Frau­en­her­zen schla­gen an­ders

Un­ter­schätzt. Mitt­ler­wei­le sind Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen To­des­ur­sa­che Num­mer eins bei Frau­en.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -MO­NI­KA DLUGOKECKI

War­um Frau­en öf­ter Herz­er­kran­kun­gen als Män­ner er­lei­den

Frau­en ti­cken an­ders – was wohl oft­mals auf der emo­tio­na­len Ebe­ne stimmt, spielt nun auch in der Me­di­zin ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le. Vor al­lem Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen bei Frau­en wur­den bis­her er­heb­lich un­ter­schätzt. Denn bis da­to as­so­zi­ier­te man den Herz­in­farkt mit ei­ner ty­pi­schen Män­ner­er­kran­kung. Von we­gen. Frau­en ster­ben dop­pelt so häu­fig an ei­nem Herz­in­farkt als das männ­li­che Ge­schlecht. Im ver­gan­ge­nen Jahr be­tra­fen 57,9 Pro­zent al­ler durch Her­zK­reis­lauf-Er­kran­kun­gen ver­ur­sach­ten To­des­fäl­le Frau­en – da­mit wer­den Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen

„Frau­en wei­sen aty­pi­sche Be­schwer­den auf, die meist als harm­los ab­ge­tan wer­den. Im­mer mehr jun­ge Frau­en sind häu­fi­ger be­trof­fen.“Jea­net­te Stra­metz-Ju­ra­n­ek, Kar­dio­lo­gin und ärzt­li­che Lei­te­rin des SKA Re­ha-Zen­trums Bad Tatz­manns­dorf der PVA

bei Frau­en so­gar zur To­des­ur­sa­che Num­mer Eins. Doch ob­wohl die Zahl der Be­trof­fe­nen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in die Hö­he ge­schnellt ist, wis­sen Frau­en im­mer noch zu we­nig über ih­re In­farkt­ge­fähr­dung.

HORMONSCHUTZ. Der Herz­in­farkt trifft Frau­en im Durch­schnitt spä­ter als Män­ner, da sie bis zur Me­no­pau­se durch das weib­li­che Ge­schlechts­hor­mon Östro­gen gut ge­schützt sind. Die­ses senkt un­ter an­de­rem das bö­se LDL-Cho­le­ste­rin, das sich in den Ge­fä­ßen ab­la­gert. In der Me­no­pau­se nimmt der Östro­gen­schutz je­doch dras­tisch ab. Das heißt, dass ab die­sem Zeit­punkt das weib­li­che Herz durch Ri­si­ko­fak­to­ren viel stär­ker be­las­tet wird als das männ­li­che. Er­schwe­rend kommt der auf Män­ner zen­trier­te Fo­kus der For­schung hin­zu. Vie­le me­di­zi­ni­sche Stu­di­en und Me­di­ka­men­ten-Tests wur­den nur an männ­li­chen Kon­troll­grup­pen durch­ge­führt – die For­schungs­er­geb­nis­se wur­den an­schlie­ßend auf Frau­en über­tra­gen. Ein Feh­ler, denn Me­di­ka­men­te wer­den des­we­gen für Frau­en oft falsch do­siert – au­ßer­dem re­agie­ren sie an­ders als Män­ner. As­pi­rin et­wa hat bei Män­nern stär­ke­re blut­ge­rin­nungs­hem­men­de Wir­kung und ist bei man­chen Frau­en wir­kungs­los. Be­stimm­te Herz­rhyth­mus­me­di­ka­men­te kön­nen beim weib­li­chen Ge­schlecht in hö­he­rer Do­sie­rung so­gar töd­lich wir­ken. „Frau­en ha­ben fei­ne­re Ge­fä­ße, was mit­un­ter Ka­the­ter­un­ter­su­chun­gen er­schwert, ei­nen hö­he­ren Kör­per­fett­an­teil und nied­ri­ge­ren Blut­druck“, sagt Jea­net­te Stra­metz-Ju­ra­n­ek, Fach­ärz­tin für In­ne­re Me­di­zin und Kar­dio­lo­gie. Das be­deu­tet, dass Frau­en­her­zen schnel­ler schla­gen und sich da­durch ra­scher „ver­brau­chen“.

ATY­PI­SCHE BE­SCHWER­DEN. Was die we­nigs­ten wis­sen: Ein „weib­li­cher Herz­in­farkt“kün­digt sich oft­mals an­ders an. „In­farkt­sym­pto­me ver­lau­fen bei Frau­en meist we­ni­ger dra­ma­tisch und dif­fu­ser als bei Män­nern“, so die Me­di­zi­ne­rin. Die klas­si­schen Sym­pto­me sind den meis­ten Men­schen be­kannt: Schmer­zen im Brust­be­reich, Atem­not, En­ge­ge­fühl, kal­ter Schweiß und Übel­keit. Sie wis­sen, dass man bei die­sen Warn­si­gna­len nicht lan­ge fa­ckeln darf. „Doch Frau­en wei­sen aty­pi­sche Be­schwer­den auf, die meist als harm­los ab­ge­tan wer­den“, weiß Stra­met­zJu­ra­n­ek. Denn tat­säch­lich ver­spürt nur je­de zwei­te In­farkt­pa­ti­en­tin klas­si­sche Sym­pto­me. So lei­det das weib­li­che Ge­schlecht meist un­ter ver­meint­li­chen Ma­gen-, Rü­cken-, Kie­fer- und oder Schul­ter­schmer­zen, fühlt sich schwach und kurz­at­mig, lei­det un­ter Schlaf­stö­run­gen. „Frau­en neh­men sich lei­der im­mer noch nicht als ge­fähr­det wahr und un­ter­schät­zen Warn­si­gna­le des Kör­pers“, be­klagt die Kar­dio­lo­gin, die als

