Neu­er Krebs­aus­lö­ser

KURIER_SPECIAL - - WEICHTEILSARKOME -

Ak­tu­el­les aus der Im­mu­n­on­ko­lo­gie

Mitt­ler­wei­le sind sich Krebs­for­scher ei­nig, dass das Im­mun­sys­tem ei­ne zen­tra­le Rol­le bei der Ent­ste­hung von Krebs­zel­len spielt. In ei­ner Im­mun­ant­wort re­agiert der Kör­per mit­hil­fe von spe­zi­el­len T- und B-Zel­len auf be­stimm­te Struk­tu­ren von Er­re­gern und Zel­len und ver­nich­tet zu­ver­läs­sig Sub­stan­zen, die den Kör­per schä­di­gen kön­nen. Auch Krebs­zel­len tra­gen be­stimm­te Merk­ma­le – so­ge­nann­te tu­mo­ras­so­zi­ier­te An­ti­ge­ne – die sie für das Im­mun­sys­tem als schäd­lich er­kenn­bar ma­chen.

Al­ler­dings ha­ben vie­le Tu­mor­ar­ten Stra­te­gi­en ent­wi­ckelt, ih­re bös­ar­ti­ge Iden­ti­tät zu ver­schlei­ern – in­dem sie kei­ne An­ti­ge­ne be­sit­zen oder die­se als kör­per­ei­gen tar­nen. Ge­ra­de Pa­ti­en­ten mit ei­nem ge­schwäch­ten Im­mun­sys­tem sind da­von be­son­ders be­trof­fen.

Ei­ne Ar­beits­grup­pe des Dr. von Hau­ner­schen Kin­der­spi­tals in Mün­chen konn­te nun zu­dem Mu­ta­tio­nen in ei­nem Gen na­mens CARMIL2 iden­ti­fi­zie­ren, die zu ei­nem an­ge­bo­re­nen Im­mun­de­fekt füh­ren. Die bei den Kin­dern aus dem Na­hen Os­ten und aus Süd­ame­ri­ka un­ter­such­ten Immun­zel­len – die T-Lym­pho­zy­ten – wei­sen ei­ne Stö­rung in ei­nem Si­gnal­weg auf, der da­zu da ist, Tu­mor­zel­len ef­fek­tiv zu be­kämp­fen.

Die be­trof­fe­nen Pa­ti­en­ten fie­len auf, da sie an vie­len Stel­len im Kör­per Tu­mo­re der glat­ten Mus­kel­zel­len ent­wi­ckel­ten, die mit dem Epstein-Barr-Vi­rus (EBV) as­so­zi­iert wa­ren.

Die Stö­rung be­ein­träch­tigt auch die Be­weg­lich­keit von Immun­zel­len und de­ren Fä­hig­keit, ziel­ge­rich­tet zu Pro­blem­zo­nen im Kör­per zu wan­dern.

Der CD28-Si­gnal­weg ist so­mit ver­ant­wort­lich für die feh­len­de Ab­wehr­re­ak­ti­on des Kör­pers. Das Wis­sen über ei­nen sol­chen zen­tra­len An­satz­punkt hilft Me­di­zi­nern folg­lich nicht nur da­bei, die Ent­ste­hung von Tu­mo­ren bes­ser zu ver­ste­hen, son­dern er­öff­net neue The­ra­pie­an­sät­ze in Rich­tung ei­ner per­so­na­li­sier­ten Im­mun­the­ra­pie.

In die­sem Zu­sam­men­hang wird deut­lich, dass ei­ne ef­fek­ti­ve T-Zel­l­ant­wort wich­tig ist, um sel­te­ne EBV-as­so­zi­ier­te Tu­mo­ren zu un­ter­drü­cken. Es han­delt sich um mo­le­ku­la­re Grund­la­gen­for­schung, die das Ver­ständ­nis für Krebs­er­kran­kun­gen künf­tig re­vo­lu­tio­nie­ren könn­te.

Die­se Er­kennt­nis­se of­fen­ba­ren auch neue Si­gnal­we­ge der an­ti-tu­mo­rel­len Im­mu­ni­tät und er­öff­nen den For­schern die Ent­wick­lung neu­er the­ra­peu­ti­scher Kon­zep­te, in de­nen die Kör­per­ab­wehr ge­zielt ge­gen Krebs­zel­len zum Ein­satz ge­bracht wer­den kann

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