Für Nach­fol­ger: So wird der Fir­men­wert be­stimmt

KURIER_START UP-A-PORTER - - Magazin -

Ei­ne ent­schei­den­de Fra­ge beim Un­ter­neh­mens­er­werb ist die Kauf­preis­fin­dung. Es gibt ei­ne Rei­he von Ver­fah­ren zum Er­mit­teln des mög­lichst ob­jek­ti­ven Un­ter­neh­mens­wer­tes, ab­er­k­ei­ne­fi­xenRe­geln, nach­de­nen­ein Un­ter­neh­men be­wer­tet wer­den muss. Viel­mehr müs­sen Sie ei­ne Men­ge von (sub­jek­ti­ven) Fak­to­ren– auch die bran­chen­spe­zi­fi-schen Be­son­der­hei­ten– beimBe­wer­ten be­rück­sich­ti­gen.

WIE WIRD DER WERT EI­NES UN­TER­NEH­MENS ER­MIT­TELT?

Als Ver­hand­lungs­grund­la­ge emp­fiehlt­sich­das Er­stel­len­ei­nes Gut­ach­tens­über­den Wert­des­ge­sam­ten Un­ter­neh­mens. Zie­hen Sie da­zu ei­nen Un­ter­neh­mens­be­ra­ter, Steu­er­be­ra­ter und Ex­per­ten der Wirt­schafts­kam­mer­zu. Auch­das­kos­ten­lo­seOn­li­ne-Tool­un­ter www.un­ter­neh­men­scheck.at kann v.a. bei klei­nen Be­trie­ben­er­s­te­ver­wert­ba­re Kenn­zah­len­lie­fern. Es gibt ei­ne Rei­he von Ver­fah­ren, die­al­lez­um Ziel­ha­ben, durch Be­rück­sich­ti­gung al­ler re­le­van­ten Fak­ten und Aspek­te ei­nen mög­lichst rea­li­täts­na­hen Wert des Un­ter­neh­mens zu er­rech­nen. Wel­ches Ver­fah­ren im Ein­zel­fall das­ziel­füh­rends­te ist, er­gibt sich je nach Bran­che und Un­ter­neh­mens­si­tua­ti­on. Es ist Auf­ga­be des Ex­per­ten zu be­ur­tei­len, wel­ches Be­wer-tungs­ver­fah­ren das für den­je­wei­li­gen Ein­zel­fall pas­sends­te ist.

Nach herr­schen­der Auf­fas­sung be­misst sich der Wert ei­nes Un­ter­neh­mens in ers­ter Li­nie nach sei­ner zu­künf­ti­gen Ge­winn­erzie­lungs­mög-lich­keit (Er­trags­kraft) und we­ni­ger nach­de­rim Un­ter­neh­men­vor­han­de­nen Sub­stanz. Je nach ver­wen­de­tem Ver­fah­ren wer­den die­se Kom­po­nen­ten­bei­der Wer­ter­mitt­lungun­ter-schied­lich­stark ge­wich­tet. Ist­der Fir­men­wert sehr stark von der Person des Un­ter­neh­mers ab­hän­gig, der ja nach­der Über­ga­be­nicht­meh­rim Un­ter­neh­men mit­ar­bei­tet, las­sen sich auch ver­ein­fach­te Be­wer­tungs­me­tho­den an­wen­den. Bei­spiels­wei­se kann hier der rei­ne Sub­stanz­wert her­an­ge­zo­gen wer­den oder man ver-wen­det bran­chen­üb­li­che Mul­ti­pli­ka­to­ren, wie ei­nen Fak­tor, mit dem der jähr­li­che Um­satz mul­ti­pli­ziert wird. WICH­TIG: Zu wel­chem Preis Sie ein Un­ter­neh­men letzt­end­lich kau­fen, liegt al­lein im Er­geb­nis der Ver­hand­lun­gen mit dem Ver­käu­fer. Das er­rech­ne­te Er­geb­nis­ei­nes Be­wer­tungs­gut­ach­tens kann nur ei­ne Richt­schnur sein.

Be­stimm­te Kri­te­ri­en kön­nen als Hil­fe­stel­lung für die Un­ter­neh­mens­be­wer­tung ver­wen­det wer­den:

BI­LAN­ZEN

(Um­satz, Ge­winn, An­la­ge- und Um­lauf­ver­mö­gen, ...) und sons­ti­ge Ge­schäfts­un­ter­la­gen (z.B. Kas­sa­buch) sind wich­ti­ge Kri­te­ri­en, nach de­nen der Wert des Un­ter­neh­mens be­ur­teilt wer­den kann. Aus den Um­satz- und Ge­winn­ent­wick­lun­gen der letz­ten Jah­re kön­nen we­sent­li­che Rück­schlüs­se auf den Un­ter­neh­mens­wert ge­schlos­sen wer­den. Al­ler­dings stellt die Bi­lanz nur ei­ne un­ge­fäh­re Richt­schnur dar, da die steu­er­li­che Kom­po­nen­t­ebeinhal­te­tist. DerS­teu­er­be­ra­ter kann Ih­nen die Bi­lanz nä­her auf­schlüs­seln. Aber auch fol­gen­de an­de­re, teil­wei­se nicht un­mit­tel­bar aus den Ge­schäfts­un­ter­la­gen er­sicht­li­che Fak­to­ren spie­len bei der Beur­tei­lung des Un­ter­neh­mens ei­ne gro­ße Rol­le.

