DIE ECH­TE GRIP­PE?

Um­gangs­sprach­lich oft als Syn­onym ver­wen­det, in Wirk­lich­keit aber zwei ver­schie­de­ne Krank­heits­bil­der: Die Grip­pe und der grip­pa­le In­fekt.

KURIER_SPECIAL - - XERXKXÄ LATUTNEGMOWDEEGREIN -

in grip­pa­ler In­fekt ver­läuft meis­tens harm­los und Kom­pli­ka­tio­nen sind sel­ten. Ei­ne „ech­te Grip­pe“hin­ge­gen ist in ih­rer Au­s­prä­gung we­sent­lich un­an­ge­neh­mer und ge­fähr­li­cher. Der Be­ginn ei­ner so­ge­nann­ten In­flu­en­za zeigt sich nicht durch Atem­wegs­sym­pto­me wie Schnup­fen oder Hus­ten, son­dern durch plötz­li­ches, ho­hes Fie­ber. „Das lässt sich oft über meh­re­re Ta­ge hin­weg nicht sen­ken. Man ist sehr be­ein­träch­tigt und kann nur im Bett lie­gen“, be­schreibt All­ge­mein­me­di­zi­ne­rin Bar­ba­ra Rhe­mann-Röh­rer die Sym­pto­me. Erst am vier­ten oder fünf­ten Tag ge­sellt sich ein sehr tro­cke­ner Reiz­hus­ten da­zu. Bis der Kör­per sich von ei­ner Grip­pe wie­der zur Gän­ze er­holt hat, ver­ge­hen zwei oder mehr Wo­chen. Ein grip­pa­ler In­fekt klingt zwar schnel­ler ab, die Be­schwer­den be­gin­nen da­für aber schlei­chend: „Man fühlt ein Hals­krat­zen, die Na­se läuft, dann kommt viel­leicht ein Hus­ten da­zu. Er­höh­te Tem­pe­ra­tur zeigt, dass der Kör­per ge­gen den In­fekt ar- bei­tet.“Ab dem drit­ten Tag klin­gen die Sym­pto­me lang­sam wie­der ab. „Wenn das Fie­ber län­ger als zwei Ta­ge an­dau­ert, Oh­ren­schmer­zen da­zu­kom­men oder der Hus­ten nicht bes­ser wird, soll­te man zum Arzt ge­hen“, rät Rhe­mann-Röh­rer. El­tern soll­ten be­son­ders auf An­zei­chen bei den Kin­dern ach­ten, weil die sich oft noch nicht gut ar­ti­ku­lie­ren kön­nen. Klein­kin­der sind au­ßer­dem eher ge­fähr­det, „weil sie noch kei­ne gu­ten Tem­pe­ra­tur-Re­gu­la­ti­ons­me­cha­nis­men be­sit­zen.“Wäh­rend jün­ge­re Men­schen meist gut mit ei­ner Grip­pe klar­kom­men, stellt sie für äl­te­re Per­so­nen und für sol­che, die be­reits durch chro­ni­sche Krank­hei­ten (Herz-Kreis­lauf-Be­schwer­den, Dia­be­tes) vor­be­las­tet sind, ei­ne po­ten­zi­el­le Ge­fahr dar. Pa­nik­ma­che sei aber grund­sätz­lich nicht an­ge­bracht, sagt die All­ge­mein­me­di­zi­ne­rin: „Ein jun­ger ge­sun­der Kör­per kann so ei­ne Grip­pe durch­aus pro­blem­frei aus­hal­ten.“Al­len an­de­ren rät sie zu ei­ner In­flu­en­za-Imp­fung.

„Bei mehr als zwei Ta­gen mit Fie­ber, Oh­ren­schmer­zen oder lan­ge an­hal­ten­dem Hus­ten soll­te man zum Arzt ge­hen.“Bar­ba­ra Rhe­mann-Röh­rer, All­ge­mein­me­di­zi­ne­rin „Klein­kin­der be­sit­zen noch kei­ne gu­te Tem­pe­ra­tur-Re­ge­lung.“Bar­ba­ra Rhe­mann-Röh­rer, All­ge­mein­me­di­zi­ne­rin

Bei der Grip­pe­imp­fung han­delt es sich um ei­nen Impf­stoff, der nur ein Jahr lang op­ti­mal wirkt, da sich das Vi­rus lau­fend ver­än­dert. Es brei­tet sich in der Zeit von Ok­to­ber bis April auf der nörd­li­chen Halb­ku­gel und von April bis Ok­to­ber auf der süd­li­chen Halb­ku­gel aus: „In Eu­ro­pa war­ten wir da­her auf die Da­ten zu den Vi­ren­stäm­men aus Aus­tra­li­en. Dann wird ver­sucht, den

UM­STRIT­TE­NE IMP­FUNG.

Impf­stoff auf die­se Er­re­ger ab­zu­stim­men.“Das funk­tio­niert nicht im­mer gänz­lich, wie die Ver­gan­gen­heit ge­zeigt hat.

Wie gut hilft nun die Grip­pe­imp­fung? Bei die­ser Fra­ge ge­hen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der. Kri­ti­sche Stim­men zwei­feln so­wohl Ef­fi­zi­enz der Imp­fung als auch Trans­pa­renz der For­schungs­er­geb­nis­se an. Die WHO spricht sich für ei­nen Impf­schutz bei Schwan­ge­ren, Kin­dern im Al­ter von sechs bis 59 Mo­na­ten, äl­te­ren Men­schen, Per­so­nen mit spe­zi­fi­schen chro­ni­schen Lei­den und beim Ge­sund­heits­per­so­nal aus. Ur­su­la Wie­der­mann-Schmidt vom In­sti­tut für Spe­zi­fi­sche Pro­phy­la­xe und Tro­pen­me­di­zin an der Me­dU­ni Wi­en setzt sich für ei­ne all­ge­mein hö­he­re Dur­ch­imp­fungs­ra­te ein: Da­von wür­den nicht nur Nicht-Ge­impf­te pro­fi­tie­ren, son­dern auch äl­te­re Per­so­nen, bei de­nen die Imp­fung an sich schlech­ter wirkt. Grip­pa­le In­fek­te kön­nen durch die Imp­fung je­den­falls nicht ver­hin­dert wer­den, denn die Ver­ur­sa­cher sind hier an­de­re Vi­ren – dar­un­ter die Rhi­no-, Ade­no-, Pa­rain­flu­en­za- und RS-Vi­ren. Trotz ei­nes

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