Wie Ze­ment auf der Brust

An­gi­na Pec­to­ris. Nicht im­mer ist man des­we­gen in aku­ter Ge­fahr. Bleibt sie stabil, kann man mit ihr gut le­ben. Zu be­ach­ten sind vor al­lem die un­ter­schied­li­chen Ver­laufs­mög­lich­kei­ten.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -SE­BAS­TI­AN MÜL­LER

War­um An­gi­na Pec­to­ris oft un­ter­schätzt wird

Ein un­an­ge­neh­mes Zie­hen, ein plötz­li­ches Ste­chen, ein un­ge­wöhn­li­ches Krampf­ge­fühl: Schmer­zen in der Brust kön­nen un­ter­schied­li­che Ursachen ha­ben. Nicht im­mer muss sol­chen Be­schwer­den ei­ne Herz­er­kran­kung zu­grun­de lie­gen. Den­noch soll­ten die Sym­pto­me von ei­nem Arzt un­ter­sucht wer­den. Denn oft ge­nug lei­det man an ei­ner un­be­han­del­ten An­gi­na Pec­to­ris, schreibt die Be­schwer­den aber fälsch­lich an­de­ren Ursachen zu. Die klas­si­sche An­gi­na Pec­to­ris ent­wi­ckelt sich meist im Rah­men ei­ner ko­ro­na­ren Herz­er­kran­kung. Das be­deu­tet, dass sich durch Abla­ge­run­gen in den Herz­kranz­ge­fä­ßen die­se mit der Zeit so weit ver­en­gen kön­nen, dass ab ei­ner be­stimm­ten kör­per­li­chen Be­las­tung kei­ne aus­rei­chen­de Blut­ver­sor­gung des Herzmuskels mehr ge­ge­ben ist. „Wenn ein Herz­kranz­ge­fäß be­reits si­gni­fi­kant, al­so zu über 70 Pro­zent, ein­ge­engt ist, kann es den Herz­mus­kel im Ru­he­zu­stand trotz­dem noch mit ge­nug Blut ver­sor­gen“, er­klärt Man­fred Ze­het­gru­ber, Kar­dio­lo­ge und Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor in Wi­en. „Aber wäh­rend kör­per­li­cher Be­las­tung, bei der der Blut­fluss in der Re­gel um das Drei­fa­che an­steigt, ist bei ei­ner deut­li­chen Ve­ren­gung kei­ne aus­rei­chen­de Ver­sor­gung mehr mög­lich.“Wich­tig ist für den be­han­deln­den Arzt, In­for­ma­tio­nen über wei­te­re Be­schwer­den oder mög­li­che Vo­r­er­kran­kun­gen des Pa­ti­en­ten zu er­hal­ten, um den tat­säch­li­chen Grund für die Brust­schmer­zen fest­stel­len zu kön­nen. „Die ty­pi­schen Be­schwer­den sind et­wa ein Zie­hen, ein Ste­chen oder Druck­ge­fühl, meist in der lin­ken Brust­hälf­te ver­or­tet, das in die lin­ke Schul­ter, den Arm oder den Un­ter­kie­fer aus­strah­len kann.“Oft tre­ten die­se Schmer­zen in Ver­bin­dung mit Atem­not auf, vor al­lem ent­ste­hen sie aber un­ter kör­per­li­cher Be­las­tung und in Stress­si­tua­tio­nen. Als Laie mag man bei die­ser Sym­pto­ma­tik zu­nächst fälsch­li­cher­wei­se an ei­nen Herz­in­farkt den­ken. Die Sym­pto­me ei­ner An­gi­na Pec­to­ris sind aber nicht so mas­siv und klin­gen nach ei­ni­gen Mi­nu­ten Ru­he wie­der ab. Die Ge­fahr die­ser Er­kran­kung be­steht in ih­ren un­ter­schied­li­chen Ver­laufs­mög­lich­kei­ten. „Bei ei­ner sta­bi­len An­gi­na Pec­to­ris be­steht zwar ei­ne Ve­ren­gung in ei­nem Herz­kranz­ge­fäß. Die Plaques, die es ver­en­gen, wach­sen je­doch sehr lang­sam und sind sehr stabil. Ein Herz­in­farkt ist in die­sem Fall recht sel­ten“, so Ze­het­gru­ber. Die Dia­gno­se ei­ner sta­bi­len An­gi­na Pec­to­ris be­deu­tet al­so, dass das Herz in Be­las­tungs­si­tua­tio­nen nicht mehr die vol­le Leis­tung ab­ru­fen kann. Die Be­schwer­den von An­gi­na-Pec­to­risPa­ti­en­ten kön­nen mit der Zeit auch ge­rin­ger wer­den. Kon­se­quen­tes Trai­ning et­wa kann sich nach­weis­lich po­si­tiv auf die Be­last­bar­keit des Her­zens aus­wir­ken. „Ei­ner in­sta­bi­len An­gi­na Pec­to­ris wie­der­um lie­gen re­la­tiv fri­sche, oft un­schein­ba­re Plaques zu­grun­de, die leich­ter ein­rei­ßen kön­nen.“Sie be­ste­hen aus Abla­ge­run­gen von Cho­le­ste­rin und Zel­len, die ei­nen Ent­zün­dungs­pro­zess an der In­nen­wand des Blut­ge­fä­ßes her­vor­ru­fen. Durch ei­nen Mi­kro­riss im wei­chen Plaque wird das Ge­r­in­nungs­sys­tem des Blu­tes ak­ti­viert und es ent­steht ein Blut­pfrop­fen, der das Ge­fäß ver­schlie­ßen und ei­nen Herz­in­farkt her­vor­ru­fen kann.

„Die ty­pi­schen Be­schwer­den sind et­wa ein Zie­hen, ein Ste­chen oder Druck­ge­fühl, meist in der lin­ken Brust­hälf­te ver­or­tet, das aus­strah­len kann.“Man­fred Ze­het­gru­ber, Kar­dio­lo­ge und Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor in Wi­en

Kon­se­quen­te Be­we­gung hilft An­gi­na Pec­to­ris-Pa­ti­en­ten

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