AR­BEIT­NEH­MER

Grund­sätz­lich müs­sen die Ver­trä­ge mit den Mit­ar­bei­tern bei ei­nem Un­ter­neh­mens­er­werb über­nom­men wer­den. Mit­ar­bei­ter stel­len zwar ei­nen nicht un­be­trächt­li­chen Kos­ten­fak­tor­dar, sind­a­ber für den Auf­recht­er­halt und die Wei­ter­ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens wich­tig. Alt­ein­ge­ses­se­ne Mit­ar­bei­ter kön­nen Sie an ih­rem gro­ßen Er­fah­rungs­schatz teil­ha­ben las­sen. Wich­tig ist, sich schon­zu Be­ginn auf die in­ner­be­trieb-li­chen Ver­hält­nis­se ein­zu­stel­len (in­ter­ne Rang­ord­nung, Er­war­tung an den „Chef“, Mo­ti­va­ti­on etc.). Ein Füh­rungs­wech­sel wird ge­ra­de von den Mit­ar­bei­tern sehr ge­nau be­ob­ach­tet und ist mit ge­wis­sen Ängs­ten, aber auch po­si­ti­ven Er­war­tun­gen ver­bun­den. Zu­kunfts­ori­en­tiert den­ken­de Un­ter­neh­mer kön­nen auch Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gun­gen, meist in Form so­ge­nann­ter „Stil­ler Ge­sell­schaf­ten“, über­le­gen. Die­ses­in­dauch ein we­sent­li­cher Mo­ti­va­ti­ons­fak­tor.

STAND­ORT

Der Stand­ort ist ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um bei der Un­ter­neh­mens­be­wer- tung, wo­bei hier je nach Bran­che die Ge­wich­tung­ei­ne­an­der­eist. EinUn­ter­neh­mer im Han­dels- oder Di­enst­leis­tungs­be­reich wird In­ter­es­se an ei­ner gut fre­quen­tier­ten La­ge ha­ben. An­ders bei dem Pro­duk­ti­ons­be­trieb: Je mehr Nach­barn in un­mit­tel­ba­rer Nä­he sind, des­to mehr Schwie­rig­kei­ten sind­bei­der Be­triebs­an­la­gen­ge­neh­mi-gung­zu er­war­ten. Ei­ne Rol­le­spielt­die sons­ti­ge In­fra­struk­tur wie Kun­den­park­plät­ze, An­bin­dung an öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel oder öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen (Ka­nal, ...), etc.

IMAGE

Von Be­deu­tung ist auch, wie der Be­trieb von den Kun­den und der Öf­fent­lich­keitge­se­hen­wird. Um­dies zu er­fah­ren, kann man auch die Ge­rüch­te­bör­se be­mü­hen.

KUNDENSTOCK

n der Pra­xis wer­den sehr oft „Ab­lö­sen“für die Über­nah­me ei­nes Kun­den­stocks (z.B. bei Han­dels­ver­tre­tern) ge­for­dert und auch be­zahlt.

Be­ach­ten Sie da­bei, dass auch die größ­te Kun­den­kar­tei kei­ne Ga­ran­tie für zu­künf­ti­ge Er­lö­se dar­stellt. Spe­zi­ell wenn Kun­den ei­ne sehr en­ge Be­zie­hung zum Über­ge­b­er­ha­ben, ist­kei­nes­wegs­si­cher, dass die­se Kun­den ei­ne Ge­schäfts­be­zie­hung auch mit Ih­nen fort­set­zen wer­den. Auch län­ger­fris­ti­ge Lie­fer­ver­trä­ge kön­nen ein­mal zu En­de ge­hen. Ach­tung: Ein In­ha­ber­wech­sel wird ge­ra­de von Stamm­kun­den kri­tisch be­ob­ach­tet.

MAR­KEN- ODER PA­TENT­RECH­TE, DO­MAIN-NA­MEN, PA­TEN­TE, ETA­BLIER­TE MAR­KEN ETC.,

die mit über­nom­men wer­den, wir­ken sich wert­er­hö­hend aus.

KOS­TEN-ER­TRAGS­SI­TUA­TI­ON

Bei­je­der Ge­gen­über­stel­lung­der Kos­ten­und Er­trä­ge muss v.a. die zu­künf­ti­ge Ent­wick­lung und nicht nur die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on be­ach­tet wer­den. Die Er­stel­lung ei­nes Be­wer­tungs­gut­ach­tens wird in ei­ni­gen Bun­des­län­dern von der Wirt­schafts­kam­mer ge­för­dert. Wich­tig ist, dass der För­der­an­trag vor Be­auf­tra­gung ei­nes Be­ra­ters beim Grün­der­ser­vice der Wirt­schafts­kam­mer ge­stellt wird.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.