Ös­ter­reichs Che­fin­nen

War­um Frau­en die nach­hal­ti­ge­ren Un­ter­neh­men grün­den

KURIER_START UP-A-PORTER - - Magazin - - TE­RE­SA REI­TER

Aus­tri­anStart-up-Re­por­t2013zeigt. Dass der Schritt in die Selbst­stän­dig­keit zur Ver­wirk­li­chung ei­ner ei­ge­nen idee für frau­en we­ni­ger at­trak­tiv ist als für män­ner, hat ver­schie­de­ne Ur­sa­chen. Die grün­de rei­chen von hür­den bei der Ver­ein­bar­keit von Un­ter­neh­mens grün­dung und fa­mi­li­en­pla­nung über man­geln­de Sicht­bar­keit er­folg­rei­cher Un­ter­neh­me- rin­nen bis hin zum man­gel an in­ves­to­rin­nen.

„grün­den aus not­wehr“könn­te das mot­to von Eva kriz­sa­nits und la­ri­sa Sta­nescu von girls n’Co­de sein. Die bei­den brach­ten sich in hu­mor­vol­len und nie­der­schwel­li­gen YouTube-Tu­to­ri­als selbst das Pro­gram­mie­ren bei .„ Wir ha­ben­fe stge­stellt, dass tech­ni­sche Skills und Pro­gram­mie­ren die Ba­sis für be­ruf­li­ches Wei­ter­kom­men sind, wenn es dar­um geht, nicht nur ide­en zu ha­ben, son­dern Pro­jek­te auch zu rea­li­sie­ren“, sagt kriz­sa­nits. Se­he man sich die Top-Un­ter­neh­mer auf der Welt an, so sei­en das groß­teils män­ner, die oft den Vor­teil ha­ben, dass sie mit ih­rem tech­ni­schen Wis­sen we­ni­ger hür­den über­win­den müs­sen, um ein Pro­jekt um­zu­set­zen. girls n’ Co­de wur­de ge­grün­det, um frau­en die­sel­ben mög­lich­kei­ten zu ge­ben, da die­se sich im Um­gang mit Tech­nik und in­ter­net­of tun si­che­rer füh­len wür­den. Die bei­den grün­de­rin­nen bie­ten Work­shops an, in de­nen mäd­chen und frau­en nicht nur Ba­sis­wis­sen für das Er­stel­len ei­ner ei­ge­nen Web­site er­wer­ben, son­dern­sic hauch mit Pro­gram­mier­spra­chen be­schäf­ti­gen kön­nen .„ Wir hät­ten ger­ne ei­ne Ar­mee von ma­che­rin­nen, die es schafft, mit ih­ren er­wor­be­nen fä­hig­kei­ten ei­ge­ne Pro­jek­te zu rea­li­sie­ren, da­mit die nächs­ten tol­len Apps und ge­schäfts­ide­en auch von frau­en kom­men“, so Eva kriz­sa­nits.

Aus ih­rer Er­fah­rung als Un­ter­neh­me­rin be­rich­tet sie, dass es schnell­geht, ein­ei­de­ezu­ha­ben, aber schwie­rig sei, die­se in ein trag­fä­hi­ges ge­schäfts­mo­dell um­zu­wan­deln, von dem man letz­ten En­des auch le­ben kann .„ Vie­le ha­ben die­sen ,just do it‘-Spruch drauf, dem ich selbst we­nig ab­ge­win­nen kann“, be­kennt kriz­sa­nits. man müs­se sich ge­nau über­le­gen, in wel­cher fi­nan­zi­el­len und pri­va­ten Si­tua­ti­on man sich be­fin­de, um dann den rich­ti­gen mo­ment zum Schritt in die Selbst­stän­dig­keit zu wäh­len. Die von män­nern do­mi­nier­te grün­der­sze­ne scheint selbst in­no­va­ti­ve, fin­di­ge frau­en vom Schritt in die Selbst­stän­dig­keit ab­zu­hal­ten. Denn, so­kriz­sa­nits,„m an­merkt sehr schnell, dass man als frau un­ter­re­prä­sen­tiert ist. Das schreckt ab und so­mit gibt es wie­der we­ni­ger grün­de­rin­nen. Au­ßer­dem fehlt in der Sze­ne auch die Un­ter­stüt­zung von frau­en für frau­en. Das ist uns be­son­ders auf­ge­fal­len.“

ih­ren Traum vom ei­ge­nen Un­ter­neh­men hat Chris­ti­na Ried­ler ver­wirk­licht. fünf­zehn jah­re ar­bei­te­te sie als Be­gleit­per­son für men­schen mit Be­hin­de­run­gen und brach­te da­bei auch so man­chen mu­sik­freak au fein kon­zert sei­ner lieb­lings band. Durch ih­re Ar­beit wur­de ihr klar, dass der Zu­gang, den Ver­an­stal­ter in Ös­ter­reich zu men­schen mit Be­hin-

de­run­gen ha­ben, ver­bes­se­rungs­wür­dig ist. Und so grün­de­te sie ge­mein­sam mit ih­rer Part­ne­rin m art ina­golln er, die selbst von ge­burt an­stark­seh­be hin­dert ist, Ac­ces­si­bi­li­ty All Are­as. Das Be­ra­tungs­un­ter­neh­men un­ter­stützt ös­ter­rei­chi­sche Ver­an­stal­ter da­bei, ihr An­ge­bot für men­schen mit un­ter­schied­li­chen Ar­ten vonBe hin­de­run­gen zu ver­bes­sern und die­se als kun­den zu ge­win­nen.

