Wenn das Herz schwach wird

Herz­in­suf­fi­zi­enz. Hal­ten Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen lan­ge an, en­den sie oft in ei­ner Herz­schwä­che. Und die führt in vie­len Fäl­len zu wei­te­ren Herz­er­kran­kun­gen.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Herz­in­suf­fi­zi­enz ist die Ba­sis für Herz­in­farkt und mehr

Mü­dig­keit, Kurz­at­mig­keit, Schwel­lun­gen an den Knö­chel – dies kön­nen die ers­ten An­zei­chen ei­ner Herz­schwä­che sein. Die Zahl der Pa­ti­en­ten mit Herz­in­suf­fi­zi­enz steigt deut­lich: Die bes­se­re The­ra­pie von Herz-Kreis­laufEr­kran­kun­gen und ge­ne­rell die stei­gen­de Le­bens­er­war­tung sind zwei Haupt­grün­de da­für. Schät­zun­gen zu­fol­ge lei­den et­wa ein bis zwei Pro­zent der Er­wach­se­nen an ei­ner Herz­in­suf­fi­zi­enz, in Ös­ter­reich sind das 70.000 bis 140.000 Men­schen. „Man­che mei­ner Kol­le­gen schät­zen die Zahl so­gar auf 300.000 Ös­ter­rei­cher“, so Ded­do Mörtl, Lei­ter der Ar­beits­grup­pe Herz­in­suf­fi­zi­enz in der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Kar­dio­lo­gie.

DIE URSACHEN. Die Herz­in­suf­fi­zi­enz ist in den meis­ten Fäl­len die Fol­ge ei­ner chro­ni­schen kar­di­alen Er­kran­kung. Bei zwei Drit­tel der be­trof­fe­nen Pa­ti­en­ten be­steht be­reits ei­ne ko­ro­na­re Herz­er­kran­kung. Ne­ben Blut­hoch­druck kön­nen auch sel­te­ne­re Ursachen wie Herz mus­kel­ent zün­dun­gen da­zu­füh­ren.Lässt die Herz funk­ti­on nach, tre­ten ty­pi­sche Sym­pto­me auf: „Die Pa­ti­en­ten kla­gen über ei­ne ver­min­der­te Leis­tungs­fä­hig­keit, Atem­not bei Be­las­tung und teil­wei­se auch schon im Ru­he­zu­stand. Es kommt zu Was­ser­an­samm­lun­gen an­den Knö­cheln und in den Bei­nen und zu ge­stau­ten Hals­ve­nen. Auch Völ­le­ge­fühl und Kon­zen­trat ions stö­run­gen kön­nen An­zei­chen sein“, sagt Mörtl. Die Be­schwer­den wer­den ent­we­der in­ner­halb we­ni­ger Tage rasch stär­ker, so­dass der Pa­ti­ent akut ins Spi­tal muss. Sie kön­nen aber auch lang­sam und schlei­chend zu­neh­men. „Die Krank­heit ist tü­ckisch, denn sie wird häu­fig von den Pa­ti­en­ten selbst oder ih­ren An­ge­hö­ri­gen als Al­ters­er­schei­nung ab­ge­tan. Bei­spiels­wei­se wenn beim Stie­gen­stei­gen frü­her die Luft aus­geht“, so der Kar­dio­lo­ge. Herz­in­suf­fi­zi­enz nimmt mit dem Al­ter an Häu­fig­keit zu. Nur ein Pro­zent al­ler Pa­ti­en­ten ist jün­ger als 55, 80 Pro­zent sind über 65 Jah­re alt.

DIE DIA­GNO­SE. Ei­ne pri­mä­re Dia­gno­se wird durch vier Un­ter­su­chun­gen be­stä­tigt: EKG, Lun­gen­rönt­gen, Blut­ab­nah­me und Her­zul­tra­schall. Je nach Schwe­re­grad der Sym­pto­ma­tik wird die Er­kran­kung in vier Klas­sen ein­ge­teilt. Dies er­folgt nach ei­ner No­men­kla­tur der New York He art As­so­ci­at ion: BeiNYHAI­lie gen kei­ne Be­schwer­den vor, beiNYHA IV hin­ge­gen kön­nen über­haupt kei­ne kör­per­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten mehr oh­ne Be­schwer­den durch­ge­führt wer­den. Vom Zeit­punkt der Erst­dia­gno­se ster­ben 50 bis 80 Pro­zent in­ner­halb von fünf Jah­ren – ins­be­son­de­re, wenn die Pa­ti­en­ten nicht op­ti­mal be­han­delt wer­den. Die­se ho­he Sterb­lich­keits ra­te ist ver­gleich­bar mit der ei­ner Krebs­er­kran­kung. Die ty­pi­sche To­des­art nennt man pro­gres­si­ves Pump ver­sa­gen. Das be­deu­tet, das Herz wird lang­sam im­mer schwä­cher und hört ir­gend­wann auf zu schla­gen. Ei­ne wei­te­re Ur­sa­che ist der plötz­li­che Herz­tod. Meis­tens wird er durch ei­ne bös­ar­ti­ge Rhyth­mus­stö­rung aus­ge­löst, die nicht mehr auf­hört.

„Die Krank­heit ist tü­ckisch, denn sie wird häu­fig von Pa­ti­en­ten oder ih­ren An­ge­hö­ri­gen als Al­ters­er­schei­nung ab­ge­tan.“Ded­do Mörtl von der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Kar­dio­lo­gie

DIE THE­RA­PIE. Mit ei­ner ad­äqua­ten The­ra­pie kann die Le­bens­er­war­tung der Pa­ti­en­ten je­doch ver­drei­facht wer­den, so Ded­do Mörtl. Wenn trotz op­ti­ma­ler me­di­ka­men­tö­ser The­ra­pie im­mer noch Be­schwer­den auf­tre­ten und die Pump­funk­ti­on wei­ter­hin re­du­ziert ist, kann ei­ne Ge­räte­the­ra­pie sinn­voll sein. Bei der kar­di­alen Re­syn­chro­ni­sat ions the­ra­pie bei­spiels­wei­se wir dein Herz­schritt­ma­cher ein­ge­setzt, der leich­te Strom­im­pul­se ab­gibt. Ei­ne mög­li­cher­wei­se asyn­chro­ne Pump­funk­ti­on wird da­durch wie­der syn­chro­ni­siert. Ein De­fi­bril­la­tor gibt ei­nen noch stär­ke­ren Strom­stoß ab. So kön­nen bös­ar­ti­ge Herz rhyth­mus stö­run­gen un­ter­bro­chen wer­den. Wenn das Herz sehr stark ge­schä­digt ist, bleibt ei­ne Herz­trans­plan­ta­ti­on als letz­te Op­ti­on. Ne­ben den Me­di­ka­men­ten und den in den Kör­per ein­ge­setz­ten Ge­rä­ten, ist Be­we­gung ei­ne wei­te­re wich­ti­ge The­ra­pie­form. „Man­che den­ken, kör­per­li­che Be­las­tung könn­te bei ei­ner Herz­in­suf­fi­zi­enz schäd­lich sein. In Wahr­heit muss man eher vor zu we­nig Be­we­gung Angst ha­ben als vor zu viel“, sagt der Kar­dio­lo­ge. Denn Stu­di­en be­le­gen: Kör­per­li­ches Trai­ning er­höht die Pump­funk­ti­on und ver­bes­sert so die Le­bens­qua­li­tät.

Herz­schwä­che wird oft nicht er­kannt. Vor­sor­ge­ter­mi­ne beim Arzt sind wich­tig

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