Der Com­pu­ter denkt mit

Com­pu­ter-Pio­nier IBM ent­wi­ckelt „mit­den­ken­de“und „ler­nen­de“IT-Sys­te­me, wel­che Ärz­te un­ter­stüt­zen. IBM-Ma­na­ge­rin Eva Deutsch über die drit­te Com­pu­ter-Ge­ne­ra­ti­on.

KURIER_PSYCHE - - COGNITIVE COMPUTING -

Co­gni­ti­ve Com­pu­ting ist der nächs­te Evo­lu­ti­ons­schritt in der Com­pu­ter­tech­no­lo­gie nach Loch­kar­ten und pro­gram­mier­ba­ren Sys­te­men. Die­se IT-Sys­te­me wer­den nicht mehr pro­gram­miert, son­dern ler­nen an­hand von Da­ten und Be­nut­zer­inter­ak­tio­nen. Sie ver­ste­hen Spra­che in all ih­rer Kom­ple­xi­tät und Mehr­deu­tig­keit und kön­nen in ho­her Ge­schwin­dig­keit ei­ne gro­ße Men­ge un­struk­tu­rier­te Da­ten aus un­ter­schied­lichs­ten Qu­el­len in­tel­li­gent in­ter­pre­tie­ren. Mit die­sen Sys­te­men will IBM Ärz­ten und Pfle­ge­per­so­nal ei­ne ent­schei­den­de Hil­fe zur ef­fi­zi­en­ten per­so­na­li­sier­ten Me­di­zin ge­ben. Eva Deutsch, Lei­te­rin des Be­reichs He­alth Ca­re bei IBM, zu den Zie­len des Co­gni­ti­ve Com­pu­tings.

Wie kann Co­gni­ti­ve Com­pu­ting Ärz­te bei der Be­hand­lung un­ter­stüt­zen?

Eva Deutsch: Die drit­te Ge­ne­ra­ti­on der Com­pu­ter kann für je­den Pa­ti­en­ten aus ei­ner un­über­schau­ba­ren Men­ge an Da­ten zu sei­ner Krank­heit, et­wa aus me­di­zi­ni­scher Li­te­ra­tur, Lehr­bü­chern, den an vie­len Or­ten ge­la­ger­ten Pa­ti­en­ten­da­ten und in In­ter­ak­ti­on mit dem Arzt, bin­nen kür­zes­ter Zeit al­le für die spe­zi­el­le Si­tua­ti­on des Pa­ti­en­ten re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen zu­sam­men­su­chen und die­se dem Arzt zur Un­ter­stüt­zung der Be­hand­lung zur Ver­fü­gung stel­len. Das ent­las­tet die Ärz­te oder das Pfle­ge­per­so­nal, die da­durch mehr Zeit ha­ben, sich di­rekt um den Pa­ti­en­ten am Kran­ken­bett oder in der Or­di­na­ti­on zu küm­mern.

Wel­che Vor­tei­le bringt das dem Arzt?

Das IT-Sys­tem kann Zu­sam­men­hän­ge er­ken­nen, die sich sonst nur in den Köp­fen von Top-Ex­per­ten fin­den, die zum je­wei­li­gen Krank­heits­ge­biet jah­re­lan­ge Er­fah­rung mit ho­hen Pa­ti­en­ten­zah­len ge­sam­melt ha­ben. Die­ses Wis­sen er­hält dann je­der be­han­deln­de Arzt. Für die­sen ist das ei­ne ent­schei­den­de Hil­fe bei der Wahl der rich­ti­gen The­ra­pie.

Das klingt, als könn­te ich als Pa­ti­ent gleich zu Dr. Com­pu­ter ge­hen?

Der Com­pu­ter lie­fert nur In­for­ma­tio­nen. Er stellt kei­ne Dia­gno­se. Der Arzt oder die Pfle­ger ha­ben im­mer das letz­te Wort und tref­fen die für den Pa­ti­en­ten re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen. Nur hat sich die Wis­sens­ba­sis, auf­grund der die­se Ent­schei­dung ge­trof­fen wird, deut­lich ver­bes­sert.

Kann Co­gni­ti­ve Com­pu­ting auch ei­ne Hil­fe bei der Prä­ven­ti­on sein?

Auf al­le Fäl­le, denn die Sys­te­me kön­nen auch ak­tu­el­le Mess­da­ten des Pa­ti­en­ten, et­wa durch We­ara­bles, oder Da­ten von Sen­so­ren aus der Um­ge­bungdes­Pa­ti­en­ten­ver­wer­ten­und­die­sen oder An­ge­hö­ri­ge recht­zei­tig vor kri­ti­schen Si­tua­tio­nen war­nen. Wir ha­ben das be­reits für Dia­be­tes-Pa­ti­en­ten ent­wi­ckelt, de­ren Krank­heits­da­ten in­klu­si­ve ih­rer Le­bens­si­tua­ti­on mit aku­ten Er­eig­nis­sen ver­bun­den wer­den. Al­go­rith­men kön­nen dann kri­ti­sche Si­tua­tio­nen vor­her­se­hen und Pa­ti­en­ten oder den be­treu­en­den Arzt recht­zei­tig war­nen. Für Par­kin­sonPa­ti­en­ten­ar­bei­ten­wirand­erEnt­wick­lung ei­nes Sys­tems, in dem et­wa die Rä­um­lich­kei­ten ei­nes Pfle­ge­heims mit Sen­so­ren ver­netzt wer­den, wel­che die ty­pi­schen Be­we­gungs­mus­ter je­des Pa­ti­en­ten er­stel­len. Bricht ein Pa­ti­ent aus die­sem Mus­ter aus, wird das Pfle­ge­per­so­nal alar­miert und kann kri­ti­schen Si­tua­tio­nen vor­beu­gen.

„Co­gni­ti­ve Com­pu­ting lie­fert dem be­han­deln­den Arzt in je­der Si­tua­ti­on die für den je­wei­li­gen Pa­ti­en­ten ge­ra­de wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen.“ DI Dr. Eva Deutsch, Lei­te­rin des Be­reichs He­alth­ca­re bei IBM

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