Ri­si­ko­fak­tor Dia­be­tes

Ho­her Blut­zu­cker. Un­be­han­del­ter Dia­be­tes birgt be­son­de­re Ri­si­ko­fak­to­ren für Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen. Denn die Stoff­wech­sel­krank­heit för­dert bei­spiels­wei­se die Ent­ste­hung von At­he­ro­skle­ro­se.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

War­um Dia­be­ti­ker be­son­ders auf ihr Herz ach­ten soll­ten

Ex­per­ten be­ob­ach­ten­den ste­ti­gen An­stieg der Er­kran­kungsz ah­len mit Sor­ge. Laut der In­ter­na­tio­na­len Dia­be­tes Ver­ei­ni­gung gibt es welt­weit be­reits 387 Mil­lio­nen Men­schen, die mit der Krank­heit le­ben – in Ös­ter­reich sind es rund 650.000 Be­trof­fe­ne. Hier­zu­lan­de stirbt al­le 50 Mi­nu­ten je­mand an den Fol­gen von Dia­be­tes, das sind rund 10.000 Men­schen pro Jahr. Ne­ben den aku­ten Blut­zu­cker ent­glei­sun­gen hat ei­ne schlech­te Blut­zu­cker kon­trol­le meis­tens erst Jah­re spä­ter fa­ta­le Aus­wir­kun­gen. Die mit Ab­stand häu­figs­ten For­men der Lang­zeit kom­pli­ka­tio­nen sind Herz­er­kran­kun­gen, Herz­in­fark­te und Schlag­an­fäl­le. Bei Dia­be­tes muss man zwi­schen zwei For­men un­ter­schei­den. Typ -1 Dia­be­tes ist ei­ne Au­to im­mun er­kran­kung, die meist schon im Ju­gend­al­ter auf­tritt: Das ei­ge­ne Im­mun­sys­tem zer­stört die In­su­lin pro­du­zie­ren­den Zel­len des Kör­pers. Das Hor­mon hat die Auf­ga­be, den Ein­fach­zu­cker Glu­ko­se – ein le­bens­wich­ti­ger Nähr­stoff der Kör­per­zel­len – in die Zel­len zu trans­por­tie­ren. Funk­tio­niert dies nicht, kommt es zu ho­hem Blut­zu­cker. 95 Pro­zent al­ler Dia­be­ti­ker ha­ben hin­ge­gen ei­nen Typ-2-Dia­be­tes. Er führt durch ei­nen Mix aus schlech­ter Er­näh­rung und we­nig Be­we­gung oder ge­ne­ti­scher Vor­prä­gung zu In­su­lin­re­sis­tenz. Die­se häu­figs­te Form der Stoff­wech­sel krank­heit ent­wi­ckelt sich meist im Al­ter von über 40 Jah­ren. Al­ler­dings nimmt die Häu­fig­keit nach dem sechs­ten Le­bens­jahr­zehnt deut­lich zu. Kin­der wa­ren in der Ver­gan­gen­heit kaum da­von be­trof­fen. Das hat sich ge­än­dert: Heu­te le­ben in Ös­ter­reich im­mer­hin 100.000 Men­schen un­ter 15 Jah­ren mit Typ-2-Dia­be­tes.

VER­STECK­TE GE­FAHR. Die Er­kran­kung bleibt oft län­ge­re Zeit un­be­merkt. Genau dar­in liegt die Ge­fahr. „Der er­höh­te Blut­zu­cker selbst schä­digt die Ge­fäß­wand und ins­be­son­de­re auch die Funk­ti­on, näm­lich die Ge­fäß er­schlaf­fung der gro­ßen und klei­nen Ge­fä­ße zur bes­se­ren Durch­blu­tung. Da­durch ent­steht auch ein er­höh­ter Druck auf die Ge­fäß wand, das führt wie­der­um zu Wand ve­rän­de­run­gen und er­leich­tert

