Netz­wer­ke für Frau­en

Hier fin­den Grün­de­rin­nen Hil­fe

KURIER_START UP-A-PORTER - - Magazin - - YAS­MIN VIHAUS

Der An­teil an Grün­de­rin­nen ist in den letz­ten zehn Jah­ren zwar deut­lich ge­stie­gen – 50 Pro­zent er­reicht er den­noch nicht. Zu­dem grün­den vie­le Frau­en in sehr klas­si­schen Spar­ten und nicht sel­ten als Ein-Per­so­nen­Un­ter­neh­men (EPU). Für wachs­tums­ori­en­tier­te und da­mit auch oft ri­si­ko­be­haf­te­te Be­rei­che ent­schei­den sich we­ni­ge. Sucht man nach Netz­wer­ken, die sich spe­zi­fisch an Grün­de­rin­nen rich­ten, fin­det man, ab­ge­se­hen von der WKO-Initia­ti­ve „Frau in der Wirt­schaft“, nur we­ni­ge Al­ter­na­ti­ven.

Die­se Er­fah­rung mach­ten auch The­re­se Kai­ser und Kat­ha­ri­na Brandl als Mit­grün­de­rin­nen des Frau­en­netz­werks So­ro­ri­ty und Ver­an­stal­te­rin­nen des Bu­si­nes­sRi­ot-Fes­ti­vals, Ös­ter­reichs­größ­ter Krea­tiv- und Ar­beits­markt­kon­fe­renz mit Fo­kus auf Frau­en­för­de­rung. „Wir spre­chen Frau­en in ver­schie­de­nen An­stel­lungs­ver­hält­nis­sen an. Et­wa 20 Pro­zent un­se­rer Mit­glie­der sind selbst­stän­dig – und dies nicht im­mer frei­wil­lig. Wir ha­ben ei­ni­ge ,neue Selbst­stän­di­ge‘, al­so Gra­fi­ke­rin­nen, Fo­to­gra­fin­nen oder Fri­seu­rin­nen, und auf der an­de­ren Sei­te Frau­en, die aus dem An­ge­stell­ten­ver­hält­nis her­aus et­was grün­den wol­len oder ge­ra­de ge­grün­det ha­ben“, er­zählt Kai­ser. Ge­mein­sam mit Kat­ha­ri­na Brandl grün­det sie ge­ra­de selbst. Ih­re Agen­tur ka­the wid­met sich der Kon­zep­ti­on und Um­set­zung von Frau­en­för­de­rungs­maß­nah­men für Un­ter­neh­men und der Un­ter­stüt­zung in Sa­chen gen­der­ge­rech­ter Au­ßen- und In­nen­kom­mu­ni­ka­ti­on. Die Grün­dung stell­te die bei­den selbst vor Her­aus­for­de­run­gen: „Wenn man kei­nen fi­nan­zi­el­len Pols­ter hat, muss man wirk­lich gut kal­ku­lie­ren. Das Grün­den selbst ist na­tür­lich auch nicht un­kom­pli­ziert, wenn man an Ge­wer­be­schein, SVA und Kam­mer denkt – da kann Aus­tausch hel­fen“, so Kai­ser. Die­sen Aus­tausch zwi­schen Grün­de­rin­nen wol­len Li­sa Fassl und Tan­ja Stern­bau­er mit ih­rem Pro­jekt X² in Zu­kunft schaf­fen.

GROS­SE NACH­FRA­GE. Fassl und Stern­bau­er ken­nen sich durch das Netz­werk Aus­tri­an Start-ups, Fassl ist eben­falls Mit­glied bei So­ro­ri­ty und im Grün­dungs­zen­trum der WU Wien tä­tig. Der im­mer noch sehr nied­ri­ge An­teil an Frau­en in der Start-up-Sze­ne war ein An­stoß, X² zu grün­den „Es gibt be­reits sehr ak­ti­ve und gut funk­tio­nie­ren­de Frau­en­netz­wer­ke wie So­ro­ri­ty oderFrau­in­derWirt­schaft, mit­de­nen wir gut ver­netzt sind. Auch auf der Sei­te der In­ves­to­rin­nen hat sich mit Wo­men in­ves­ting in Wo­men ein ak­ti­ves Netz­werk ent­wi- ckelt, bei dem vie­le groß­ar­ti­ge Da­men der In­ves­to­rin­nen-Sze­ne ver­tre­ten sind. Da wir se­hen, dass der Zu­spruch und Zu­lauf bei die­sen Pro­jek­te groß war, war es für uns klar, dass jetzt der rich­ti­ge Zeit­punkt für ein Grün­de­rin­nen­netz­werk ge­kom­men ist .“Ak­tu­ell gä­be es laut Fassl ei­ne gro­ße Nach­fra­ge an Frau­en­netz­wer­ken, ei­ne grö­ße­re An­zahl an Grün­de­rin­nen im Start-up-Be­reich und ei­ne gro­ße Prä­senz des The­mas Start-up an sich. Grund­sätz­lich, so Fassl, ha­ben Frau­en und Män­ner die glei­chen Vor­aus­set­zun­gen, was das Grün­den von Un­ter­neh­men be­trifft, al­ler­dings wür­den sich Frau­en trotz glei­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen oft we­ni­ger trau­en. Das sei scha­de, da ge­ra­de Start-ups mit Frau­en im Grün­dungs­team er­folg­rei­cher sind. „Vie­le nei­gen da­zu, ih­re Ide­en so lan­ge für sich zu be­hal­ten, bis sie per­fekt aus­ge­reift und durch­ge­plant sind. Män­ner schei­nen hier ein­fach an­ders zu ti­cken und schon viel frü­her und oh­ne per­fek­ten Plan raus­zu­ge­hen“, er­zählt Fassl aus ih­ren Er­fah­run­gen und will mit ent­spre­chen­den Work­shops und Coa­chings men­ta­len Hür­den ent­ge­gen­wir­ken. Als größ­tes Pro­blem sieht sie au­ßer­dem die feh­len­den Ro­le Mo­dels für Frau­en.

Um den Aus­tausch zu stär­ken, bie­tet X² ab April re­gel­mä­ßi­ge Af­terwork-Meet-ups an, um das ge­gen­sei­ti­ge Ken­nen­ler­nen und das Aus­tau­schen von Er­fah­run­gen zwi­schen Grün­de­rin­nen zu för­dern. Um lang­fris­tig ei­ne Än­de­rung des Mind­sets zu schaf­fen und mehr Frau­en ab­seitsd er klas­si­schenEPU für das Grün­den zu be­geis­tern, be­darf es laut Fassl ei­ner lang­fris­ti­gen Stra­te­gie. „Das Ver­brei­ten von kla­ren Mes­sa­ges wie ,Kar­rie­re und Fa­mi­lie sind ver­ein­bar’, ein Start-up lässt sich auch oh­ne Pro­gram­mi er­kennt­nis­se grün­den oder dem Mot­to ,Think Big‘ wä­re ein ers­ter Schritt. Das Auf­zei­gen rea­lis­ti­scher Er­folgs­bei­spie­le wä­re eben­falls wich­tig. Da­für müs­sen auch klas­si­sche Frau­en­me­di­en auf das The­ma auf­sprin­gen und Un­ter­neh­me­rin­nen den ent­spre­chen­den Platz ein­räu­men.“

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