Un­ser Le­ben mit Blut­hoch­druck

In­ter­view. Dem Blut­druck wird zu we­nig Be­ach­tung ge­schenkt, sind sich drei be­freun­de­te Be­trof­fe­ne ei­nig. Seit sie die ei­ge­nen Wer­te nach un­ten ge­bracht ha­ben, geht es ih­nen deut­lich bes­ser.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Drei Hoch­druck-Pa­ti­en­tin­nen über ih­ren „Hö­hen­flug“

Lei­der braucht man oft den An­stoß ei­ner Er­kran­kung, um ak­tiv zu wer­den“, be­dau­ert Ve­ro­ni­ka Bau­er. Die 65-Jäh­ri­ge sitzt mit zwei Freun­din­nen im Bü­ro des Wie­ner Herz­ver­bands und spricht of­fen über ihr Le­ben, das kurz nach der Pen­sio­nie­rung auf den Kopf ge­stellt wur­de. So wie Chris­ti­na Wa­gner (74) und Ire­ne Flasch­ka (69) hat auch sie ei­ne schwe­re Herz­er­kran­kung er­lit­ten und sich da­nach an die Selbst­hil­fe­grup­pe ge­wandt. Jetzt kämp­fen die drei ge­mein­sam ge­gen ih­ren er­höh­ten Blut­druck an, um Schlim­me­res zu ver­hin­dern. Denn dau­er­haf­ter Blut­hoch­druck kann zu Schä­di­gun­gen des Herz-Kreis­lauf-Sys­tems füh­ren.

Wie ha­ben Sie be­merkt, dass Sie Blut­hoch­druck ha­ben?

Ire­ne Flasch­ka: Mei­ne Mut­ter, mein Va­ter und der Bru­der hat­ten schon Blut­hoch­druck. Mit 40 Jah­ren ist er auch bei mir schlei­chend ge­kom­men. Ich hat­te häu­fig Kopf­weh und bin oft un­ru­hig und krib­be­lig ge­wor­den. Aber ich brach­te das nicht mit dem Blut­druck in Zu­sam­men­hang. Erst als ein Feh­ler beim Herz ent­deckt wur­de und ich ope­riert wer­den muss­te, stell­te man auch den Hoch­druck fest. Ich wur­de me­di­ka­men­tös ein­ge­stellt.

Chris­ti­ne Wa­gner: Ich ha­be mit 48 Jah­ren Atem­not be­kom­men. Dann hat man fest­ge­stellt, dass ich Blut­hoch­druck ha­be. Das liegt bei mir si­cher­lich auch an der fa­mi­liä­ren Vor­be­las­tung.

Ve­ro­ni­ka Bau­er: Ich bin mit mei­nem Blut­druck im­mer nur am ho­hen Rand. Trotz­dem neh­me ich leich­te Pul­ver zum Schutz der Nie­ren. Auch, weil ich Dia­be­ti­ke­rin bin.

Ha­ben Sie an Ih­rem Le­bens­stil et­was ver­än­dert?

Flasch­ka: Ich ha­be mich zwar im­mer ge­sund er­nährt aber al­lei­ne rafft man sich kaum zum Sport auf. Des­we­gen bin ich dem Herz­ver­band, hier kann man in der Ge­mein­schaft tur­nen und wan­dern.

Bau­er: Ich ha­be re­la­tiv un­ge­sund ge­lebt und da­her be­stan­den bei mir al­le Ri­si­ko­fak­to­ren, die es so gibt. Ich muss­te mei­ne Er­näh­rung um­stel­len, da­bei war ich ein rich­ti­ger Fleisch­ti­ger, und ich hör­te zu rau­chen auf. Ich war ein Couch­po­ta­to, doch beim Herz­ver­band kann man mit­hil­fe an­de­rer Men­schen den in­ne­ren Schwei­ne­hund leich­ter über­win­den. Jah­re­lan­ge Ge­wohn­hei­ten ab­zu­le­gen ist schwie­rig. In der Re­gel ge­he ich zu­min­dest ein­mal in der Wo­che tur­nen und dar­über hin­aus auch wan­dern.

Wa­gner: Zu­erst ha­be ich mei­ne Me­di­ka­men­te ge­nom­men und brav ge­mes­sen. Aber ich hör­te nicht mit dem Rau­chen auf und ha­be mich nicht wirk­lich an die Emp­feh­lun­gen ge­hal­ten. Bis ich dann ei­ne By­pass-Ope­ra­ti­on be­nö­tig­te. Dann hör­te ich zu rau­chen auf und fing an, mich für Be­we­gung zu in­ter­es­sie­ren. Nach der Re­ha woll­te ich Sport ma­chen, der mir an­ge­passt ist. Denn wenn man vor­her faul war, kann man nicht so­fort Häu­ser um­rei­ßen. Seit­her tur­ne ich re­gel­mä­ßig beim Herz­ver­band. Hier fin­det

„Ich ha­be mit 48 Jah­ren Atem­not be­kom­men. Dann hat man fest­ge­stellt, dass ich Blut­hoch­druck ha­be. Das liegt bei mir si­cher­lich auch an der fa­mi­liä­ren Vor­be­las­tung.“Chris­ti­ne Wa­gner

man An­ge­bo­te, die den ei­ge­nen kör­per­li­chen Fä­hig­kei­ten ent­spre­chen.

