DEN KIN­DERN EI­NE STIM­ME GE­BEN

Lan­ge Zeit ver­ges­sen, jetzt durch ei­ne ös­ter­reich­wei­te Be­fra­gung in den Vor­der­grund ge­rückt: Kin­der psy­chisch kran­ker El­tern. Wel­che Vor­schlä­ge es gibt, um ih­nen Un­ter­stüt­zung an­bie­ten zu kön­nen.

KURIER_PSYCHE - - TRAUMABEWÄLTIGUNG - VON MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Ein afri­ka­ni­sches Sprich­wort lau­tet „It­ta­kesa­vil la­ge to­rai­se­achild “– es braucht ein Dorf, um ein Kind groß­zu­zie­hen. Es ver­an­schau­licht, dass die Ver­ant­wor­tung für das ge­sun­de Her­an­wach­sen ei­nes Kin­des in den Hän­den von vie­len Ak­teu­ren und Ak­teu­rin­nen liegt. Und zwar be­son­ders dann, wenn die El­tern psy­chisch er­krankt sind. Die­se Kin­der ste­hen im Lau­fe ih­rer Ent­wick­lung vor be­son­de­ren Her­aus­for­de­run­gen. Sie sind kon­fron­tiert mit Ge­füh­len wie Scham, Schuld, Angst und Ver­wir­rung, Wut und Trau­er und im­mer wie­der mit gro­ßer Ein­sam­keit. Die Ta­bui sie rung­ver­stär kt die­se Si­tua­ti­on noch. Vie­le Kin­der wol­len ih­re El­tern un­ter­stüt­zen, stel­len ih­re Be­dürf­nis­se in den Hin­ter­grund und über­neh­men früh Ver­ant­wor­tung für sie.Sie sind be­son­ders ge­fähr­det, spä­ter selbst psy­chisch zu er­kran­ken und schlech­te­re Chan­cen bei ih­rer Aus­bil­dung und am Ar­beits­markt zu ha­ben.

Ei­ne For­schungs­grup­pe der Lud­wig Boltz­mann Ge­sell­schaft hat sich das zu Be­ginn er­wähn­te Sprich­wort des­halb als Leit­mo­tiv ge­nom­men, um ge­mein­sam mit der Me­di­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck Maß­nah­men zur Un­ter­stüt­zung für Kin­der und Ju­gend­li­che zu ent­wi­ckeln. Meh­re­re Be­trof­fe­ne wur­den be­reits nach ih­ren all­täg­li­chen Her­aus­for­de­run­gen und Be­dürf­nis­sen ge­fragt. „Ne­ben den El­tern und der Fa­mi­lie sol­len auch Leh­rer, Sport­trai­ner, Mu­sik­schul­leh­rer, Be­treu­er und Kin­der­ärz­te mit­ein­be­zo­gen wer­den. Ziel ist es, ein gro­ßes Netz­werk auf­zu­bau­en “, schil­dert die For­schungs­grup­pen ma­na­ge­rin Ra­phae­laKaisl er.

SO­ZIA­LE FÄ­HIG­KEI­TEN. Ei­ne an­de­re For­schungs­grup­pe ent­wi­ckelt gleich­zei­ti­gin Zu­sam­men­ar­beit mit der Karl Land st ei­ner Pri­vat uni­ver­si­tät in Krems ein On­li­ne­spiel, das Kin­der in der Über­gangs­pha­se von der Volks­schu­le zur hö­he­ren Schu­le un­ter­stütz- ten­soll,w ei­ter hin in Kon­takt zu­blei­ben .„ Mit­tels kind­ge­rech­ter Auf­ga­ben wer­den so­zia­le Fä­hig­kei­ten ge­stärkt und Kon­tak­te auch au­ßer­halb der vir­tu­el­len Welt er­mög­licht“, er­klärt Kais­ler das Kon­zept. An­lass zu den Ak­ti­vi­tä­ten gab ei­ne Crowd­sour­cing-Ak­ti­on. Da­bei konn­te nicht nur me­di­zi­ni­sches Fach­per­so­nal, son­dern konn­ten auch Pa­ti­en­ten und Pa­ti­en­tin­nen ih­re Er­fah­run­gen und Fra­gen zum The­ma „Psy­chi­sche Ge­sund­heit“auf ei­ner On­line-Platt­form ein­rei­chen. Das Er­geb­nis: Be­son­ders zum The­ma „Kin­der psy­chisch er­krank­ter El­tern“gab es vie­le Fra­gen und Vor­schlä­ge .„ Al­so ha­ben wir uns ent­schie­den, uns die­sem The­ma an­zu­neh­men “, so Kais­ler. Und :„ Ein we­sent­li­cher Be­stand­teil bei­der For­schungs­grup­pen ist, aus Sicht der Kin­der zu for­schen.“

„We­sent­li­cher Be­stand­teil bei­der For­schungs­grup­pen ist, aus Sicht der Kin­der zu for­schen.“Mag.a Dr.in Ra­phae­la Kais­ler, Lud­wig Boltz­mann Ge­sell­schaft

Be­trof­fe­ne ste­hen un­ter ei­nem star­ken Lei­dens­druck, der häu­fig erst sehr spät er­kannt wird

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