Ers­te Hil­fe bei Epi­lep­sie

KURIER_PSYCHE - - INHALT - NA­DI­NE OBERMÜLLER

So hilft man Be­trof­fe­nen wäh­rend ei­nes An­falls

Wie man bei ei­nem epi­lep­ti­schen An­fall rich­tig hilft

„Krampf­an­fäl­le kön­nen durch­aus ei­nen er­schre­cken­den Cha­rak­ter für Erst­hel­fer dar­stel­len“, sagt Wolf­gang Schrei­ber, Bun­deschef­arzt des Ös­ter­rei­chi­schen Ro­ten Kreu­zes. Wenn ei­ne Per­son ei­nen epi­lep­ti­schen An­fall er­lei­det,soll­man­den­noch­ver­su­chen,Ru­he­zu­be­wah­ren und den Ret­tungs­not­ruf 144 wäh­len. Ein epi­lep­ti­scher An­fall tritt sehr ab­rupt auf: „Epi­lep­sie ist ei­ne Krank­heit, die sich in plötz­lich ein­set­zen­den, star­ken Krämp­fen und kur­zer Be­wusst­lo­sig­keit von meist zwei bis vier Mi­nu­ten auf­grund ei­ner Stö­rung der Ge­hirn­strom­tä­tig­keit äu­ßert“, er­klärt Schrei­ber. Da­mit kön­nen Mus­kel­star­re, Mus­kel­zu­ckun­gen und auch ein Atem­still­stand mit Zya­no­se ein­her­ge­hen. Zya­no­se be­zeich­net die blau-violette Fär­bung von Fin­ger­spit­zen, Lip­pen oder der Haut, die durch man­geln­de Sau­er­stoff­sät­ti­gung des Blu­tes be­zie­hungs­wei­se des Blut­farb­stoffs Hä­mo­glo­bin ent­steht. „Auch ei­ne Harn- oder Stuh­lent­lee­rung ist mög­lich, so­wie blu­ti­ger Schaum vor dem Mund we­gen ei­nes Zun­gen­bis­ses“, er­gänzt Rot­kreuz-Arzt Schrei­ber.

Vor dem Be­ginn ei­nes Krampf­an­falls ha­ben Epi­lep­sie-Pa­ti­en­ten manch­mal ei­ne Vor­ah­nung, auch Au­ra ge­nannt. An die Zeit wäh­rend des An­falls selbst kön­nen sich Be­trof­fe­ne nicht er­in­nern. Es sei vor al­lem wich­tig, den Be­trof­fe­nen nicht fest­zu­hal­ten, son­dern in der Nä­he zu blei­ben und ab­zu­war­ten. Um die er­krank­te Per­son wäh­rend der Dau­er des Kramp­fes vor Ver­let­zun­gen zu schüt­zen, müs­sen Ge­gen­stän­de wie Ses­sel oder Ti­sche aus der Um­ge­bung ent­fernt wer­den.

Ist der An­fall vor­über, füh­len sich Epi­le­spie-Pa­ti­en­ten häu­fig sehr mü­de. In die­ser „Nach­schlaf­pha­se“soll da­her auf wei­te­re mög­li­che Schluck­stö­run­gen ge­ach­tet wer­den, rät Schrei­ber. „Di­rekt nach dem Krampf­an­fall soll­te man kon­trol­lie­ren, ob der Er­krank­te nor­mal at­met und ei­ne Sei­ten­la­ge­rung durch­füh­ren – so­fern er an­sprech­bar ist.“

Um ei­ne nor­ma­le At­mung si­cher­zu­stel­len, kann es au­ßer­dem hilf­reich sein, ei­nen Pols­ter un­ter den Kopf zu le­gen. Falls schau­mi­ger oder blu­ti­ger Spei­chel beimM­und­auf­tritt,soll­te­die­ser­mit­ei­ne­mTa­schen­tuch oder ei­ner Wund­auf­la­ge weg­ge­wischt wer­den. Ab­schlie­ßend sei es laut Schrei­ber rat­sam, bis zum Ein­tref­fen der Ret­tung noch fol­gen­de Maß­nah­men zu tref­fen: „De­cken Sie den Er­krank­ten zu und spre­chen Sie mit ihm bis der Ret­tungs­dienst kommt. Mo­der­ne Ret­tungs­leit­stel­len hal­ten mit den Erst­hel­fern Te­le­fon­kon­takt, bis die Ret­tung ein­trifft, und ge­ben wei­te­re Ers­te-Hil­fe-Tipps.“

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