Psy­chisch kran­ke Men­schen aus dem Ab­seits ho­len

Be­trof­fe­ne ha­ben im­mer noch mit Stig­ma­ti­sie­rung zu kämp­fen, wir soll­ten sie end­lich ernst neh­men.

KURIER_PSYCHE - - DARÜBER REDEN -

Wie sieht das Ide­al­bild un­se­rer Ge­sell­schaft aus? In Fil­men, in Wer­bun­gen und in der Job­welt wird uns je­den­falls ver­mit­telt, dass wir so wi­der­stands­fä­hig wie der Ter­mi­na­tor und so stark wie Won­der Wo­man sein sol­len. Da­bei kann Hoch­sen­si­bi­li­tät auch ei­ne Su­per­kraft sein. Und psy­chi­sche Er­kran­kun­gen sind so nor­mal wie ein Arm­bruch. Sie sind nur nicht sicht­bar und sehr kom­plex. Da­her braucht es meist ver­schie­de­ne Be­hand­lungs­me­tho­den, die in­ein­an­der grei­fen – al­len vor­an die Psy­cho­the­ra­pie. Doch die kas­sen­fi­nan­zier­ten The­ra­pie­plät­ze sind rar und War­te­zei­ten lan­ge. Für Men­schen, die sich viel­leicht oh­ne­hin schon in ei­ner schwie­ri­gen so­zia­len Si­tua­ti­on be­fin­den, ei­ne un­glaub­li­che Hür­de. Dar­an än­dert auch die ge­plan­te Kon­ti­gent­auf­sto­ckung we­nig, wie meh­re­re Fach­ver­bän­de und Pa­ti­en­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen kri­ti­sie­ren. Sie for­dern ei­ne Gleich­stel­lung psy­cho­the­ra­peu­ti­scher und kör­per­li­cher Be­hand­lun­gen. Das wür­de letzt­lich al­len zu­gu­te­kom­men: Denn wer­den psy­chi­sche Krank­hei­ten nicht aus­rei­chend be­han­delt, kom­men sie lang­fris­tig teu­er. Das zei­gen die an­stei­gen­den Früh­pen­sio­nie­run­gen und die Häu­fung der Kran­ken­stän­de. In die­sem MEDICO Spe­zi­al fin­den Sie in­ter­es­san­te Ar­ti­kel über ver­schie­de­ne Krank­heits­bil­der und Ein­bli­cke in das Le­ben der Be­trof­fe­nen und de­ren An­ge­hö­ri­gen. Ich selbst ha­be ei­ne jun­ge Frau mit Schi­zo­phre­nie ken­nen­ge­lernt – ein sehr be­rüh­ren­des Tref­fen. Mit die­sem Schwer­punkt möch­ten wir da­zu bei­tra­gen, das Be­wusst­sein zu er­hö­hen, da­mit Vor­ur­tei­le und da­mit ver­bun­de­ne Dis­kri­mi­nie­run­gen ab­ge­baut wer­den. Es ist höchs­te Zeit, dass wir den Krank­hei­ten der Psy­che end­lich je­ne Auf­merk­sam­keit zu­kom­men las­sen, die wir Kno­chen­brü­chen schon lan­ge ge­ben. Viel Freu­de beim Le­sen wünscht Ih­nen

Mag­da­le­na Meer­graf

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