WIR­KUNG NOCH UN­SI­CHER

KURIER_PSYCHE - - GESUNDHEIT - MI­GRÄ­NE-„IMP­FUNG“

„Sym­pto­me ei­ner Au­ra kön­nen je­nen ei­nes Schlag­an­falls äh­neln – tre­ten aber nicht auf ein­mal auf.“Prim. Priv. Doz. Dr. Ne­n­ad Mi­tro­vic, Lei­ter der Ab­tei­lung für Neu­ro­lo­gie am Salz­kam­mer­gut-Kli­ni­kum

„Die Mi­grä­ne-Pro­phy­la­xe ist vie­le Jah­re auf der Stel­le ge­tre­ten“, sagt Gre­gor Bröss­ner, Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Kopf­schmerz­ge­sell­schaft (ÖKSG). Das soll sich nun än­dern. Seit Sep­tem­ber gibt es zu­min­dest für chro­ni­sche Pa­ti­en­ten mit häu­fi­gen, epi­so­di­schen Atta­cken ei­nen neu­en The­ra­pie­an­satz: Das Mi­grä­ne-spe­zi­fi­sche Me­di­ka­ment „Ai­mo­vig“ist seit 30. Ju­li in der EU zur Vor­beu­gung von star­ker Mi­grä­ne – al­so für Pa­ti­en­ten mit min­des­tens drei bis vier Atta­cken pro Mo­nat – zu­ge­las­sen. Wir­ken soll „Ai­mo­vig“durch den mo­no­k­lo­na­len An­ti­kör­per Eren­u­m­ab, der, ein­mal im Mo­nat un­ter die Haut in­ji­ziert, den Re­zep­tor für den CGRP-Bo­ten­stoff blo­ckiert. „Die­ser ist an der Schmer­zwei­ter­lei­tung be­tei­ligt und spielt bei der Ent­ste­hung ei­ner Mi­grä­ne­at­ta­cke ei­ne gut be­leg­te Rol­le“, er­klärt Bröss­ner. Da­mit ist es die ers­te Pro­phy­la­xe, die spe­zi­ell für die Mi­grä­ne­be­hand­lung ent­wi­ckelt wur­de – bei tra­di­tio­nel­len Pro­phy­lak­ti­ka, wie et­wa An­ti­de­pres­si­va, ha­be sich die Wirk­sam­keit hin­ge­gen zu­fäl­lig im Rah­men der Be­hand­lung an­de­rer Be­schwer­den ge­zeigt. „Au­ßer­dem zeigt das neue Me­di­ka­ment we­ni­ger der ty­pi­schen Ne­ben­wir­kun­gen, wie Schläf­rig­keit oder Schwin­del“, sagt Bröss­ner. Es sei al­ler­dings kein Wun­der­mit­tel ge­gen Mi­grä­ne, denn bis­her gibt es kei­ne Lang­zeit­stu­di­en. Bei wem die „Imp­fung“tat­säch­lich wirkt, wird dem­nach erst die An­wen­dung bei Mi­grä­ne­pa­ti­en­ten in der Pra­xis zei­gen. Mit rund 6000 bis 7000 Eu­ro pro Jahr ei­ne kost­spie­li­ge Pro­be­zeit.

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