Ges.m.b.H. oder OG?

Die Wahl der Rechts­form ist für die Un­ter­neh­mens­ent­wick­lung ent­schei­dend

KURIER_START UP-A-PORTER - - Magazin - MO­NI­KA DLUGOKECKI

äh­rend ei­ner Rei­se durch ei­ni­ge Wein­bau­re­gio­nen kam Jo­han­nes Völ­len­klee die Idee für sein künf­ti­ges Un­ter­neh­men­na­men­sFass­pro­be. Er­woll­teBi­oQua­li­täts­wei­nin­klei­nenFla­schen­ver­kau­fen, wie er es in Ita­li­en und Frank­reich ken­nen­ge­lernt hat­te. Der Jung­un­ter­neh­mer grün­de­te dar­auf­hin ein Ein­zel­un­ter­neh­men.

Bei Wahl die­ser Fir­men­form be­treibt der In­ha­ber das Un­ter­neh­men auf ei­ge­nen Na­men und ei­ge­ne Rech­nung. Als Ein­zel­un­ter­neh­mer trägt er das vol­le Ri­si­ko und haf­tet auch mit sei­ne­mP­ri­vat­ver­mö­gen­für­dieSchul­den des Un­ter­neh­mens. Mitt­ler­wei­le sind nicht ein­ge­tra­ge­ne Ein­zel­un­ter­neh­men(EPU) mit 81 Pro­zent die am häu­figs­ten ge­wähl­te Rechts­form bei Un­ter­neh­mens­neu­grün­dun­gen. Die Vor­tei­le lie­gen in der schnel­len und kos­ten­güns­ti­gen Fir­men­grün­dung und ei­ner ein­fa­chen Ein­nah­men-Aus­ga­ben-Buch­hal­tung bis zu ei­nem Jah­res­höchst­um­satz von 700.000 Eu­ro. Lie­gen die jähr­li­chen Net­to­um­sät­ze un­ter 30.000 Eu­ro, tritt die Klein­un­ter­neh­mer­reg­lung in Kraft, die be­sagt, dass kei­ne Um­satz­steu­er ab­zu­füh­ren ist. Es kann je­doch auch kein Vor­steu­er­ab­zug gel­tend ge­macht wer­den, was sich bei In­ves­ti­tio­nen als un­güns­tig er­wei­sen kann. Paul Heis­sen­ber­ger, Be­rufs­grup­pen­ob­mann der Steu­er­be­ra­ter, weist dar­auf hin, dass die Rechts­form nicht nur nach steu­er­li­chen Ge­sichts­punk­ten ge­wählt wer­den kann: „Auch ein mög­li­cher Part­ner oder Haf­tungs­the­ma­ti­ken im Un­ter­neh­men sind da­bei zu be­leuch­ten.“

Fass­pro­be wuchs und Jo­han­nes Völ­len­klee ent­schied sich, sei­nen Job als IT-Be­ra­ter auf­zu­ge­ben und sein EPU in ei­ne Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung (Gm­bH) um­zu­wan­deln. Die­se Rechts­form ist mit rund 18 Pro­zent die zweit­häu­fig ge­wähl­te. Wäh­rend bei ei­nem Ein­zel­un­ter­neh­men üb­li­cher­wei­se nur die Ge­büh­ren für die Ge­wer­be­an­mel­dung an­fal­len, ist für ei­ne Gm­bH ein Min­dest­ka­pi­tal in Hö­he von 35.000 Eu­ro er­for­der­lich. Auch mit „Grün­dungs­pri­vi­leg“ist ei­ne Stamm­ein­la­ge von 10.000 Eu­ro nö­tig. Der Ver­trag muss vor dem No­tar er­rich­tet wer- den, die Ge­sell­schaft ist erst mit der Ein­tra­gung ins Fir­men­buch gül­tig. Zu­de­m­un­ter­lieg­t­ei­neGm­bHstren­ge­ren Buch­hal­tungs­vor­schrif­ten – die Füh­rung ei­ner dop­pel­ten Buch­hal­tun­gist­ver­pflich­tend. DerVor­teil­die­ser Rechts­form liegt, wie der Na­me schon sagt, in ei­ner be­schränk­ten Haf­tung, die auf die Ka­pi­tal­ein­la­ge der Ge­sell­schaf­ter re­du­ziert ist.

AN­DE­RE RECHTS­FOR­MEN. Wer­den min­des­tens zwei Un­ter­neh­men zu­sam­men­ge­fasst, spricht man von ei­ner Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts – kurz Ges­bR. Die­se muss nicht ins Fir­men­buch ein­ge­tra­gen wer­den, es­be­steht­a­ber­ei­ne­so­li­da­ri­sche Haf­tung und je­der Ge­sell­schaf­ter braucht ei­nen oder meh­re­re Ge­wer­be­schei­ne. Wenn sich meh­re­re(min­des­tens­zwei) Per­so­nen­zu­ei­ner ge­mein­sa­men Un­ter­neh­mung fin­den, aber den­noch fle­xi­bel blei­ben wol­len, bie­tet sich die Grün­dung ei­ner OG, ei­ner „Of­fe­nen Ge­sell­schaft“an, de­ren Ge­sell­schafts­ver­trag an kei­ne Form ge­bun­den ist. DerVor­tei­list­die­r­a­scheund­ein­fa­che Grün­dung, al­ler­dings haf­ten die Ge­sell­schaf­ter je­doch persönlich und un­ein­ge­schränkt. Ei­ne Spe­zi­al­form der OG die Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG). Hier haf­tet zu­min­dest ein Ge­sell­schaf­ter nur be­schränkt. Die­se Rechts­form lässt sich auch mit ei­ner Gm­bH als Gm­bH & Co KG kom­bi­nie­ren, dann ist der un­be­schränkt haf­ten­de Ge­sell­schaf­ter kei­ne na­tür­li­che Person, son­dern ei­ne Gm­bH. -

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