Kein Sprung in der Schüs­sel Fi­scher ge­richt aus Ha­waii: Po­ké-Bowls­bo omen

Wer er­näh­rungs­tech­nisch ei­nen Blick über sei­nen Tel­ler­rand wa­gen will, soll­te Po­ké-Bowls auf sei­nen Spei­se­plan set­zen. Das tra­di­tio­nel­le Fi­scher­ge­richt aus Ha­waii boomt – und das kommt nicht von un­ge­fähr.

KURIER_PSYCHE - - INHALT - VON AN­JA GEREVINI

Wenn sich in New York die Men­schen frei­wil­lig stun­den­lang für ein be­stimm­tes Ge­richt an­stel­len, dann weiß man: Hier wird ein so­ge­nann­ter Food-Trend ser­viert. Bei Po­ké-Bowl­sist­ge­n­au­das­derFall.Die­se sind an der Ost- und West­küs­te der USA ak­tu­ell in al­ler Mun­de.

Bei uns braucht nie­mand Schlan­ge zu ste­hen, um in den Ge­nuss der ha­waii­ani­schen Spe­zia­li­tät zu kom­men. In der Neu­bau­gas­se, seit Kur­zem auch auf der Sei­ler­stät­te, wird sie in der Sa­lat­bar „Gras­grün“ser­viert. Mit­ge­bracht hat sie Jens Lö­ser, als es ihn vor ein­ein­halb Jah­ren von Mün­chen nach Wi­en ver­schla­gen hat. „Dort war der Po­ké-Hy­pe schon groß, um­so ver­wun­der­ter war ich, dass man die Bowls in­Wi­en­nicht­be­kom­men­hat“,er­zählt er. „Da war es na­he­lie­gend, ein Lo­kal zu er­öff­nen, das sie ser­viert.“

KLEIN GE­SCHNIT­TEN. Die Po­kéBowls wa­ren das Es­sen der ha­waii­ani­schenFi­scher.„Sie­ha­ben­sich,wenn­sie früh­mor­gens aus­ge­lau­fen sind, Reis, et­was Ge­mü­se, Obst und So­ße mit­ge­nom­men“, er­zählt Jens Lö­ser. „Vom fang­fri­schen Fisch ha­ben sie ei­nen Teil ab­ge­zwackt, klein ge­schnit­ten und mit den an­de­ren Zu­ta­ten ver­speist.“Heu­te ist das ein­fa­che Es­sen aus der Schüs­sel das Na­tio­nal­ge­richt Ha­waiis. Und der Na­me Po­ké, das über­setzt so viel wie „in Stü­cke ge­schnit­ten“be­deu­tet und Po­kay aus­ge­spro­chen wird – bür­ger­te sich ein. Über Ha­waii kam das ge­richt schließ­lich in die USA. Auf der Süd­see­insel wur­de vor al­lem Ahi, so wird dort der Gelb­flos­sen- Thun­fisch­ge­nannt,ge­wür­fel­t­und­mit ei­ner pi­kan­ten So­ße auf Reis und Ge­mü­se ser­viert. Vor al­lem an den Ma­ri­na­den und dem ro­hen Fisch ist der ja­pa­ni­sche Ein­fluss spür­bar. „Ha­waii liegt ja ziem­lich ge­nau zwi­schen Ame­ri­ka und Ja­pan“, sagt Jens Lö­ser. „Bei den Bowls wird die ja­pa­ni­sche Su­shi-Kü­che mit der ame­ri­ka­ni­schen Sa­lat-West­co­ast-Kü­che ver­eint – was Teil des Er­folgs­re­zepts ist.“

UNBEGRENZTE MÖG­LICH­KEI­TEN. Die Her­an­ge­hens­wei­se an das Ge­richt ist ei­ne ein­fa­che: Was vor­han­den ist, wird ver­wen­det. Ge­nau das ist es aber, was Po­ké-Bowls aus­zeich­net. Sie ar­bei­ten nach dem Bau­kas­ten­prin­zip und las­sen viel Spiel­raum und Krea­ti­vi­tät zu. Reis, Zuc­chi­ni-Nu­deln, Qui­noa, Eda­ma­me, Gur­ken, To­ma­ten, Man­go, Früh­lings­zwie­beln oder Avo­ca­do – er­laubt ist, was schmeckt. „Kal­ter Reis als Ba­sis und fri­scher Fisch on top sind die Kenn­zei­chen der klas­si­schen Po­kéBowl“, sagt Jens Lö­ser. „Wir be­rei­ten auch ve­ga­ne und ve­ge­ta­ri­sche Va­ri­an­ten zu wie mit Fala­fel auf Hanf­mehl­ba­sis so­wie mit Rind­fleisch vom Grill.“Po­ké-Bowls tref­fen aber auch in an­de­rer Hin­sicht den Nerv der Zeit. Sie mi­schen ka­lo­ri­en­ar­me Zu­ta­ten und kräf­ti­ge Ge­wür­ze in ei­ner Schüs­sel

und kom­men da­durch zu ei­nem Er­geb­nis, wel­ches das heu­ti­ge Le­bens­ge­fühl wi­der­spie­gelt. „Sie ent­spre­chen dem Trend zu ‚schnell und ge­sund‘“, be­tont Jens Lö­ser. „Je­der will sich ge­sund er­näh­ren, hat aber nicht mehr die Zeit, lan­ge in der Kü­che zu ste­hen. Da sprin­gen wir mit den Po­ké-Bowls in die Bre­sche.“Ge­sund sind die bunt zu­sam­men­ge­misch­ten Schüs­seln tat­säch­lich, weil sie Low carb sind und das fri­sche Ge­mü­se und der Fisch nicht zu To­de ge­gart wur­den. Zu­dem sind sie leicht, ma­chen aber trotz­dem an­ge­nehm satt.

