„Die Hän­de ar­bei­ten las­sen und ent­schleu­ni­gen“

KURIER_PSYCHE - - ERNÄHRUNG - GE­TES­TET VON BE­LIN­DA FIEBIGER

Was sind Schwa­den? Wenn man bis­her kein all­zu na­hes Ver­hält­nis zur ei­ge­nen Kü­che ge­pflegt hat, sich aber in ei­nem An­fall von Ta­ten­drang ent­schlos­sen hat, ein Nuss­voll­korn­brot zu ba­cken, dann wird schon das Le­sen ei­nes Re­zep­tes zur Her­aus­for­de­rung. Der ers­te Rück­schlag beim Auf­schla­gen des Koch­bu­ches. Schwa­den, al­so. Ei­ne Google-Su­che klärt auf: Kommt der Teig­ling in den hei­ßen Ofen legt sich der Was­ser­dampf von au­ßen auf die deut­lich käl­te­re Teig­haut. Da­durch ge­rinnt das Ei­weiß und die Stär­ke ver­kleis­tert – es ent­steht u. a. ei­ne schö­ne knusp­ri­ge Krus­te. Kann der Ofen nicht selbst Schwa­den er­zeu­gen, wer­den ein­fach ein bis zwei Tas­sen Was­ser auf ein zu­sätz­lich ein­ge­scho­be­nes Back­blech ge­gos­sen. Seit die­sem ers­ten Ver­such ist schon ei­ni­ge Zeit ver­gan­gen und Ba­cken ist zum Hob­by ge­wor­den. Das Teig­k­ne­ten und Ba­cken, das Hin­neh­men, dass man beim Auf­ge­hen des Tei­ges ein­fach nur zu­schau­en kann und nichts da­zu leis­ten kann, ent­schleu­nigt auf ei­ne wun­der­ba­re Wei­se. Fra­gen gibt es kei­ne mehr, ein­fach nur tun.

Fa­zit: Brot­ba­cken ist Ent­span­nung pur und am En­de hält man et­was Duf­ten­des in den Hän­den. Ein gu­tes Zeit­ma­nage­ment ist aber sinn­voll. Be­sag­tes ers­tes Nuss­brot kam erst um 1.30 Uhr nachts aus dem Ofen. Das stun­den­lan­ge zwei­ma­li­ge Auf­ge­hen des Tei­ges hat­te ich beim ers­ten Dr­über­schau­en des Re­zepts ge­flis­sent­lich über­le­sen. Ich war wohl von den Schwa­den ab­ge­lenkt.

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