ärzt­li­che Lei­te­rin des Re­ha-Zen­trums Bad Tatz­manns­dorf gera­de die­se ge­schlechts­spe­zi­fi­schen Un­ter­schie­de in The­ra­pi­en mit­ein­bin­det.

VORGESCHÄDIGT. Ei­nen klas­si­schen Herz­in­farkt, bei dem ein Blut­ge­rinn­sel ei­ne Ko­ro­nar­ar­te­rie (Herz­kranz­ge­fäß) plötz­lich blo­ckiert, be­kom­men Frau­en deut­lich sel­te­ner als Män­ner. Vie­le Her­zen sind be­reits seit Jah­ren vorgeschädigt. Haupt­ur­sa­che für den Herz­in­farkt ist die ko­ro­na­re Herz­krank­heit, bei der die Ge­fä­ße durch fett­hal­ti­ge Abla­ge­run­gen, die so­ge­nann­ten Plaques, ver­engt oder blo­ckiert sind. Das wie­der­um führt zu Durch­blu­tungs­stö­run­gen. Der da­durch aus­ge­lös­te Sau­er­stoff­man­gel im Her­zen wird von man­chen Frau­en als vor­über­ge­hen­de En­ge oder Druck­ge­fühl in der Brust wahr­ge­nom­men, bei an­de­ren kann er zu schmerz­haf­ten An­gi­na-Pec­to­ris-An­fäl­len füh­ren. Kommt es zu ei­ner wei­te­ren Ve­ren­gung, kann ein Herz­in­farkt aus­ge­löst wer­den. Stu­di­en ha­ben al­ler­dings ge­zeigt, dass Frau­en vier Mal häu­fi­ger zum Arzt ge­hen müs­sen, um bei An­gi­na Pec­to­ris die glei­che Auf­merk­sam­keit zu er­lan­gen wie ein Mann.

BRO­KEN-HE­ART-SYN­DROM. „Vor al­lem im­mer mehr jun­ge Frau­en sind häu­fi­ger be­trof­fen“, sagt Stra­met­zJu­ra­n­ek. Be­son­ders bei 35- bis 44Jäh­ri­gen sind töd­li­che Herz­in­fark­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich ge­stie­gen. Ri­si­ko­fak­to­ren wie Rau­chen, Über­ge­wicht und Be­we­gungs­man­gel wir­ken sich be­son­ders stark aus. Auch Mehr­fach­be­las­tun­gen so­wie die schlech­te­re Ver­ar­bei­tung von emo­tio­na­lem Stress trifft Frau­en­her­zen stär­ker. „Auch Ar­mut und Krank­heit lie­gen sehr nah bei­ein­an­der“, warnt Stra­metz-Ju­ra­n­ek. So kann es auch pas­sie­ren, dass der weib­li­che Kör­per bei schwe­ren emo­tio­na­len Be­las­tun­gen mit In­farktähn­li­chen Sym­pto­men re­agiert. Das „Bro­ken-He­art-Syn­drom“(„Ge­bro­che­nes-Herz-Krank­heit“) tritt bei et­wa zwei von 100 be­trof­fe­nen Frau­en auf. Fast im­mer ha­ben die be­trof­fe­nen Pa­ti­en­tin­nen zu­vor ei­nen schwe­ren Schick­sals­schlag er­lit­ten. Sie kla­gen über aku­te Herz­in­farkt-Sym­pto­me, die Be­fun­de sind je­doch völ­lig in Ord­nung. Me­di­zi­ner ver­mu­ten, dass Stress­hor­mo­ne die Kör­per der Frau­en der­art über­flu­ten, dass sich die Herz­kranz­ge­fä­ße ver­en­gen und das Blut nicht mehr rich­tig zir­ku­lie­ren kann. Das „Bro­ken-He­art-Syn­drom“wird wie ein aku­ter Herz­in­farkt be­han­delt. Stra­metz-Ju­ra­n­ek: „In der Re­gel er­holt sich das Herz in­ner­halb we­ni­ger Tage oder Wo­chen. Den­noch soll­ten al­le Be­schwer­den ernst ge­nom­men wer­den. Ich ra­te je­der Frau da­zu, auf ei­nen ge­sun­den Le­bens­stil zu ach­ten und die Si­gna­le des Kör­pers ernst zu neh­men.“Da­mit Frau­en­her­zen künf­tig län­ger schla­gen.

Die Dop­pel­be­las­tung Be­ruf und Fa­mi­lie setzt Frau­en­her­zen be­son­ders zu. Da­zu kommt noch emo­tio­na­ler Stress

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