Kann man durch viel Be­we­gung die Me­di­ka­men­ten­do­sis sen­ken?

Flasch­ka: Be­we­gung senkt den Blut­druck. Aber ich bin da­von über­zeugt, dass der Blut­druck auch von der Psy­che ab­hän­gig ist. Ich re­agier so­fort auf ge­wis­se Si­tua­tio­nen. Wenn ich mich auf­re­ge, geht der Druck in die Hö­he.

Ha­ben Sie Be­schwer­den, wenn der Blut­druck hö­her ist?

Wa­gner: Ich ha­be kei­ne Be­schwer­den. Ich be­mer­ke es nur beim Mes­sen. Flasch­ka: Ich schon. Ich wer­de in­ner­lich ko­misch un­ru­hig.

Ab­ge­se­hen von der Mo­ti­va­ti­on zur sport­li­chen Be­tä­ti­gung, was bringt die Selbst­hil­fe­grup­pe noch?

Bau­er: Für mich per­sön­lich ist sie sehr wert­voll. Kurz nach­dem ich in Pen­si­on ge­gan­gen bin, hat­te ich ei­nen Herz­in­farkt. Da­nach bin ich in ei­ne Lee­re ge­fal­len. Man steht da und weiß nicht so recht, wie man da­mit um­ge­hen soll. Im Herz­ver­band wur­de ich so­zi­al auf­ge­fan­gen. Hier wird viel Wert auf Ge­sel­lig­keit ge­legt: Ein­mal im Mo­nat wird ein Club­nach­mit­tag ver­an­stal­tet. Manch­mal nur, um zu plau­dern. Oft fin­den auch in­ter­es­san­te Arzt­vor­trä­ge zum The­ma Herz statt. So kann man sich fort­bil­den und Fra­gen al­ler Art stel­len.

Ha­ben Sie beim Blut­druck un­ter­schied­li­che Ziel­wer­te, die Sie ger­ne er­rei­chen wür­den?

Flasch­ka: Ja. Der Ide­al­wert ist für mich bei­spiels­wei­se gar nicht zu er­rei­chen. Ich weiß das und ich le­be da­mit. Bei ei­nem Wert von 150/90 mmHg bin ich schon zu­frie­den.

Wie oft mes­sen Sie?

Wa­gner: Ich mes­se zwei Mal am Tag, in der Früh und am Abend. Ich den­ke, das ist nor­mal. Aber auch das sind nur Mo­ment­auf­nah­men, der Blut­druck kann un­un­ter­bro­chen schwan­ken.

Bau­er: Man soll­te sich zehn Mi­nu­ten hin­set­zen vor dem Mes­sen und zur Ru­he kom­men. An­sons­ten be­kommt man mög­li­cher­wei­se absurde Wer­te.

Sind die Men­schen im Ge­ne­rel­len ge­nü­gend über die Ge­fah­ren durch Blut­hoch­druck auf­ge­klärt?

Bau­er: Ich den­ke, Blut­hoch­druck ist im­mer noch ei­ne un­sicht­ba­re Krank­heit Bis man selbst die Aus­wir­kun­gen spürt und sich in­for­miert. Wer geht schon Blut­druck mes­sen? Da­bei wä­re das so wich­tig. Das kann man üb­ri­gens auch in der Apo­the­ke ma­chen las­sen.

Flasch­ka: Er­kennt man ein po­ten­zi­el­les Ri­si­ko früh ge­nug, kann man ei­ne schlim­me­re Er­kran­kung viel­leicht noch auf­hal­ten.

„Ich den­ke, Blut­hoch­druck ist im­mer noch ei­ne un­sicht­ba­re Krank­heit. Bis man selbst die Aus­wir­kun­gen spürt und sich in­for­miert. Wer geht schon Blut­druck mes­sen? “Ve­ro­ni­ka Bau­er „Be­we­gung senkt den Blut­druck. Aber ich bin da­von über­zeugt, dass der Blut­druck auch von der Psy­che ab­hän­gig ist.“Ire­ne Flasch­ka

Von links nach rechts: Chris­ti­ne Wa­gner (74), Ve­ro­ni­ka Bau­er (65), Ire­ne Flasch­ka (69)

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