So funk­tio­niert das Herz

Das Herz als Wun­der­werk der Evo­lu­ti­on: Nur faust­groß, hat es die Pump­kraft, den Kör­per mit le­bens­not­wen­di­gen Nähr­stof­fen und Sau­er­stoff zu ver­sor­gen.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

DieHoch­leis­tungs­pum­pe in un­se­rem Kör­per

Oh­ne Pau­se und mit je­dem Schlag presst der Herz mus­kel das Blut durch die un­zäh­li­gen Ar­te­ri­en – im Schnitt fünf Li­ter pro Mi­nu­te, das sind rund 200 Mil­lio­nen in ei­nem Men­schen­le­ben. Der Kreis­lauf be­ginnt mit derEntsp an nungsp ha­se des Herz mus­kelsz wi­schen­den Schlä­gen, in der das Blut aus den Vor­hö­fen in die Herz­kam­mern fließt. Beim gro­ßen Kreis­lauf pumpt die lin­ke Herz kam­mer sau­er­stoff­rei­ches Blut in die di­cke Aor­ta, über die es in je­de noch so klei­ne Ader von Kopf bis Fuß wei­ter­ge­lei­tet wird. Das ver­brauch­te Blut ge­langt wie­der­um über die Ve­nen zu­rück in die rech­te Herz­kam­mer. Der klei­ne Kreis­lauf be­ginnt: Über die Lun­gen­ar­te­rie wird das Blut in die Lun­ge ge­pumpt. Dort nimmt es Sau­er­stoff auf und gibt Koh­len­di­oxid ab, wel­ches aus­ge­at­met wird. Mit dem nächs­ten Herz­schlag be­ginnt der Ablauf von neu­em. Wenn das Herz nicht mehr ein­wand­frei funk­tio­niert, ist der oder die Be­trof­fe­ne höchst ge­fähr­det. Her­zK­reis­lauf-Er­kran­kun­gen stel­len mit jähr­lich rund 17 Mil­lio­nen Fäl­len welt­weit die häu­figs­te To­des ur­sa­che dar, ins­be­son­de­re im hö­he­ren Al­ter. Dar­un­ter fal­len An­gi­na Pec­to­ris, Herz­in­farkt, Schlag­an­fall, Herz­in­suf­fi­zi­enz und Blut hoch­druck. Die­se Krank­heits­bild er, be­son­ders der Herz­in­farkt, sind kei­nes­falls ei­ne aus­schließ­li­che Män­ner an­ge­le­gen­heit– so­wie lan­ge Zeit fälsch­li­cher­wei­se an­ge­nom­men. Bis zu­rMe­no pau­se sind Frau­en zwar durch die weib­li­chen Ge­schlechts hor­mo­ne( Östro­ge­ne) ge­schützt und er­kran­ken des­we­gen deut­lich sel­te­ner an ei­nem In­farkt. Sta­tis­ti­ken zei­gen aber, dass sie da­nach so­gar häu­fi­ger be­trof­fen sind. Un­ter­schie­de exis­tie­ren auch bei den Sym­pto­men: Ne­ben den klas­si­schen Er­ken­nungs­zei­chen wie Schmer­zen im Brus­t­raum, macht sich ein Herz­in­farkt bei Frau­en häu­fi­ger mit so ge­nann­ten un­spe­zi­fi­schen Sym­pto­men be­merk­bar. Er kün­digt sich eher durch star­ke Kurz­at­mig­keit, Übel­keit und Er­bre­chen an, und ar­tet aus in Schmer­zen im Bauch und im Rü­cken.

HAUPT­UR­SA­CHEN. Als die Haupt­ur­sa­che der Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen gilt die Ar­te­rio­skle­ro­se: Die Ar­te­ri­en­wand ver­liert an Elas­ti­zi­tät und die Ge­fä­ße ver­en­gen sich durch Fett- und Kalk­ab­la­ge­run­gen. Im schlimms­ten Fall ver­stopft ei­ne Ar­te­rie und die Zel­len kön­nen nicht mehr aus­rei­chend ver­sorgt wer­den. Sind da­von bei­spiels­wei­se die fei­nen Herz­kranz­ge­fä­ße be­trof­fen, die den Herz­mus­kel mit Blut ver­sor­gen, kommt es zum In­farkt. Blut­hoch­druck wie­der­um be­güns­tigt die Ent­ste­hung sol­cher Ge­fäß­ver­en­gun­gen, weil er die Ar­te­ri­en­wän­de dau­er­haft und über­mä­ßig be­an­sprucht. Laut Welt­ge­sund­heits-

