STARK IM KAMPF GE­GEN DEN KREBS

Das An­ge­bot psy­choon­ko­lo­gi­scher Be­treu­ung ist wich­ti­ger Be­stand­teil ei­ner mo­der­nen Be­hand­lung für pa­ti­en­tin­nen und pa­ti­en­ten mit ei­ner krebs­er­kran­kung.

KURIER_PSYCHE - - THERAPIE UND BERATUNG - VON MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Das Wis­sen, an ei­nem Tu­mor er­krankt zu sein, kann sehr be­las­tend sein und sich auf al­le Le­bens­be­rei­che aus­wir­ken. Nicht von un­ge­fähr wid­met sich ei­ne ei­ge­ne Wis­sen­schaft die­sem The­ma: die Psy­choon­ko­lo­gie. „Auf ei­ne Krebs-Dia­gno­se folgt oft Cha­os, Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit und vor al­lem Angst. Die ist in­di­vi­du­ell un­ter­schied­lich: Wer­de ich ge­kün­digt? Wie sa­ge ich das mei­nen Kin­dern? Wer­de ich ster­ben? Wir kön­nen im Ge­spräch da­bei hel­fen, zu sor­tie­ren und die nächs­ten Schrit­te zu pla­nen“, schil­dert Son­ja Dom­ber­ger, Kli­ni­sche und Ge­sund­heits­psy­cho­lo­gin und Psy­choon­ko­lo­gin im Ha­nusch-Kran­ken­haus in Wi­en. Hier er­folgt die psy­cho­lo­gi­scheBe­treu­ung­über­denFach­dienst für Psy­chi­sche Ge­sund­heit. Des­sen Ziel ist es, die Be­trof­fe­nen und ih­re An­ge­hö­ri­gen beim Um­gang mit der Krebs­er­kran­kung best­mög­lich zu un­ter­stüt­zen: vom Wie­der­er­lan­gen der Kon­trol­le über das, was so plötz­lich in das bis­he­ri­ge Selbst­ver­ständ­nis des Le­bens her­ein­ge­bro­chen ist, bis hin zu spe­zi­fi­schen Pro­ble­men. Au­ßer­dem soll ver­meid­ba­ren Zu­satz­be­las­tun­gen best­mög­lich vor­ge­beugt wer­den.

BE­RA­TUNG UND STÜT­ZUNG. Psy­cho­lo­gi­sche Hil­fe wird in Form von in­for­ma­ti­ven Be­ra­tungs­ge­sprä­chen, Psy­cho­the­ra­pie, Kri­sen­in­ter­ven­ti­on, Be­glei­tung und Stüt­zung in schwie­ri­gen Le­bens­si­tua­tio­nen bis hin zu Ent­span­nungs­tech­ni­ken ge­bo­ten. „Wir stel­len uns sehr auf den Be­darf des ein­zel­nen Men­schen ein.“

The­ra­pie oder Ope­ra­ti­on fol­gen meist schnell nach Dia­gno­se, Be­trof­fe­ne wer­den plötz­lich kom­plett aus ih­rem bis­he­ri­gen Le­ben her­aus­ge­ris­sen. „Man kann sich das vor­stel­len, als wür­de das Le­ben in ei­ner Schach­tel kräf­tig durch­ge­schüt­telt wer­den. Vie­les wird aus den An­geln ge­ho­ben.“Schließ­lich ver­wan­delt ei­nen die­se Mit­tei­lung bin­nen Se­kun­den von ei­ner ge­sun­den zu ei­ner ernst­lich er­krank­ten, be­hand­lungs­be­dürf­ti­gen Per­son.

AL­LES AN­DERS. Der ge­plan­te Le­bens­all­tag muss neu struk­tu­riert wer­den. Ge­plan­te Ur­lau­be, an­ste­hen­de Pro­jek­te in der Ar­beit, Fa­mi­li­en­fei­ern – da­sal­les­rückt­in­denHin­ter­grund.Die Wie­der­er­lan­gung der Ge­sund­heit hat schlag­ar­tig obers­te Prio­ri­tät. In die­ser Zeit sei es be­son­ders wich­tig, die ei­ge­nen Be­dürf­nis­se wahr­zu­neh­men und zu re­spek­tie­ren, was vie­len Men­schen gar nicht so leicht fällt. „Ei­nen neu­tra­len An­sprech­part­ner zu ha­ben hilft. Wir wer­den nicht mit­be­las­tet, die Pa­ti­en­ten kön­nen al­les of­fen an­spre­chen“, so Dom­ber­ger. Das kann viel Druck weg­neh­men.

Es ist er­wie­sen, dass so­wohl ei­ne bes­se­re Ver­ar­bei­tung der Er­kran­kung als auch ei­ne Re­duk­ti­on der mit der The­ra­pie ein­her­ge­hen­den Ne­ben­wir­kun­gen er­reicht wer­den kann, wenn früh­zei­tig und je nach Be­darf spo­ra­disch oder kon­ti­nu­ier­lich im The­ra­pie­ver­lauf psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­stüt­zung in An­spruch neh­men kön­nen. Auch nach ab­ge­schlos­se­ner The­ra­pie ist es wich­tig, den Men­schen psy­cho­lo­gi­scheBe­treu­un­g­an­zu­bie­ten,um­dieIn­te­gra­ti­on in den All­tag bes­ser ge­lin­gen zu las­sen. Son­ja Dom­ber­ger be­tont: „Das ist ein Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bot, das na­tür­lich im­mer auf Frei­wil­lig­keit ba­siert.“

Mag.a Son­ja Dom­ber­ger Psy­choon­ko­lo­gin im Ha­nu­schKran­ken­haus in Wi­en

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.