WIE UNS WALD SCHÜTZT

Wald ist zur Le­bens­raum­si­che­rung in Ös­ter­reich un­ent­behr­lich. Er schützt vor Hoch­was­ser und macht Dau­er­be­sied­lung in den Al­pen über­haupt erst mög­lich.

KURIER_SPECIAL - - SCHUTZWALD -

Die Nacht vom 7. auf den 8. Ju­ni 2015 ist vie­len Be­woh­ne­rin­nen und Be­woh­nern der Ge­mein­de Sell­rain (Ti­rol) noch gut in Er­in­ne­rung. Da­mals kam es zur bis da­to größ­ten Mu­ren­ka­ta­stro­phe im Tal: Dut­zen­de Häu­ser wur­den zer­stört. Ver­ant­wort­lich zeig­te sich der Sei­ges­bach, der auf­grund von som­mer­li­chen Wär­me­ge­wit­tern die gro­ßen Was­ser­men­gen nicht mehr hal­ten konn­te und die na­he ge­le­ge­ne Me­lach aus den Ufern drück­te. „Es wird ge­schätzt, dass 90 Pro­zent al­ler Na­tur­ge­fah­ren mit Was­ser in Ver­bin­dun­gen ste­hen. Wenn man be­denkt, dass 1700 Ge­mein­den in Ös­ter­reich als Wild­bach-, La­wi­nenoder Ero­si­ons­ge­bie­te gel­ten, dann be­kommt man ei­ne Vor­stel­lung, wie wich­tig das rich­ti­ge Ver­hält­nis von Was­ser und Wald ist“, heißt es im Pra­xis­be­richt des Bun­des­for­schungs­zen­trums für Wald.

Dass die Ge­mein­de Sell­rain mit ei­nem blau­en Au­ge da­von­kam, hat vor al­lem mit den um­lie­gen­den Schutz­wäl­dern zu tun. Wä­ren ös­ter­reich­weit kei­ne schüt­zen­den Wäl­der vor­han­den, müss­te man nach Schät­zun­gen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Land- und Forst­wirt­schaft mit 350 Mil­lio­nen Eu­ro an Mehr­aus­ga­ben rech­nen, um ih­re Wir­kung zu er­set­zen – und um ein Viel­fa­ches mehr, um die Ver­wüs­tun­gen nach Mu­ren, St­ein­schlä­gen und La­wi­nen wie­der gut zu ma­chen. „Wäl­der leis­ten Schutz auf meh­re­re Ar­ten. Zum ei­nen sor­gen sie da­für, dass der Bo­den nicht ab­ge­tra­gen wird, und sta­bi­li­sie­ren die Ge­birgs­hän­ge durch ih­re tie­fen Wur­zeln“, sagt Karl Klee­mayr, der das In­sti­tut für Na­tur­ge­fah­ren des Bun­des­for­schungs­zen­trums für Wald lei­tet. „Zum an­de­ren hal­ten so­ge­nann­te Ob­jekt­schutz­wäl­der Fels­blö­cke und La­wi­nen un­mit­tel­bar da­von ab, Wohn­häu­ser und In­fra­struk­tur zu schä­di­gen.“

Ins­ge­samt ha­ben run­d65Pro­zent­derWäl­de­rimAl­pen­raum ei­nen sol­chen Ob­jekt­schutz­cha­rak­ter.Sie­ver­hin­dern,das­sMu­ren­und St­ein­schlä­ge aus­ge­löst wer­den und brin­gen La­wi­nen zum Stop­pen. Und selbst dort, wo sie nicht un­mit­tel­bar sicht­bar sind, leis­ten Wäl­der prä­ven­ti­ve Schutz­maß­nah­men: „Im Prin­zip im Be­reich al­ler grö­ße­ren Wild­bä­che. Ei­ne mög­lichst flä­chen­de­cken­de Wald­be­sto­ckung im Ein­zugs­ge­biet der Flüs­se wie Lech oder Salz­ach trägt zum Hoch­was­ser­schutz in den Nie­de-

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