Die neo-Un­ter­neh­me­rin­nen sind im iniTS-in­ku­ba­tor, dem uni­ver­si­tä­ren grün­der­ser­vice in Wien, groß ge­wor­den, wel­ches auch von der Wirt­schaft sagen­turWi en­ge för­dert wird. Schnell be­merk­ten sie aber, dass sie das ein­zi­ge frau­en team in der letz­ten Run­de des Start-upCamps wa­ren. „man muss das bei frau­en mehr pro­mo­ten. mä­dels ten­die­ren da­zu, vor­sich­ti­ger an Sa­chen her­an­zu­ge­hen. Wür­de man sol­che An­ge­bo­te mehr pus­hen, könn­te man auch mehr frau­en den Reiz und den spie­le­ri­schen Zu­gang dar­an ver­mit­teln “, sagt Christ in aRiedl er. Denn es brau­che die­se Un­ter­stüt­zung, weil man für ei­ne Un­ter­neh­mens grün­dung al­les gleich­zei­tig ler­nen müs­se .„ man muss

lern­fä­hig und fle­xi­bel blei­ben und sich dem Tem­po im Team an­pas­sen. Und es braucht auch Mut, wenn man ei­gent­lich nur et­was Klei­nes ver­bes­sern woll­te und aus die­ser Si­tua­ti­on her­aus ei­ne La­wi­ne an neu­en An­for­de­run­gen her­an­wächst “, soRiedl er.

Mut hat­te auch Michae­la Ma­resch, die nach jah­re­lan­ger Er­fah­rung in ei­nem Ar­chi­tek­tur­bü­ro ge­mein­sam mit ih­rem Part­ner das Un­ter­neh­men COM­MOD-Haus grün­de­te. Die Idee: Häu­ser in Mo­du­len zu bau­en, um mehr Fle­xi­bi­li­tät zu schaf­fen. Kom­plet­te Raum­mo­du­le wer­den im Werk ge­fer­tigt und sind zu un­ter­schied­li­chen Haus ty­pen bis zu drei­stö­ckig kom­bi­nier­bar. Ers­te Schrit­te mach­ten Ma­resch und ihr Ge­schäfts­part­ner Ge­rald Bren­cic im Sci­en­ce­park, dem aka­de­mi­schen Grün­dungs­zen­trum in Graz. Ma­resch be­tont, wie wich­tig das so­zia­le Netz um ei­nen In­ku­ba­tor sei, um als Grün­de­rin er­folg­reich zu sein. „Ich emp­feh­leje­dem, der­vor­hat, et­was­zu grün­den, das auf kei­nen Fall al­lei­ne in den vier Wän­den zu ma­chen, son­dern sich Un­ter­stüt­zung zu su­chen“, sagt sie.

Über Un­ter­stüt­zung di­rekt von po­ten­zi­el­len Kun­den aus der gan­zen Welt konn­te sich An­na Ia­rots­ka, die mit ih­ren bei­den Ge­schäfts­part­ne­rin­nen das Un­ter­neh­me nR obo Wun­der­kind grün­de­te, freu­en. Bei der Kick­star­ter-Kam­pa­gne ver­gan­ge­nen Ok­to­ber lang­ten für die von ih­nen kon­zi­pier­ten und pro­du­zier­ten Lern­ro­bo­ter Be­stel­lun­gen aus mehr als 58 Län­dern ein. Wer schon zu Schul­zei­ten ei­nen Ro­bo- ter pro­gram­mie­ren kann, hat es in derBe­rufs­welt­leich­ter, da­vo­nist­die ge­bür­ti­ge Ukrai­ne­rin An­na Ia­rots­ka über­zeugt. Das Un­gleich­ge­wicht zwi­schen Frau­en und Män­nern in der Grün­der­sze­ne lässt sich für sie nur än­dern, in­dem viel mehr Bei­spie­le von er­folg­rei­chen Un­ter­neh­me­rin­nen ge­schaf­fen wer­den. „Wenn man als Frau zu ei­ner Ver­an­stal­tung kommt und auf dem Po­di­um und im Pu­bli­kum sit­zen nur Män­ner, dann hat man schnell den Ein­druck, dass das nicht für Frau­en ge­macht ist“, sagt sie.

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