Abla­ge­rung, zum Bei­spiel von Fet­ten“, er­klärt Her­mann To­plak, Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft. Wird man äl­ter, kommt Ge­fäß­ver­kal­kung hin­zu. Beim Typ-2-Dia­be­tes, der meist spä­ter auf­tritt, ist ei­ne be­gin­nen­de Ge­fäß­ver­kal­kung oft schon am Be­ginn der Er­kran­kung vor­han­den und läuft dann be­schleu­nigt ab. „Je mehr Kör­per­fett um den Bauch vor­han­den ist, des­to schnel­ler“, warnt To­plak. Häu­fig kom­men bei Typ-2-Dia­be­ti­kern ne­ben ho­hen Blut­zu­cker­wer­ten auch Fett stoff­wech­sel er­kran­kung und Blut hoch­druck vor, was sich eben­falls un­güns­tig auf die gro­ßen Ge­fä­ße aus­wirkt – es sind die klas­si­schen Ri­si­ko­fak­to­ren für At­he­ro­skle­ro­se. Auf­grund über­höh­ter Kon­zen­tra­tio­nen von Blut­zu­cker und Blut­fet­ten tre­ten Abla­ge­run­gen und Ge­fäß­ver­schlüs­se bei Dia­be­ti­kern öf­ter und frü­her auf. Sie ha­ben da­her ein zwei- bis vier­fach hö­he­res Ri­si­ko, ei­nen Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall zu er­lei­den, als Nich­tDia­be­ti­ker. Für al­le Fol­ge­schä­den gilt: Je län­ger die Krank­heit dau­ert und je schlech­ter der Dia­be­tes ein­ge­stellt ist, um­so grö­ßer ist das Ri­si­ko.

LDL-CHO­LE­STE­RIN UN­TER 70. „Vor­beu­gend gilt es, mög­lichst al­le Ri­si­ko­fak­to­ren für Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen durch ent­spre­chen­de Be­hand­lung zu mi­ni­mie­ren“, er­klärt To­plak. Be­son­ders wich­tig sei es ne­ben ei­ner gu­ten Blut­zu­cker ein­stel­lung, das LDL-Cho­le­ste­rin auf ei­nen Wert un­ter 70 zu brin­gen und auch den Blut­druck zu sen­ken. Der­zeit gibt es drei Me­di­ka­men­te, die mehr kön­nen als nur den Blut­zu­cker zu sen­ken. Das alt­her­kömm­li­che Met­for­min, wel­ches von An­fang an Herz-Kreis­laufEr­kran­kun­gen und an­de­ren Spät fol­gen vor­beugt. Das Pio­gli­ta­zon, des­sen Wir­kung be­son­ders bei Pa­ti­en­ten mit Ge­fäß­krank­hei­ten wei­te­ren Ge­fäß kom­pli­ka­tio­nen vor­beugt. Und ei­ne„ maß­geb­li­che Än­de­rung“in­der Be­hand­lung zeigt laut Deut­scher Dia­be­tes Ge­sell­schaft das Er­geb­nis ei­ner neu­en Stu­die zum Me­di­ka­ment Em­paglif­lo­zin. Die­se wur­de auf der Jah­res­ta­gung der Eu­ro­pean As­so­cia­ti­on for the Stu­dy of Dia­be­tes im ver­gan­ge­nen Jahr vor­ge­stellt. Es sen­ke ne­ben dem Blut­zu­cker die Ra­te an Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen, weil auch der Blut­druck ge­senkt wird. Zu­dem ent­steht ein Ka­lo­ri­en­ver­lust, was ei­ne Ge­wichts­ab­nah­me für den Pa­ti­en­ten be­deu­tet. Spät­fol­gen las­sen sich au­ßer­dem durch ei­ne ge­sun­de Le­bens­wei­se vor­beu­gen – mit ent­spre­chen­der Er­näh­rung, re­gel­mä­ßi­ger Be­we­gung und oh­ne Zi­ga­ret­ten.

Die häu­figs­ten Ge­fah­ren von Dia­be­tes lau­ern vor al­lem in den vie­len Lang­zeit­kom­pli­ka­tio­nen

„Der er­höh­te Blut­zu­cker schä­digt die Ge­fäß­wand und ins­be­son­de­re auch die Funk­ti­on, näm­lich die Ge­fäßer­schlaf­fung der gro­ßen und klei­nen Ge­fä­ße zur bes­se­ren Durch­blu­tung. “Her­mann To­plak, Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft

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