„Kaum Be­wußt­sein für Blut­hoch­druck“

Der Ös­ter­rei­chi­schen Hoch­druck­li­ga ist ver­stärk­te Prä­ven­ti­on und Auf klä­rung ein be­son­de­res An­lie­gen.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt -

In­ter­view mit Tho­mas Weber, Prä­si­dent der Hoch­druck­li­ga

Tho­mas Weber ist Kar­dio­lo­ge und Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Hy­per­ten­sio­lo­gie (Hoch­druck­li­ga). Im In­ter­view spricht er über Mess­me­tho­den, Be­wusst­seins­bil­dung und ei­nen neu­en Zu­gang, um Men­schen mehr für die­se Krank­heit zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Wie ist es denn ge­ne­rell um die Be­wusst­seins­bil­dung der Ös­ter­rei­cher be­stellt? Tho­mas Weber:

Im Lau­fe der Jah­re hat sich lei­der kaum ein stär­ke­res Be­wusst­sein ent­wi­ckelt. Häu­fig bleibt Blut­hoch­druck un­ent­deckt und auch von den be­han­del­ten Pa­ti­en­ten sind 50 Pro­zent nicht op­ti­mal ein­ge­stellt. Da­bei geht es nur sel­ten um fal­sche Me­di­ka­men­te oder de­ren Do­sie­rung. Sehr oft aber liegt es an der Schwie­rig­keit, ei­ne me­di­ka­men­tö­se Be­hand­lung re­gel­mä­ßig ein­zu­neh­men, de­ren Nut­zen man nicht un­mit­tel­bar spürt – im Ge­gen­satz zu Schmerz­ta­blet­ten bei­spiels­wei­se. Hier hilft nur aus­rei­chend Auf­klä­rung über Er­kran­kung, Ge­fah­ren und rich­ti­ge Be­hand­lung.

Wie bringt man nun po­ten­zi­ell ge­fähr­de­te Men­schen, die sich bis­her nicht mit dem The­ma aus­ein­an­der­ge­setzt ha­ben, da­zu, Vor­sor­ge zu tref­fen?

Der Ös­ter­rei­chi­schen Hoch­druck­li­ga und mir ist es ein be­son­de­res An­lie­gen, dass ver­stärkt Prä­ven­ti­on er­folgt. Nur so kann man dem Auf­tre­ten von schwe­ren Er­kran­kun­gen wie Herz­schwä­che, Schlag­an­fall, Herz­in­farkt oder Nie­ren­ver­sa­gen vor­beu­gen. Wir brau­chen al­so ein stär­ke­res Blut­druck Be­wusst­sein. Ei­nes der Pro­jek­te, das wir der­zeit in Wels er­pro­ben, er­folgt in Zusammenarbeit mit den Apo­the­ken. Dort wird mit spe­zi­el­len au­to­ma­ti­schen Blut­druck man­schet­ten nicht nur der Blut­druck, son­dern auch das so­ge­nann­te Ge­fäß­al­ter ge­mes­sen. Die­ses kann man dann in Re­la­ti­on zum tat­säch­li­chen Al­ter ei­nes Men­schen set­zen. Wir hof­fen, dass die­ser Weg in Zu­kunft zu stär­ke­rem Pro­blem­be­wusst­sein und schnel­le­rem Han­deln führt.

Wel­che Mes­sun­gen wer­den für die Blut­druck­ein­stel­lung her­an­ge­zo­gen?

In Ös­ter­reich wird noch im­mer haupt­säch­lich auf Da­ten der Or­di­na­tio­nen von Ärz­ten zu­rück­ge­grif­fen. Dort pas­sie­ren Mes­sun­gen zwar ex­akt, kön­nen aber stets nur ei­ne Mo­ment­auf­nah­me dar­stel­len. Zu­dem sind die Blut­druck­wer­te beim Arzt häu­fig hö­her als im All­tag. Man nennt das Weiß­kit­te­lef­fekt: Der Pa­ti­ent ist ner­vös, sein Blut­druck steigt. Des­halb for­dert die Ös­ter­rei­chi­sche Hoch­druck­li­ga, dass auch Mes­sun­gen, die au­ßer­halb vonOr­di­nat io­nen durch­ge­führt wer­den, zur Blut druck­ein­stel­lung her­an­zu­zie­hen. Denn zu Hau­se misst man bei­spiels­wei­se über ei­ne gan­ze Wo­che – je­weils mor­gens und abends – und er­mit­telt so ei­nen aus­sa­ge­kräf­ti­gen Mit­tel­wert.

Kön­nen Apps fürs Smart­pho­ne hel­fen?

Si­cher kön­nen die­se An­wen­dun­gen nütz­lich sein, um Mit­tel­wer­te leich­ter aus­zu­rech­nen, Da­ten auf­zu­zeich­nen oder Ta­bel­len zu er­stel­len. Man kann die Mess­wer­te hän­disch ein­ge­ben oder das Blut­druck-Mess­ge­rät ist di­rekt mit der Han­dy-App ge­kop­pelt. Zu­sätz­lich kön­nen Schritt­zäh­ler und der­glei­chen die Mo­ti­va­ti­on zu mehr Be­we­gung för­dern. Dass man da­mit auch den Blut­druck mes­sen kann, ist aber ein Irr­glau­be. Da­für braucht es nach wie vor ein rich­ti­ges Mess­ge­rät.

Wie kann man aus ei­ge­ner Kraft den Blut­druck sen­ken?

Le­bens­stil-Maß­nah­men kön­nen den Blut­druck merk­lich sen­ken und sind des­halb als sinn­voll zu er­ach­ten. Da­zu zäh­len viel Be­we­gung, bei Be­darf das Ge­wicht re­du­zie­ren, ge­sund und sal­z­arm es­sen. Da­bei muss man aber rea­lis­tisch blei­ben: Nur sel­ten kann der Blut­druck da­durch dau­er­haft nor­ma­li­siert wer­den. Auch ist ei­ne sol­che Um­stel­lung der Le­bens­ge­wohn­hei­ten oft­mals nicht lang­fris­tig durch­zu­hal­ten. Des­halb soll­ten Pa­ti­en­ten von An­fang an rich­tig me­di­ka­men­tös ein­ge­stellt wer­den. Dann kann man selbst ak­tiv ver­su­chen, den Blut­druck zu sen­ken und sich so in Zu­kunft even­tu­ell ein Me­di­ka­ment er­spa­ren.

Und wenn das al­les nicht hilft?

Ei­ni­ge we­ni­ge Per­so­nen ver­tra­gen gar kei­ne blut­druck­sen­ken­den Me­di­ka­men­te. Bei an­de­ren reicht ei­ne me­di­ka­men­tö­se Be­hand­lung zur Blut­druck­ein­stel­lung nicht aus. Die so­ge­nann­te Rena­le Sym­pa­thi­kus­de­ner­vie­rung ist ein in­ter­ven­tio­nel­les Ver­fah­ren mit ei­nem Ka­the­ter. Sie greift mi­ni­mal­in­va­siv ein, um Ner­ven­bah­nen zwi­schen Ge­hirn und Nie­re zu un­ter­bre­chen. Mit die­ser Me­tho­de will man die Ak­ti­vi­tät des sym­pa­thi­schen Ner­ven­sys­tems re­du­zie­ren und da­durch den Blut­druck sen­ken. Al­ler­dings gibt es noch zu we­ni­ge For­schungs­er­geb­nis­se.

Tho­mas Weber, Kar­dio­lo­ge und Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Hy­per­ten­sio­lo­gie (Hoch­druck­li­ga)

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