EI­NE OFFENBARUNG

War­um es sich aus­zahlt, zu Fuß durch Wi­en zu ge­hen? Weil der Blick ein an­de­rer ist, be­tont Ar­chi­tekt Ja­kob Dunkl. So ent­deckt man in der Stadt ar­chi­tek­to­ni­sche Fein­hei­ten, an de­nen man sonst acht­los vor­über­geht.

KURIER_SPECIAL - - EDITORIAL -

Wenn Je­an Nou­vel zu sei­nem Blei­stift greift oder sich Ren­zo Pia­no über das Zei­chen­brett beugt, hält die Welt den Atem an. Mit Recht: Nou­vels Phil­har­mo­nie in Pa­ris löst Er­stau­nen aus: 340.000 sti­li­sier­te Vö­gel in ver­schie­de­nen Grö­ßen und Grau­tö­nen ver­we­ben sich zu ei­ner span­nen­den Fas­sa­de. Mit 309 Me­tern ragt in London „The Shard“gen Him­mel. Mit sei­ner je nach Licht­ein­fall in un­ter­schied­li­chen Farb­nu­an­cen schil­lern­den Fas­sa­de ist Pia­nos Hoch­haus ein Blick­fang der be­son­de­ren Art. Ich könn­te jetzt auch vom chi­ne­si­schen Mu­se­um of Con­tem­pora­ry Art & Pl­an­ning Ex­hi­bi­ti­on schwär­men, das vom ös­ter­rei­chi­schen Bü­ro ent­wor­fen wur­de und das je­der Schwer­kraft zu trot­zen scheint, oder von der hin­ter­grün­di­gen Äs­t­he­tik, die Pe­ter Zum­t­hor sei­nen Ge­bäu­den je­des Mal aufs Neue ein­haucht.

Aber Ar­chi­tek­tur ist mehr als ei­ne Hül­le, die uns den Atem raubt – das hat mir Ja­kob Dunkl von

ein­drucks­voll ge­zeigt. Ei­nen Tag lang bin ich für die­ses Ma­ga­zin mit ihm durch Wi­en ge­gan­gen. Er woll­te mir weg­wei­sen­de Ge­bäu­de zei­gen. Doch es wa­ren die Din­ge, auf die er mich am Weg auf­merk­sam mach­te, die mir viel mehr die Au­gen öff­ne­ten: Fens­ter, die so ge­setzt wer­den, dass Licht in die schma­len Gas­sen der In­nen­stadt fällt, oder ein Stie­gen­auf­gang, bei dem zwi­schen zwei Mau­er­tei­len ein schma­ler Spalt ge­las­sen wur­de, um Ein­blick zu schaf­fen. „Ar­chi­tek­tur ist gut, wenn sie et­was kann“, so Ja­kob Dun­kls Cre­do. „Aber Bau­kul­tur ist ein we­nig mehr als nur Zwe­cke er­fül­len, bei Ar­chi­tek­tur kommt noch der poe­ti­sche An­satz hin­zu.“Mit die­sem KU­RI­ER-Ma­ga­zin ver­su­chen wir, Ih­nen die gan­ze Band­brei­te der Ar­chi­tek­tur zu zei­gen – denn wir be­geg­nen ihr auf Schritt und Tritt. Wir müs­sen nur die Au­gen öff­nen. Viel Spaß beim Le­sen wünscht Ih­nen An­ja Ge­re­vi­ni

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