Die Kos Psy­cho Ten der the­ra­pie

Wer sich ei­ne Be­hand­lung bei nie­der­ge­las­se­nen Psy­cho­lo­gen nicht leis­ten kann, für den heißt es war­ten. Ei­ne The­ra­pie dau­ert bis zu ei­nem Jahr.

KURIER_PSYCHE - - UNSER GEHIRN - MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Ich konn­te mir kei­ne Psy­cho­the­ra­pie leis­ten“, die­ser Satz fällt in Ge­sprä­chen mit von psy­chi­schen Lei­den be­trof­fe­nen Men­schen im­mer wie­der. Ei­ne The­ra­pie dau­ert durch­schnitt­lich ein hal­bes Jahr bis Jahr. Ei­ne St­un­de kos­tet in Ost­ös­ter­reich zwi­schen 70 bis 100 Eu­ro. Der Zu­schuss va­ri­iert je nach Kran­ken­kas­se: SVA und Ge­biets­kran­ken­kas­se zah­len 21,80 Eu­ro. „Das kann sich ein Mensch, der sich viel­leicht oh­ne­hin schon in ei­ner schwie­ri­gen so­zia­len Si­tua­ti­on be­fin­det, nicht leis­ten“, sagt Pe­ter Stippl, Prä­si­dent des Ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­ver­bands für Psy­cho­the­ra­pie. Auch die An­zahl der Psy­cho­the­ra­pie­stun­den, die als Sach­leis­tung von der So­zi­al­ver­si­che­rung be­zahlt wer­den, sei zu ge­ring. „Es ist Mo­de ge­wor­den, die Kos­ten über den Man­gel zu ma­na­gen“, kri­ti­siert Stippl. In der brei­ten Öf­fent­lich­keit ist die­se Dis­kus­si­on zu­letzt er­neut ent­facht, als sich Eva Mück­stein, Ge­sund­heits­spre­che­rin der Grü­nen und selbst Psy­cho­the­ra­peu­tin, für Kas­sen­ver­trä­ge und Zu­schuss-Er­hö­hung aus­ge­spro­chen hat. An­lass war ei­ne An­fra­ge­be­ant­wor­tung zur Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on in Ös­ter­reich durch das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um. Die von den Kas­sen ge­lie­fer­ten Da­ten sei­en un­voll­stän­dig, so Mü­cken­stein ge­gen­über der APA. Die letz­te Ana­ly­se mit voll­stän­di­gen Zah­len stam­men aus dem Jahr 2009: Dem­nach er­hiel­ten in Ös­ter­reich rund 900.000 Men­schen we­gen psy­chi­scher Lei­den Leis­tun­gen der Kran­ken-

ver­si­che­rung. Rund 840.000 Ös­ter­rei­cher be­ka­men Psy­cho­phar­ma­ka aus den Grup­pen der An­ti­de­pres­si­va, der An­ti­psy­cho­ti­ker oder der Tran­qui­li­zer. We­gen psy­chi­scher Dia­gno­sen wa­ren rund 78.000 Per­so­nen im Kran­ken­stand­und70.000hat­ten­des­halb ei­nen sta­tio­nä­ren Auf­ent­halt. Die psych­ia­tri­sche Re­ha dau­ert sechs Wo­chen bis acht Wo­chen. Im Ent­las­sungs­brief wird meist ei­ne Fort­set­zung der am­bu­lan­ten Psy­cho­the­ra­pie emp­foh­len. Nach der An­mel­dung für ei­ne Psy­cho­the­ra­pie auf Kran­ken­schein, war­ten Be­trof­fe­ne meist meh­re­re Mo­na­te auf ei­nen frei­en Platz. „Die ge­sam­te Mo­ti­va­ti­on und al­les Er­ar­bei­te­te geht in die­ser Zeit ver­lo­ren und die gro­ße Frus­tra­ti­on kommt“, so Stippl. Mehr als die Hälf­te der Früh­pen­si­ons­an­trä­ge wer­den mit psy­chi­schen Lei­den be­grün­det.

Das Ge­setz gibt vor, dass die So­zi­al­ver­si­che­rung aus­rei­chend Sach­leis­tungs­ver­sor­gung zur Ver­fü­gung zu stel­len hat. „Ein Aus­bau der Sach­leis­tungs­ver­sor­gung wä­re wün­schens­wert“, heißt es im Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um. Die Trä­ger der Kran­ken­ver­si­che­rung wür­den al­ler­dings an­ge­ben, dass sie ei­nen sub­stan­zi­el­len Aus­bau nicht fi­nan­zie­ren kön­nen. Da auch die Finanzierung der so­zia­len Kran­ken­ver­si­che­rung nach­hal­tig si­cher­ge­stellt sein muss, be­fin­de man sich in ei­ner Art Ziel­kon­flikt. „Ob ei­ne An­he­bung des Zu­schus­ses bei den Be­trof­fe­nen, kon­kret den Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten, an­kommt, wird kri­tisch ge­se­hen. Von Sei­ten der So­zi­al­ver­si­che­rung be­stün­de die Be­fürch­tung, dass ei­ne An­he­bung der Zu­schüs­se di­rekt auf hö­he­re Ta­ri­fe bei den The­ra­peu­ten ‚durch­schla­gen‘ wür­de“, sagt Spre­che­rin Bar­ba­ra Pam­mer auf An­fra­ge. Schluss­end­lich hand­le es sich um ei­ne fi­nan­zi­el­le Fra­ge. Und die ist ge­ra­de in Zei­ten an­ge­spann­ter Bud­gets nicht leicht zu lö­sen.

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