„FOR­SCHER RÄT­SELN NOCH“

Psych­ia­ter Bor­win Ban­de­low ver­mu­tet den Ur­sprung von Pa­nik­stö­run­gen in ei­ner Schwä­che des Se­ro­to­nin-Sys­tems. Es gibt Me­di­ka­men­te, die hier hel­fen

KURIER_PSYCHE - - ANGST -

War­um sind man­che Men­schen furcht­lo­ser als an­de­re?

Bor­win Ban­de­low: Wie al­les in der Na­tur, ist auch die Angst nor­mal­ver­teilt. Ge­nau­so wie es klei­ne­re und grö­ße­re Men­schen gibt, gibt es Men­schen die ängst­li­cher sind als an­de­re.

Gibt es re­gio­na­le Un­ter­schie­de?

Im Nor­den sind Men­schen ängst­li­cher als im Sü­den. In Deutsch­land bei­spiels­wei­se spa­ren die Leu­te mehr und kau­fen mehr Ver­si­che­run­gen. In Nor­we­gen oder Finn­land ist Si­cher­heits­wah­rung noch wich­ti­ger. Mei­ne Hy­po­the­se lau­tet: Frü­her, als die Men­schen von Äthio­pi­en in den Nor­den ge­reist sind, muss­ten sie vor­aus­schau­end den­ken kön­nen, um zu über­le­ben. Die Ängst­li­chen sind da­her wei­ter rauf ge­kom­men. Das ist mein per­sön­li­cher An­satz, der ist na­tür­lich nicht gut nach­weis­bar, aber ich fin­de ihn durch­aus plau­si­bel.

Wo wer­den Pa­nik­stö­run­gen ver­ur­sacht?

Frü­her hat man be­haup­tet, der Man­del­kern sei das Zen­trum, in dem die Pa­nik los­geht. Heu­te weiß man, das sind vie­le ein­zel­ne Ge­bie­te. Ein Ver­bund von ver­schie­de­nen Zen­tren. Wel­ches ge­n­au­das­wich­tig­steist,weiß­man­noch nicht. Man kann nicht ge­nau sa­gen, wo es sitzt, ob­wohl es im­mer wie­der Leu­te gibt die glau­ben sie wüss­ten es.

Wie lau­tet Ih­re Ver­mu­tung?

Mein star­ker Ver­dacht ist, dass das Se­ro­to­nin-Sys­tem im Ge­hirn wich­tig ist da­für. Es ist ei­ne Art Brem­se. Wenn man sich auf­regt, sorgt es da­für, dass man sich wie­der ab­regt.

Wo­durch wird Ih­re Hy­po­the­se be­kräf­tigt?

Ich ha­be vor Kur­zem ei­nen Ar­ti­kel ge­schrie­ben, der im The World Jour­nal of Bio­lo­gi­cal Psych­ia­try ver­öf­fent­licht wur­de, wo ich die Mei­nun­gen von 32 in­ter­na­tio­na­len­Ex­per­ten­aus­derN­eu­ro­bio­lo­gie der Angst zu­sam­men­ge­bracht ha­be. Die­ses Pa­per sagt: Wir ha­ben vie­le Er­kennt­nis­se zu­sam­men­ge­tra­gen und kön­nen den­noch im­mer noch nicht ge­nau sa­gen, was da pas­siert. Was wir wis­sen ist, dass es Me­di­ka­men­te gibt, die gut hel­fen. Und die­je­ni­gen, die am bes­ten wir­ken, be­ein­flus­sen das Se­ro­to­nin-Sys­tem. Das ist der Grund, war­um ich ver­mu­te, dass es ei­ne wich­ti­ge zen­tra­le Rol­le spielt in der Ver­ur­sa­chung der Angst. Mei­ne Hy­po­the­se ist, dass die­ses Sys­tem, das bei Er­re­gung brem­sen soll, schwäch­lich ist.

War­um hat man die­ses krank­heits­ver­ur­sa­chen­de Zen­trum noch nicht aus­fin­dig ma­chen kön­nen? Wo­rin liegt das Pro­blem in der For­schung?

Da gibt es ei­nen sehr wei­sen Spruch: Wenn das Ge­hirn so ein­fach wä­re, dass wir es ver­ste­hen wür­den, dann wä­ren wir so ein­fach, dass wir es nicht ver­ste­hen wür­den.

Kann die Angst­stö­rung an­ge­lernt sein?

Frü­her wur­de die An­nah­me über­stra­pa­ziert, dass die El­tern schuld sei­en. Da­von ist man ab­ge­kom­men, das spielt kei­ne Rol­le. Das Kind wird ja nicht nur durch die El­tern er­zo­gen, son­dern auch von sei­nem rest­li­chen Um­feld. Es gibt die Mög­lich­keit, dass trau­ma­ti­sche Kind­heits­er­leb­nis­se ei­ne Rol­le spie­len wie Miss­brauch oder Tren­nung von den El­tern. Das müs­sen aber mas­si­ve Er­leb­nis­se ge­we­sen sein, da­mit sie in Zu­sam­men­hang mit der Angs­ter­kran­kung ge­bracht wer­den kön­nen.

„Was wir wis­sen ist, dass es Me­di­ka­men­te gibt, die gut hel­fen. “

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