„TRÄGT AUCH ZUM STRESS­AB­BAU BEI“

Dr. Lu­kas Gra­fe­nau­er ist Sport­arzt, Lun­gen­fach­arzt und All­ge­mein­me­di­zi­ner. Er hält Jum­ping für ein gu­tes Trai­ning – wenn es nicht die al­lei­ni­ge Sport­art ist, die man aus­übt.

KURIER_PSYCHE - - BEWEGUNG -

Was ist das Be­son­de­re am Sprin­gen? Lu­kas Gra­fe­nau­er: Wir wer­den an un­se­re Kind­heit er­in­nert und es macht uns Spaß. Zu­dem ist es ei­ne Sport­art, die man in der Grup­pe aus­übt und die von gu­ter Mu­sik be­glei­tet wird. Das stei­gert den Spaß­fak­tor. Und al­les, was Freu­de be­rei­tet, baut man eher in sein Le­ben ein. Wer mit Jum­pen an­fängt, hat al­so ei­ne gu­te Chan­ce, da­bei­zu­blei­ben. Den­noch wür­de ich zu Po­ly­spor­ti­vi­tät ra­ten, al­so mit Nor­dic Wal­ken oder Jog­gen zu kom­bi­nie­ren.

Ist Sprin­gen ge­sund?

Jum­pen ist ein gu­tes Herz-Kreis­laufTrai­ning und zu­sätz­lich Kräf­ti­gungs­trai­ning der Bein-, Rumpf-, Arm- und Ge­säß­mus­ku­la­tur – al­so was Kraft und Aus­dau­er be­trifft, ein idea­ler Sport. Zu­sätz­lich ist es ein tol­les Trai­ning für Ko­or­di­na­ti­on, für Ba­lan­ce und Rhyth­mus und den Gleich­ge­wichts­sinn. Da­zu kommt, dass je­des Sprung­kraft­trai­ning in­di­rekt auch die Schnel­lig­keit ver­bes­sert.

Wer soll­te nicht jum­pen?

Pa­ti­en­ten mit star­kem Über­ge­wicht oder Blut­hoch­druck wür­de ich es zu­min­dest als Ein­stiegs­sport­art nicht emp­feh­len.Sie­soll­tenet­wa­mitNor­dic Wal­ken be­gin­nen und erst ab ei­ner ge­wis­sen Grund­kon­di­ti­on mit dem Sprin­gen be­gin­nen – und zwar auch hier lang­sam und die In­ten­si­tät nach und nach stei­gern. Vom Jum­pen ganz ab­se­hen soll­ten Per­so­nen mit aku­ten Ver­let­zun­gen, mit oder Sprung­ge­lenks-, Knie- oder Rü­cken­be­schwer­den oder Band­schei­ben­vor­fall, bei fie­ber­haf­ten In­fek­ten so­wie Throm­bo­sen. Ver­ges­sen da­bei darf man aber nicht, dass um­ge­kehrt das Sprin­gen Mus­kel­to­nus und -span­nung ver­bes­sert. Da­durch kann es auf Dau­er ge­se­hen zur Ent­las­tung der Ge­len­ke bei­tra­gen. Birgt es ge­sund­heit­li­che Ri­si­ken?

Ei­ne sau­be­re tech­ni­sche Durch­füh­rung ist wich­tig. Man soll­te beim Sprin­gen im­mer auf den Bal­len lan­den. Dann ist es ein re­la­tiv ri­si­ko­ar­mer Sport. Na­tür­lich kann man im Sprung­ge­lenk um­kip­pen. Da­her soll­te man im­mer mit leich­ten Sprün­gen be­gin­nen und die Fre­quenz und Hö­he der Sprün­ge erst lang­sam stei­gern.

Muss man sich auf ei­ne Jum­ping-St­un­de be­son­ders vor­be­rei­ten?

Ich ra­te beim Auf­wär­men zu ko­or­di­na­ti­ven Übun­gen und Lauf­übun­gen, be­vor ich auf das Tram­po­lin stei­ge oder ein Seil in die Hand neh­me. Seit Jah­ren wird ja wi­der­sprüch­lich dis­ku­tiert, ob man Deh­nen soll oder nicht. Ich bin der Mei­nung, dass das Stret­chen so­wohl beim Auf­wär­men als auch beim Cool-down ei­ne gu­te Sa­che ist, wenn man es rich­tig do­siert, re­gel­mä­ßig macht und nicht bis zur Schmerz­gren­ze geht.

Gibt es beim Jum­pen auch so et­was wie das be­rühm­te ,Run­ner’s High‘?

Laut Li­te­ra­tur wer­den auch hier, wie bei je­dem Aus­dau­er­trai­ning, En­dor­phi­ne frei­ge­setzt. Da­durch kommt es zu Glücks­ge­füh­len, wenn man es re­gel­mä­ßig macht. Ich ha­be es auch am ei­ge­nen Leib er­lebt, als ich an ei­ner Jum­ping-St­un­de teil­ge­nom­men ha­be: Die­ses Work-out macht rich­tig Spaß. Dar­über hin­aus trägt es zum Stress­ab­bau bei, was in der heu­ti­gen Zeit auch wich­tig ist. Im Prin­zip kann man hier die­sel­ben po­si­ti­ven Ef­fek­te an­füh­ren wie beim Jum­pen. Es ist ein gu­tes Ganz­kör­per­trai­ning: Es pusht Herz und Kreis­lauf und stärkt die Mus­ku­la­tur, vor al­lem die Rumpf­mus­ku­la­tur. Ei­nen Aspekt bringt Ro­pe Skip­ping noch ins Ge­spräch – die Ko­or­di­na­ti­on. Was bei Kin­dern so ein­fach aus­sieht, be­darf durch­aus ei­ni­ger Übung. Am bes­ten ist, man star­tet bei zwei Sprün­gen pro Seil­durch­schlag und stei­gert sich lang­sam. Wer firm ist und sich nicht mehr in der Schnur ver­hed­dert, kann die In­ten­si­tät und Ge­schwin­dig­keit all­mäh­lich stei­gern. Mit gro­ßen Aus­wir­kun­gen: Sport­wis­sen­schaft­ler be­to­nen, dass zehn Mi­nu­ten Seil­sprin­gen eben­so wirk­sam sind wie 30 Mi­nu­ten Jog­gen – das gilt auch für Jum­pen.

Dr. Lu­kas Gra­fe­nau­er

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