or­ga­ni­sa­ti­on WHO ist Hy­per­to­nie so­gar der be­deu­tends­te kar­dio­vas­ku­lä­re Ri­si­ko­fak­tor und kann so­mit als Volks­krank­heit be­zeich­net wer­den. Der ho­he Druck ent­wi­ckelt sich schlei­chend und bleibt häu­fig über­lan­ge Zeit hin­weg sym­ptom­los. Me­di­zi­ner emp­feh­len da­her, ab dem 40. Le­bens­jahr re­gel­mä­ßig zu mes­sen. Der op­ti­ma­le Wert liegt bei 120/80 mmHg (Kurz­be­zeich­nung für die Maß­ein­heit Mil­li­me­ter Qu­eck­sil­ber­säu­le). Der hö­he­re sys­to­li­sche Wert be­zeich­net den Druck, der ent­steht, wenn das Herz Blut in die Ar­te­ri­en pumpt. Der nied­ri­ge­re di­as­to­li­sche Druck ent­steht, wenn es er­schlafft. In Ös­ter­reich star­ben laut Sta­tis­tik Aus­tria im Jahr 2014 ins­ge­samt 33.137 Men­schen an Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen, das sind 42 Pro­zent al­ler Ster­be­fäl­le. Trotz Fort­schrit­te in der Hoch­leis­tungs­me­di­zin bleibt die Zahl der To­des­fäl­le wei­ter­hin hoch. „Pro­zen­tu­ell er­le­ben mehr Leu­te ei­ne sol­che Er­kran­kung wie den Herz­in­farkt, weil sie im­mer äl­ter wer­den. Die Men­schen le­ben im Schnitt um zehn Jah­re län­ger als noch vor 70 Jah­ren. Da­her bleibt die Zahl trotz po­si­ti­ver Ent­wick­lun­gen hoch. Ab­so­lut ver­meid­ba­re Din­ge wä­ren das Rau­chen und der Al­ters­dia­be­tes, da gibt es noch ei­ni­ges zu tun“, so Franz Xa­ver Roi­t­hin­ger, Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Kar­dio­lo­gi­schen

Ge­sell­schaft. Durch den per­sön­li­chen Le­bens­stil be­ein­flusst je­der Mensch die ei­ge­ne Herz­ge­sund­heit auch selbst. Denn Rau­chen, Dia­be­tes, ho­he Blut­fett­wer­te, Über­ge­wicht, Über­be­las­tung und Stress sind ne­ben ge­ne­ti­scher Vor­be­las­tung die aus­schlag­ge­ben­den Ri­si­ko­fak­to­ren für Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen. Kör­per­li­che Ak­ti­vi­tät, aus­ge­wo­ge­ne Er­näh­rung und Stress­re­duk­ti­on – das al­les lässt das Or­gan zu­ver­läs­si­ger ar­bei­ten und wirkt sich auch po­si­tiv auf das ge­sam­te Kreis­lauf­sys­tem aus. Stu­di­en er­ga­ben, dass re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung ge­wis­se, be­reits vor­han­de­ne Schä­den so­gar rück­gän­gig ma­chen kann.

MO­DER­NE ME­DI­ZIN. Mo­der­ne Me­di­zin ist den­noch zwei­fels­oh­ne un­ver­zicht­bar. Er­kennt­nis­se in der For­schung er­mög­li­chen ei­ne im­mer bes­se­re Be­hand­lung: So gibt es neue blut­ver­dün­nen­de Me­di­ka­men­te, die we­sent­lich bes­se­re Er­geb­nis­se brin­gen. Neue blut­fett­sen­ken­de Me­di­ka­men­te, die sich zur­zeit im Sta­tus der Zu­las­sung be­fin­den, gel­ten un­ter Ex­per­ten als sehr viel­ver­spre­chend. Der tech­ni­sche Fort­schritt hilft in der Ge­räte­the­ra­pie: Mit­tels Tele­me­di­zin bei­spiels­wei­se, lässt sich ein Pa­ti­ent mit Schritt­ma­cher mitt­ler­wei­le aus der Ent­fer­nung so über­wa­chen, dass je­der­zeit ei­ne Fehl­funk­ti­on ent­deckt wer­den kann. „Wenn der Pa­ti­ent nur ei­ne Kon­trol­le im Jahr hät­te, wür­de ei­ne Rhyth­mus­stö­rung oder Ge­rä­te­fehl­funk­ti­on viel­leicht nicht ent­deckt wer­den. Tele­me­di­zin kann Le­ben ret­ten. Die Kar­dio­lo­gi­sche Ge­sell­schaft sieht es da­her als Auf­trag, die Kos­ten­trä­ger da­von zu über­zeu­gen, dass dies flä­chen­de­ckend um­ge­setzt wer­den soll­te“, so Franz Xa­ver Roi­t­hin­ger. Auch im Be­reich der Herz-Ka­the­terBe­hand­lung gibt es neue, in­no­va­ti­ve An­wen­dun­gen. Mitt­ler­wei­le be­steht so­gar die Mög­lich­keit, Herz­klap­pen über Ge­fä­ße ein­set­zen zu kön­nen. Die­se Me­tho­de kommt vor al­lem bei äl­te­ren Pa­ti­en­ten zum Ein­satz, die bis­her nicht oder nur mit ho­hem Ri­si­ko ope­riert wer­den konn­ten.

Re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung wirkt sich po­si­tiv auf das ge­sam­te Kreis­lauf­sys­tem aus

Plötz­li­che, star­ke, bren­nen­de oder drü­cken­de Brust­schmer­zen zäh­len zu den ers­ten An­zei­chen ei­nes Herz­in­farkts

„Pro­zen­tu­ell er­le­ben mehr Leu­te ei­ne sol­che Er­kran­kung wie den Herz­in­farkt, weil sie im­mer äl­ter wer­den.“Franz Xa­ver Roi­t­hin­ger, Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Kar­dio­lo­gi­schen Ge­sell­schaft

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.