Spi­ri­tu­el­les Wan­dern

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Was Ober­ös­ter­reichs Pil­ger­we­ge zu bie­ten ha­ben.

„Viel Ge­hen ist des Men­schen bes­te Me­di­zin“, wuss­te schon Hip­po­kra­tes, der be­deu­tends­te und be­reits zu Leb­zei­ten hoch­ver­ehr­te Arzt der An­ti­ke. Im schnell­le­bi­gen 21. Jahr­hun­dert ist sei­ne De­vi­se so ak­tu­ell wie eh und je. Um Kör­per und Geist in Ein­klang zu brin­gen, scheint nichts so ge­eig­net zu sein wie das be­däch­ti­ge Schritt­tem­po. Und spä­tes­tens seit sich Ha­pe Ker­ke­ling öf­fent­lich­keits­wirk­sam auf den Weg nach San­tia­go de Com­pos­te­la auf­ge­macht hat, tref­fen klas­si­sche, re­li­gi­ös mo­ti­vier­te Pil­ger auf ih­rem Weg zu­neh­mend auf kir­chen­fer­ne Men­schen, die ih­re ei­ge­ne Spi­ri­tua­li­tät ent­de­cken wol­len.

Quer durch Ober­ös­ter­reich kön­nen Pil­ger und Wan­de­rer al­te und neue We­ge ein­schla­gen. Mehr als eta­bliert ist die Rou­te nach St. Wolf­gang im Salz­kam­mer­gut. Der Le­gen­de zu­fol­ge stieg der Hei­li­ge Wolf­gang einst auf den Fal­ken­stein und schleu­der­te sei­ne Axt fort, um den Stand­ort sei­ner Kir­che fest­zu­le­gen. Die Ge­schich­te ver­brei­te­te sich wie ein Lauf­feu­er – und St. Wolf­gang stieg in den Kreis der wich­tigs­ten eu­ro­päi­schen Wall­fahrts­zie­le des Mit­tel­al­ters auf. Von Re­gens­burg kom­mend, ist der in vier Ta­gen be­wäl­tig­ba­re die klas­si­sche über­re­gio­na­le Pil­ger­rou­te, wäh­rend der rund elf Ki­lo­me­ter lan­ge

zu den Schau­plät­zen der Hei­li­gen­le­gen­de führt. Wie die 2004 ge­schaf­fe­ne, pan­eu­ro­päi­sche ver­läuft der be­rühm­te eben­falls durch ober­ös­ter­rei­chi­sche Land­schaf­ten. Der Haupt­ast er­reicht das Bun­des­land bei Enns und führt über St. Flo­ri­an, Wels und Lam­bach bis nach Ober­ho­fen am Irr­see. In­ter­es­sant ist auch der der auf Initia­ti­ve der Evan­ge­li­schen Kir­che im Jahr 2008 er­öff­net wur­de. Er schlän­gelt sich durch Ös­ter­reich und folgt den Spu­ren der Bi­bel­schmugg­ler und Ge­heim­pro­tes­tan­ten. In Ober­ös­ter­reich führt die­ser Weit­wan­der­weg von Pas­sau über Wels bis nach Go­sau, ei­ner Hoch­burg des ge­hei­men Pro­tes­tan­tis­mus. Seit rund fünf Jah­ren kann man in der Re­gi­on Mühl­viert­ler Alm am 84 Ki­lo­me­ter lan­gen zu sich fin­den. Die zwölf Sta­tio­nen ent­lang der Rund­stre­cke rü­cken The­men wie Ge­duld, Mut, Groß­zü­gig­keit, Freund­schaft und To­le­ranz in den Fo­kus und wol­len so an Wer­te er­in­nern, die im All­tag oft auf der Stre­cke blei­ben. Als Aus­gangs- und End­punkt gilt Pier­bach. Für die kom­plet­te Tour emp­fiehlt es sich, drei oder vier Ta­ges­etap­pen ein­zu­pla­nen. Burg­rui­nen wie Pran­degg oder Rut­ten­stein säu­men den Weg und am „Herr­gott­sitz“in Schö­nau soll sich Gott nach Er­schaf­fung der Welt aus­ge­ruht ha­ben. In­des­sen weist im Böh­mer­wald der 127 Ki­lo­me­ter lan­ge und in sie­ben Ta­gen be­wäl­tig­ba­re zu Gra­nit-Kraft­plät­zen. Die al­te Tra­di­ti­on des Pil­gerns hat längst vie­le Au­s­prä­gun­gen an­ge­nom­men.

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