Schrit­te da­bei hel­fen.

Bei sich selbst nach­fra­gen

Wer sei­nen All­tag re­gel­mä­ßig hin­ter­fragt, kann nach­hal­tig ge­gen Sym­pto­me des Aus­ge­brannt­seins vor­ge­hen. Amon rät da­zu, sich fol­gen­de Fra­gen täg­lich zu stel­len: Wie geht es mir ge­ra­de? Brau­che ich ei­ne Pau­se? Wel­che Be­dürf­nis­se ha­be ich, so­wohl kör­per­lich als auch geis­tig?

Kon­troll­leuch­ten be­ach­ten

Der mensch­li­che Kör­per ver­fügt über Warn­si­gna­le, die bei Über­be­an­spru­chung auf sich auf­merk­sam ma­chen. „Das funk­tio­niert wie bei den Kon­troll­leuch­ten im Au­to“, so Amon. Zwei Wo­chen oh­ne Re­ge­ne­ra­ti­ons­pha­sen durch­hal­ten, weil man durch den Spaß am Job ne­ga­ti­ven Stress in po­si­ti­ven um­wan­delt – auch das funk­tio­niert nur be­grenzt. Nach ei­ner Be­an­spru­chungs­pha­se braucht es im­mer wie­der ei­ne Er­ho­lungs­pha­se.

Er­ho­lung in­di­vi­du­ell ge­stal­ten

Er­ho­lung be­deu­tet für je­den et­was an­de­res. „Man soll­te nicht per se auf Well­ness­an­ge­bo­te set­zen, son­dern sich ehr­lich fra­gen, wie man gut ab­schal­ten kann“, gibt die Ex­per­tin zu be­den­ken. Für den ei­nen ist es Sport, für den zwei­ten Le­sen und der drit­te geht lie­ber ins Ki­no – und al­les kann wir­ken.

Frei­zeit nicht je­der­zeit un­ter­bre­chen

Eben­so soll­te man ge­nü­gend Re­ge­ne­ra­ti­ons­pha­sen in die ei­ge­ne Wo­chen­pla­nung mit­ein­be­zie­hen. Ih­re Dau­er ist gar nicht so aus­schlag­ge­bend: „Wich­tig ist es, auch in ei­nem Job, der ei­ne ho­he Er­reich­bar­keit er­for­dert, abend­s­ei­nenZei­t­raum­von­ein­bis­zwei St­un­den Aus­zeit ein­zu­pla­nen.“

Ar­beit nicht je­der­zeit un­ter­bre­chen

Die neue eMail so­fort che­cken oder gleich auf den neu­en Face­book-Kommentar re­agie­ren – bei­des schlech­te Ide­en, wenn man mit­ten in der kon­zep­tio­nel­len Ar­beit für ein Pro­jekt steckt. Es liegt im Sinn ge­sun­der Res­sour­cen­ver­wen­dung, „fixe Zei­ten ein­zu­pla­nen, in de­nen die Ar­beit nicht un­ter­bro­chen wird“, rät Amon.

Kos­ten-Nut­zen-Rech­nung

Ei­ni­ge Men­schen ha­ben ein Pro­blem da­mit, „Nein“zu sa­gen, wenn der sym­pa­thi­sche Ar­beits­kol­le­ge um Hil­fe bit­tet. Es emp­fiehlt sich in die­ser Si­tua­ti­on ei­ne Kos­ten-Nut­zen-Rech­nung auf­zu­stel­len und sich zu fra­gen: Was kos­tet es mich? Muss ich da­für Ab­stri­che in mei­ner Frei­zeit ma­chen?

Kurz­pau­sen schät­zen ler­nen

Die po­si­ti­ve Wir­kung von Kurz­pau­sen wird häu­fig un­ter­schätzt, so die Be­ob­ach­tung der Psy­cho­lo­gin. Drei bis fünf Mi­nu­ten rei­chen schon, um wie­der neue Ener­gie zu tan­ken. Wich­tig ist ei­ne Ve­rän­de­rung der Hal­tung: Wer beim Ar­bei­ten sitzt, soll­te in der Pau­se auf­ste­hen, und um­ge­kehrt.

Dem Mul­ti­tas­king Gren­zen set­zen

Vie­le Auf­ga­ben auf ein­mal zu er­le­di­gen, ist be­ruf­lich oft un­ab­ding­bar. „Wenn Mul­ti­tas­king aber ein per­ma­nen­tes Ver­hal­ten dar­stellt und man so­gar beim Ko­chen noch ei­nen Ro­man liest, wird es ge­fähr­lich“, meint Amon. Über­trie­be­nes Mul­ti­tas­king för­dert den Zu­stand, im­mer schlech­ter ab­schal­ten zu kön­nen.

„Die­se Tipps kön­nen auf der Su­che nach ge­eig­ne­ten Maß­nah­men zur Vor­beu­gung hilf­reich sein.“ Bar­ba­ra Amon, Kli­ni­sche und Ge­sund­heits­psy­cho­lo­gin in Wi­en

Ein Spa­zier­gang im Wald oder Le­sen – Er­ho­lung be­deu­tet für je­den et­was an­de­res. Ex­per­tin Bar­ba­ra Amon rät zur Su­che nach dem ei­ge­nen Prä­ven­ti­ons­sys­tem

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