KLI­MA MACHT WALD

Tro­cken­stress, sin­ken­de Vi­ta­li­tät, Kä­fer­be­fall und Stur­man­fäl­lig­keit sind Fol­gen des Kli­ma­wan­dels, die ei­ne nach­hal­ti­ge Wald­be­wirt­schaf­tung in Ge­fahr brin­gen. Hu­bert Ha­se­nau­er von der BOKU er­klärt, wie es da­zu kommt und was da­ge­gen ge­tan wer­den kann.

KURIER_SPECIAL - - KLIMAWANDEL -

DerMensch­ver­än­dert­nach­weis­lich das glo­ba­le Kli­ma. Ver­ant­wort­lich da­für ist vor al­lem der Ver­brauch fos­si­ler Brenn­stof­fe, die zum Aus­stoß von kli­ma­er­wär­men­den Treib­haus­ga­sen füh­ren, vor al­lem von CO2. Sta­bi­le und ge­sun­de Wäl­der gel­ten ge­mein­sam mit den Ozea­nen als wich­tigs­te Kli­ma­puf­fer. Denn Wal­döko­sys­te­me bin­den Koh­len­stoff in gro­ßen Men­gen, oh­ne sie hät­ten wir ei­ne 30 Pro­zent hö­he­re CO2-Kon­zen­tra­ti­on in der At­mo­sphä­re. Doch der kli­maak­ti­ve Wald ist selbst di­rekt von Kli­ma­ver­än­de­run­gen be­trof­fen, weil sich die Wachs­tums­be­din­gun­gen für Baum­ar­ten än­dern.

Em­pi­ri­sche Da­ten be­le­gen, dass die Tem­pe­ra­tur in Ös­ter­reich seit 1960 um 1,5 Grad zu­ge­nom­men hat. Die jähr­li­chen Nie­der­schlä­ge ha­ben sich hin­ge­gen im Durch­schnitt nicht ver­än­dert. „Wenn die Nie­der­schlä­ge gleich­blei­ben, aber die Tem­pe­ra­tur steigt, dann än­dert sich die Form des Nie­der­schla­ges . Es schneit we­ni­ger und reg­net mehr. Das ist vor al­lem in Ge­birgs­re­gio­nen ein Pro­blem, denn die Schnee­schmel­ze sorgt­in­derÜber­gangs­zeit­vonWin­ter auf Som­mer für ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che Was­ser­ver­sor­gung der Bäu­me, die ge­nau in die­ser Pha­se zu wach­sen be­gin­nen. Wenn der Schnee we­ni­ger wird, ver­än­dert das die Hy­dro­lo­gie und da­mit auch die Was­ser­ver­sor­gung der Bäu­me“, er­klärt Hu­bert Ha­se­nau­er, Lei­ter des In­sti­tuts für Wald­bau an der Uni­ver­si­tät für Bo­den­kul­tur in Wi­en. Bäu­me brau­chen kon­ti­nu­ier­li­che Was­ser­ver­sor­gung. Wenn sie die nicht ha­ben, ge­ra­ten sie in Tro­cken­stress. „Das lässt sich bei ei­ni­gen Baum­ar­ten wie der Fich­te in den Tief­la­gen, vor al­lem in Ost­ös­ter­reich, be­reits be­ob­ach­ten. Mit Aus­nah­me der Ei­che, sind un­se­re hei­mi­schen Baum­ar­ten nicht für lan­ge Tro­cken­pe­ri­oden kon­di­tio­niert“, so der Pro­fes­sor.

Durch Tro­cken­stress sinkt die Vi­ta­li­tät der Bäu­me, sie wer­den an­fäl­li­ger für Se­kun­där­schä­den wie Wind­bruch durch Stür­me oder Wald­brän­de. Das größ­te Pro­blem stellt aber der zu­neh­men­de Be­fall durch Schäd­lin­ge dar. Denn gleich­zei­tig zu den be­schrie­be­nen Ve­rän­de­run­gen ent­wi­ckeln sich In­sek­ten mit ih­rem wech­sel­war­men Stoff­wech­sel bei hö­he­ren Tem­pe­ra­tu­ren schnel­ler, wes­halb sie we­ni­ger leicht ih­ren Fein­den zum Op­fer fal­len. Bei­spiels­wei­se lässt sich der­zeit ein er­höh­tes Auf­kom­men von Bor­ken­kä­fern be­ob­ach­ten. Der Wald­zu­wachs in den Tief­la­gen nimmt­folg­lich­ab.Pa­ra­do­xer­wei­se­be­wirkt das wär­me­re Kli­ma an­de­rer­seits, dass die Wuchs­leis­tung in hö­he­ren La­gen ge­stei­gert wird: „Em­pi­ri­sche Be­ob­ach­tun­gen zei­gen, dass in den Mit­tel­la­gen der Ge­bir­ge, wo es wär­mer wird und gleich­zei­tig ge­nü­gend reg­net, die Bäu­me so­gar schnel­ler wach­sen. Hier se­hen wir kei­ne Ab­nah­me des Baum­wachs­tums.“Die Wald­gren­ze wird sich nicht nur nach oben ver­schie­ben, es wird sich au­ßer­dem die Zu­sam­men­set­zung der Baum­ar­ten ver­än­dern. Ein Öko­sys­tem hät­te grund­sätz­lich die Mög­lich­keit der Ad­ap­tie­rung, der An­pas­sung an die ver­än­der­ten Ver­hält­nis­se, doch der Kli­ma­wan­del pas­siert zu schnell. Und Bäu­me sind – gleich wie der Mensch – ge­ne­tisch viel­fäl­tig, man­che Ar­ten tun sich da­mit leich­ter als an­de­re. Der Fich­te et­wa wird es in ge­wis­sen Hö­hen­stu­fen zu warm und zu tro­cken. Wie kön­nen Wäl­der un­ter Be­rück­sich­ti­gung von Ve­rän­de­rungs­pro­zes­sen ziel­ori­en­tiert be­wirt­schaf­tet wer­den? An der Uni­ver­si­tät für Bo­den­kul­tur wird an­hand wis­sen­schaft­li­cher Kon­zep­te und Me­tho­den ver­sucht, Lö­sun­gen da­für zu bie­ten. So wur­den bei­spiels­wei­se Si­mu­la­tio­nen ent­wi­ckelt, die zei­gen, wo und wann steu­ernd ein­ge­grif­fen wer­den soll­te. Die Baum­ar­ten­wahl gilt als die wich­tigs­te wald­bau­li­che Ent­schei­dung, denn Bäu­me müs­sen die ge­sam­te Le­bens­dau­er mit den ört­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten ihr Aus­lan­gen fin­den. Manch­mal ist die Ein­füh­rung aus­län­di­scher Baum­ar­ten sinn­voll. „Die tro­cken­re­sis­ten­te Dou­gla­sie kommt aus Nord­ame­ri­ka und gilt auf­grund der Kli­ma­er­wär­mung als ei­ne der aus­sichts­reichs­ten Al­ter­na­tiv­baum­ar­ten in West- und Mit­tel­eu­ro­pa“, so Ha­se­nau­er. Ei­nes ist si­cher: Un­ser zu­künf­ti­ger Wald wird an­ders aus­se­hen als der heu­ti­ge.

„Wenn der Schnee we­ni­ger wird, ver­än­dert das die Hy­dro­lo­gie und die Was­ser­ver­sor­gung der Bäu­me.“

Hu­bert Ha­se­nau­er, Lei­ter des In­sti­tuts für Wald­bau an der BOKU Wi­en

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