„DAS GE­HIRN HEILT SICH SELBST“

Neu­ro­feed­back-Spe­zia­list Tho­mas Flatz über Chan­cen der Hirn­strom­mes­sung bei der Be­hand­lung von De­pres­si­on & Co.

KURIER_PSYCHE - - NEUROFEEDBACK -

Was ist Neu­ro­feed­back ei­gent­lich? Tho­mas Flatz: Neu­ro­feed­back lie­fert dem Ge­hirn ein au­dia/vi­su­el­les und tak­ti­les Feed­back be­ste­hen­der Ge­hirn­strö­me. Da­durch kann das Ge­hirn auch­auf­be­ste­hen­deAb­läu­fe­re­agie­ren und die­se be­ein­flus­sen. Für Pa­ti­en­ten mit De­pres­sio­nen, ADHS oder Epi­lep­sie bie­tet sich da­durch ei­ne Chan­ce, die Aus­wir­kun­gen der je­wei­li­gen Er­kran­kung ab­zu­mil­dern.

Wie kann sich das Ge­hirn selbst hei­len?

Durch die Vi­sua­li­sie­rung der Ge­hirn­strö­me fängt das Ge­hirn an, dar­auf zu re­agie­ren. Durch von au­ßen zu­ge­setz­te Rei­ze – im Bei­spiel mit Kon­rad wä­re das die Darstel­lung des Raum­schiffs am Bild­schirm – wer­den die ent­spre­chen­den Ge­hirn­re­gio­nen da­hin­ge­hend ak­ti­viert, wie­der im Nor­mal­be­trieb zu funk­tio­nie­ren und Re­gu­lie­rungs­stö­run­gen zu be­sei­ti­gen. Das geht al­ler­dings nicht bei je­der psy­cho­so­ma­ti­schen Er­kran­kung und be­darf rund 20 bis 40 Wie­der­ho­lun­gen, bis es funk­tio­niert.

Be­ein­flusst der Pa­ti­ent die Vor­gän­ge im Ge­hirn ak­tiv?

Nein, es han­delt sich aus­schließ­lich um In­ter­ak­tio­nen im Un­ter­be­wusst­sein, von de­nen der Pa­ti­ent ei­gent­lich gar nichts mit­be­kommt. Der Pa­ti­ent kann sich nur kon­zen­trie­ren, ent­span­nen und am En­de kom­plett los­las­sen, den Rest er­le­digt das Ge­hirn von al­lei­ne.

War­um ha­ben Pa­ti­en­ten bei Neu­ro­feed­back-Be­hand­lun­gen dann das Ge­fühl, al­les kon­trol­lie­ren und steu­ern zu kön­nen?

Der Com­pu­ter vi­sua­li­siert eben auch ak­tu­el­le Ve­rän­de­run­gen in den Ge­hirn­strö­men. Da­durch hat der Pa­ti­ent eben das Ge­fühl, dass er ein Flug­ob­jekt al­lein durch die Kraft der Ge­dan­ken steu­ern kann. In Wirk­lich­keit steu­ert das ver­än­der­te Un­ter­be­wusst­sein das Flug­ob­jekt. Da es aber der Er­war­tung des Pa­ti­en­ten ent­spricht, kommt es zu ei­ner po­si­ti­ven Re­ak­ti­on. Je öf­ter sich die­ses Ge­fühl beim Pa­ti­en­ten im Lau­fe der The­ra­pie ein­stellt, des­to grö­ßer sind die Chan­cen, dass Fehl­schal­tun­gen im Ge­hirn be­ho­ben oder ent­spre­chen­de Blo­cka­den auf­ge­löst wer­den. Es ist ver­gleich­bar mit den Fahr­rad­fah­ren. Wenn wir es ein­mal ge­lernt ha­ben, dann ver­ges­sen wir es nicht, auch wenn wir viel­leicht jah­re­lang nicht mehr mit dem Rad ge­fah­ren sind. Ähn­lich ist es mit dem Ge­hirn. Das vergisst an sich po­si­ti­ve Ab­läu­fe auch nicht, die sind nur von Fehl­funk­tio­nen über­la­gert. Neu­ro­feed­back hilft dem Ge­hirn, die­se Fehl­schal­tun­gen auf nor­mal um­zu­po­len.

Wo sind po­si­ti­ve Aus­wir­kung nach­weis­bar?

Bei De­pres­sio­nen, Epi­lep­sie und ADHS gibt es nach ei­ner The­ra­pie mit Neu­ro­feed­back mess­ba­re po­si­ti­ve Ent­wick­lun­gen bei über 80 Pro­zent der Pa­ti­en­ten. In­zwi­schen gibt es hier gro­ße wis­sen­schaft­li­che Ver­suchs­rei­hen an­ge­se­he­ner In­sti­tu­te in den USA oder Deutsch­land, die die­se po­si­ti­ven Aspek­te der Neu­ro­feed­back-The­ra­pie be­wie­sen ha­ben. Den­noch wün­schen wir uns, dass evi­denz­ba­sier­te For­schung für Neu­ro­feed­back im In­ter­es­se der Pa­ti­en­ten wei­ter vor­an­ge­trie­ben wird.

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