LÖFFELWEISE GLÜCK. Das ha­waii­ani­sche Fi­scher­ge­richt ist nicht das ein­zi­ge Es­sen, das in Schüs­seln ser­viert wird. Da wä­ren die Over­night-Bowls, die Bud­dha-Bowls oder die Früh­stück-Bowls. Al­len ge­mein ist, dass ih­re Zu­ta­ten ent­we­der klein ge­schnit­ten wer­den oder ei­ne brei­ige Kon­sis­tenz auf­wei­sen. Man braucht al­so nur ei­nen Löf­fel, um sie zu ge­nie­ßen. In der an­de­ren Hand hält man die Schüs­sel – die laut dem bri­ti­schen Ex­pe­ri­men­tal­psy­cho­lo­gen Charles Spence von der Ox­ford Uni­ver­si­ty der wah­re Grund sind, war­um al­le For­men von Bowls so im Trend lie­gen. Al­lei­ne das Ge­wicht des Ge­schirrs in der Hand, so der Pro­fes­sor, för­dert die Zuf­rie­den­heit. Der An­blick der bis zum Rand ge­füll­ten Schüs­seln ver­stärkt bei Men­schen zu­dem das Ge­fühl der Sät­ti­gung, wo­hin­ge­gen ein fla­cher Tel­ler, auf dem sich die­sel­be Por­ti­on mehr ver­teilt, oft ein Hun­ger­ge­fühl hin­ter­lässt. Auch ein so­zia­ler Aspekt ge­sellt sich beim Spei­sen aus Schüs­seln laut Charles Spence da­zu: Wer in ei­ner Hand die Wär­me des Ge­richts durch das Ge­schirr spürt, ist da­zu ver­lei­tet, auch die Men­schen um sich her­um für warm­her­zi­ger zu hal­ten. Viel­leicht ist das auch der Grund, war­um sich Prinz Har­ry und sei­ne Frau Meg­han Mark­le bei ih­rem Hoch­zeits­emp­fang in der St. George’s Hall in Wind­sor Cast­le ge­gen ei­ne ge­setz­te Ta­fel ent­schie­den und Erb­sen­Minz-Risot­to oder Hüh­ner-Ra­gout in Schüs­seln ser­vier­ten. Und sie­he da: Nach ei­ner kur­zen Ir­ri­ta­ti­on, die sich vor al­lem in den so­zia­len Netz­wer­ken zeig­te, kam die bri­ti­sche Be­völ­ke­rung zur Über­ein­kunft, dass das ein ge­lun­ge­ne Idee war. Jens Lö­ser glaubt üb­ri­gens noch ei­nen Aspekt ent­deckt zu ha­ben: „Mit je­dem Löf­fel stellt man sich aus den ein­zel­nen Zu­ta­ten ein neu­es klei­nes Ge­schmacks­er­leb­nis zu­sam­men. Da­durch macht das Es­sen glück­li­cher, als wenn man et­was schnell in sich hin­ein­schau­felt.“

Po­ké-Bowls Haupt­ak­teur ist fri­scher Fisch in Suh­si­qua­li­tät. Er wird ge­wür­felt und mit ei­ner So­ße ver­mengt – be­liebt sind ja­pa­nisch an­ge­hauch­te Ma­ri­na­den oder aro­ma­ti­sier­te Mayon­nai­sen. Da­zu ge­sel­len sich noch Reis und fri­sches Ge­mü­se oder Obst.

In der Sa­lat­bar „Gras­grün“gibt es ver­schie­de­ne Po­ké-Bowls. Al­ler­dings wer­den al­le Zu­ta­ten auf Wunsch je­der­zeit in­di­vi­du­ell ver­än­dert

Üb­li­cher­wei­se ist die letz­te La­ge der Po­ké-Bowls ro­her Fisch. Die ve­ga­ne Va­ri­an­te bei „Gras­grün“be­steht aus Han­fla­fel – Fala­fel aus Hanf

Dann wird die Bowl mit Ge­mü­se und Obst nach Ge­schmack ab­ge­run­det. Im­mer da­bei: Eda­me, al­so un­rei­fe So­ja­boh­nen

Die Ba­sis je­der Po­ké-Bowl ist Reis. Ur­sprüng­lich wird die­ser kalt ge­ges­sen, bei „Gras­grün“wird er auch warm ser­viert

Dann folgt die So­ße – hier ei­ne Erd­nuss-So­ße. Sie ist der Ge­schmacks­trä­ger bei den Po­ké-Bowls und hält die Aro­men zu­sam­men

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.