„Dich wer­de ich be­sie­gen“

Neu­start. Ro­bert Ben­kö war 54 Jah­re alt, als er gleich zwei Herz­in­fark­te über­leb­te. So hat er die schwie­ri­ge Si­tua­ti­on ge­meis­tert.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Ein Herz­in­farkt-Pa­ti­ent über sei­nen Weg zu­rück ins Le­ben

Der 15. Sep­tem­ber 2009 – die­sen Tag wird Ro­bert Ben­kö nie ver­ges­sen. Es be­gann mit Schweiß­aus­brü­chen, Käl­te­ge­fühl und ei­nem Druck auf der Brust. Zu­erst er­kennt der heu­te 61jäh­ri­ge Wie­ner die Sym­pto­me nicht. Bis die Be­schwer­den ein zwei­tes Mal auf­tre­ten, noch hef­ti­ger als zu­vor. Die vor­erst nie­der­schmet­tern­de Dia­gno­se: Herz­in­farkt.

Was ha­ben Sie, als die Sym­pto­me zum zwei­ten Mal auf­ge­tre­ten sind, ge­macht?

Ro­bert Ben­kö: Ich rief die Ret­tung an, aber da brach­te ich kaum mehr ei­nen Ton her­aus. Der Mann am Te­le­fon er­kann­te den­noch die Not­fall­si­tua­ti­on. We­nig spä­ter klin­gel­te es an der Tür. Ich kam so­fort ins Kran­ken­haus, dort wur­den mir drei Stents ge­setzt. Am nächs­ten Tag sag­te mir ein Arzt, dass ich ei­nen Herz­in­farkt ge­habt ha­be.

Wel­che Ge­dan­ken sind Ih­nen da durch den Kopf ge­gan­gen?

Gar kei­ne, ich ha­be das al­les gar nicht wirk­lich re­gis­triert. Auf Re­ha, zwei Tage be­vor ich nach Hau­se soll­te, be­kam ich wie­der die­sel­ben Sym­pto­me. Ein zwei­ter Herz­in­farkt. Ich war prak­tisch schon tot, im Ret­tungs­au­to hat man mich zu­rück­ge­holt. Im Spi­tal wur­de ich not­ope­riert. Dann ha­ben sie mich sie­ben Wo­chen in den Tief­schlaf ver­setzt.

Da­nach sind Sie er­neut auf Re­ha. Was hat sich ver­än­dert?

Mein Ge­dan­ken über die Er­kran­kung wa­ren: So, jetzt be­kämp­fe ich dich. Du hast kei­ne Chan­ce mehr bei mir! Mir wur­de be­wusst, wie viel Blöd­sinn ich in mei­nem Le­ben ge­macht ha­be. Bis zu 80 Zi­ga­ret­ten ha­be ich täg­lich ge­raucht. Ich war frü­her ein aus­ge­spro­che­ner Narr, schon das kleins­te Pro­blem hat mich auf die Pal­me ge­bracht. Auch ha­be ich 18 Jah­re lang im Gast­ge­wer­be ge­ar­bei­tet. Das größ­te Übel ist der Stress. Ir­gend­wann „be­dankt“sich der Kör­per.

Was hat Ih­nen da­bei ge­hol­fen, Ih­ren Le­bens­stil zu än­dern?

Vor al­lem mei­ne Haus­ärz­tin Frau Dok­tor No­wat­schek. Sie hat mir viel Zeit und Ver­trau­en ent­ge­gen ge­bracht. Das wich­tigs­te ist, als Pa­ti­ent dem Arzt ge­gen­über frei­er zu sein. Der kann nur hel­fen, wenn er weiß, was ei­nen be­drückt. Und je­de Krank­heit be­drückt, da kann mir kei­ner et­was an­de­res er­zäh­len. Ne­ben mei­ner Frau hat mich auch mein bes­ter Freund Max mo­ti­viert.

Wie hat Ihr Freund Max Sie mo­ti­viert?

Er hat mich zum Wan­dern in den Wie­ner Wald mit­ge­nom­men. Beim ers­ten Mal dach­te ich mir, ich be­kom­me mei­nend rit­ten Herz­in­farkt( lacht ). Für ei­nen Weg, den man nor­ma­ler­wei­se in 45 Mi­nu­ten schafft, brauch­ten wir zwei St­un­den. Ich sag­te oft „ich kann nicht mehr“, doch Max mo­ti­vier­te mich im­mer wie­der mit „komm, geh wei­ter“. Aber es war ein Ansporn, jetzt ge­he ich sehr ger­ne wan­dern. Max hat mir auch ge­ra­ten, mich an Selbst­hil­fe­grup­pen zu wen­den. Mit dem Be­griff konn­te ich erst ein­mal gar nichts an­fan­gen. Über das In­ter­net bin ich dann auf den Wie­ner Herz­ver­band ge­sto­ßen.

Was bringt die Selbst­hil­fe­grup­pe?

Je­der ver­lässt sich auf das Ge­sund­heits­sys­tem, aber man muss selbst ak­tiv wer­den. Denn ich bin ja auch auf­grund mei­ner Le­bens­wei­se da­für ver­ant­wort­lich, dass ich in die jet­zi­ge Si­tua­ti­on ge­kom­men bin. Das muss man be­den­ken. Zwei Mal in der Wo­che ge­he ich tur­nen. Ein­mal im Mo­nat gibt es ei­nen Club­nach­mit­tag mit Arzt­vor­trä­gen, Aus­flü­gen und vie­lem mehr. Dann ge­hen wir schon zum Heu­ri­gen, denn wir sind ja nicht tot (lacht). Aber al­les mit Maß und Ziel.

Bli­cken Sie po­si­tiv in die Zu­kunft?

Mir wur­de ge­sagt, das sich ei­nen drit­ten Herz­in­farkt nicht über­le­be. Da­mit le­be ich. Ich ma­che aber al­les, da­mit das nicht pas­siert. Ich neh­me re­gel­mä­ßig mei­ne Me­di­ka­men­te, das ist wirk­lich wich­tig und soll­te je­der ernst neh­men. Mei­ne vier En­kel­kind er­hal­ten mich auf Tr­ab. In­der Zwi­schen­zeit hab eich auch ein vier­jäh­ri­ges Uren­kerl. Es geht mir wirk­lich gut, ich ha­be noch viel vor. Ich kann selbst nicht glau­ben, dass ich ei­nen vier­fa­chen By­pass und drei Stents in mir ha­be.

„Ich rief die Ret­tung an, aber da brach­te ich kaum mehr ei­nen Ton her­aus. Der Mann am Te­le­fon er­kann­te den­noch die Not­fall­si­tua­ti­on. “ „ Mir wur­de be­wusst, wie viel Blöd­sinn ich in mei­nem Le­ben ge­macht ha­be. Bis zu 80 Zi­ga­ret­ten ha­be ich täg­lich ge­raucht. “Ro­bert Ben­kö

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