Das Häm­mern im Kopf Wel­ches Po­ten­zi­al birgt die Mi­grä­ne-Sprit­ze?

Fast ei­ne Mil­li­on Men­schen ist von Kopf­schmer­zen be­trof­fen – Ex­per­ten war­nen vor un­zu­rei­chen­der Be­hand­lung. Wie sich Mi­grä­ne äu­ßert und wel­ches Po­ten­zi­al die Mi­grä­ne-Sprit­ze beim Kampf ge­gen ex­tre­me Kopf­schmer­zen birgt. VON NI­NA HORCHER

KURIER_PSYCHE - - INHALT -

» Am Wo­che­n­en­de, wenn der Stress der Ar­beits­wo­che vor­bei ist, trifft es sie am stärks­ten: Dann dröhnt und häm­mert der Kopf so sehr, dass An­na

(Na­me von der Re­dak­ti­on ge­än­dert) nur noch ge­krümmt im Bett lie­gen kann. Die 40-Jäh­ri­ge lei­det un­ter hef­ti­gen Mi­grä­ne­at­ta­cken. Sie ist ei­ne von rund 900.000 Be­trof­fe­nen, die laut der Ös­ter­rei­chi­schen Schmerz­ge­sell­schaft (ÖSG) hier­zu­lan­de mit epi­so­di­schen Kopf­schmerz­at­ta­cken zu kämp­fen ha­ben, dar­un­ter deut­lich mehr Frau­en als Män­ner. Die Krank­heit hat vie­le Ge­sich­ter und un­ter­schied­li­che Ur­sa­chen.

AUF­KLÄ­RUNGS­AR­BEIT. Im Zu­ge des Eu­ro­päi­schen Kopf­schmerz- und Mi­grä­ne­ta­ges am 12. Sep­tem­ber klä­ren Ärzte je­des Jahr über das Krank­heits­bild und vor­han­de­ne Be­hand­lungs­de­fi­zi­te auf. Eu­gen Trin­ka, Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Neu­ro­lo­gie (ÖGN), kri­ti­siert vor al­lem die der­zei­ti­ge Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on, die der gro­ßen An­zahl von Be­trof­fe­nen kaum ge­recht wer­den kön­ne: „Es kommt zu ver­spä­te­ten Dia­gno­sen und in­fol­ge­des­sen zu man­gel­haft wirk­sa­men The­ra­pi­en. Ob­wohlKopf­schmer­zen­un­dMi­grä­ne die häu­figs­ten neu­ro­lo­gi­schen Lei­den sind, wer­den sie un­ter­schätzt“, sagt der Neu­ro­lo­ge. Er be­tont, dass sich Be­trof­fe­ne bei wie­der­keh­ren­den Kopf- schmer­zen von An­fang an an Fach­ärz­te für Neu­ro­lo­gie wen­den soll­ten – „da­mit die Er­kran­kung von an­de­ren Krank­heits­bil­dern ab­ge­grenzt wer­den kann“.

Bei ei­ner Er­he­bung in acht ös­ter­rei­chi­schen Kopf­schmerz-Zen­tren wies 2015 dem­nach et­wa ein Drit­tel der be­frag­ten Pa­ti­en­ten An­zei­chen ei­ner Angst­stö­rung und ein Vier­tel Hin­wei­se ei­ner De­pres­si­on auf. Zu­dem zeig­te sich in ei­ner Um­fra­ge 2017, dass vie­le Pa­ti­en­ten­vo­rih­rerÜber­wei­sung­in­die Schmerz­zen­tren nicht aus­rei­chend the­ra­piert wur­den. Die Fol­gen ei­ner in­ad­äqua­ten Be­hand­lung zei­gen sich bei Pa­ti­en­ten, die zu oft (über mehr als drei Mo­na­te, an mehr als zehn Ta­gen) Schmerz- oder Mi­grä­n­e­mit­tel ein­neh­men: Rund 58 Mil­lio­nen Men­schen lei- den welt­weit an durch Schmerz­mit­tel aus­ge­lös­te Kopf­schmer­zen.

HETEROGENES BILD. Laut WHO sind Span­nungs­kopf­schmerz und Mi­grä­ne die welt­weit zweit- und dritt­häu­figs­ten Er­kran­kun­gen. Nach der Pu­ber­tät und dem Ein­set­zen der Re­gel­blu­tung lei­den Stu­di­en zu­fol­ge mehr Frau­en als Män­ner dar­un­ter. Bei man­chen Pa­ti­en­ten kün­digt sich ei­ne Atta­cke schon Ta­ge zu­vor an, wie­der an­de­re, rund 10 bis 15 Pro­zent der Be­trof­fe­nen, er­le­ben ei­ne so­ge­nann­te Au­ra: Sie se­hen Blit­ze vor dem Au­ge, ih­nen wird schwin­de­li­go­der­sie­kön­nen­kurz­nicht rich­tig spre­chen – „die Mi­grä­ne­sym­pto­me bei sol­chen Pa­ti­en­ten kön­nen je­nen ei­nes Schlag­an­falls äh­neln“, er­klärt Ne­n­ad Mi­tro­vic, Lei­ter der Ab­tei­lung für Neu­ro­lo­gie am Salz­kam­mer­gut-Kli­ni­kum, „al­ler­dings kom­men die Sym­pto­me bei ei­ner Au­ra nicht – wie beim Schlag­an­fall – auf ein­mal“. Zwar sei­en Kopf­schmer­zen sel­ten Sym­pto­me für ge­fähr­li­che Er­kan­kun­gen, „kla­gen Men­schen, die nicht un­ter Mi­grä­ne lei­den, plötz­lich über mas­si­ve Kopf­schmer­zen oder ei­nen aty­pi­schen Schmerz, kann das ein Warn­si­gnal sein.“

Hei­len lässt sich Mi­grä­ne zwar nicht, aber die Be­schwer­den kön­nen ge­lin­dert wer­den – „wenn die Mi­grä­ne rich­tig dia­gnos­ti­ziert und früh­zei­tig be­han­delt wird“, ist Trin­ka über­zeugt.«

Letz­ter Aus­weg Schmerz­mit­tel – das kann auch Fol­gen ha­ben

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