Wenn uns das Herz im Stich läßt

Fa­ta­le Fol­gen. Ein Herz­in­farkt kann gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen ha­ben. Ei­ne er­folg­rei­che Be­hand­lung ist ein Wett­lauf ge­gen die Zeit.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -SE­BAS­TI­AN MÜL­LER

Herz­in­farkt - die Atta­cke aus dem Nichts

Es ist das wich­tigs­te Or­gan un­se­res Kör­pers: das Herz. Sein ste­ter rhyth­mi­scher Schlag ver­sorgt den Kör­per mit Blut und Sau­er­stoff. Wenn es ein­mal plötz­lich nicht mehr kann, ist man in Le­bens­ge­fahr. Ein Herz­in­farkt kann ei­nen Men­schen schlag­ar­tig er­ei­len. Die klas­si­schen Ri­si­ko­fak­to­ren, die ei­nem Herz­in­farkt vor­an­ge­hen kön­nen, et­wa Blut­hoch­druck, Über­ge­wicht, Dia­be­tes oder ho­he Blut­fett­wer­te, sind zwar all­ge­mein be­kannt. Das Wis­sen über ei­ne sol­che Vor­be­las­tung macht ei­nen In­farkt aber nur be­dingt vor­her­seh­bar .„ Bei Pa­ti­en­ten mit vor be­ste­hen­der Herz kranz ge­fäß­er­kran­kung sind es häu­fig die klas­si­schen Aus­lö­ser wie kör­per­li­che Über­be­las­tung,ex­tre­me Stress­si­tua­tio­nen oder ein ra­scher Wech­sel der Hö­hen­la­ge, die den Be­ginn des Herz­in­farkts mar­kie­ren“, sagt da­zu Ger­hard Pölzl, Ober­arzt und Uni­ver­si­täts­do­zent an der Uni­ver­si­täts­kli­nik für In­ne­re Me­di­zin in Inns­bruck. „Bei an­de­ren je­doch pas­siert es aus hei­te­rem Him­mel: oh­ne An­stren­gung, häu­fig in der Nacht oder in den frü­hen Mor­gen­stun­den. Die klas­si­schen Aus­lö­se­fak­to­ren sind al­so nicht bei je­dem Pa­ti­en­ten für den In­farkt ver­ant­wort­lich.“

Auch die Sym­pto­me ei­nes Herz­in­farkts sind nicht im­mer ein­deu­tig. Ne­ben dem in vie­len Fäl­len auf­tre­ten­den Druck- und En­ge­ge­fühl im Brust­korb so­wie den in die lin­ke Schul­ter, den Ober­bauch oder die Kie­fer­re­gi­on aus­strah­len­den Schmer­zen, kann sich ein In­farkt auch in un­ty­pi­schen Be­schwer­den äu­ßern. „Vor al­lem bei äl­te­ren Men­schen oder Frau­en kön­nen Übel­keit, Er­bre­chen, Schweiß­aus­bruch oder Un­ru­he als Sym­pto­me auf­tre­ten. Oft schreibt man die­se Be­schwer­den ei­ner Er­kran­kung des Ma­gen-Darm-Trak­tes zu“, so Pölzl. Weiß man da­her bei ei­ner Per­son, dass be­stimm­te Ri­si­ko­fak­to­ren vor­han­den sind oder be­reits ei­ne Herz­ge­fäß­er­kran­kung be­steht, soll­te man auch bei un­spe­zi­fi­schen Be­schwer­den so schnell wie mög­lich den Not­arzt ver­stän­di­gen.

SCHNEL­LE BE­HAND­LUNG. Be­stä­tigt sich der Ver­dacht, muss der Be­trof­fe­ne un­ver­züg­lich erst­ver­sorgt und in ein kar­dio­lo­gi­sches Zen­trum ge­bracht wer­den. Bei et­wa 50 Pro­zent der Pa­ti­en­ten­fin­det sich kei­ne re­le­van­te Ve­ren­gung ei­nes Herz­kranz­ge­fä­ße s als Ur­sa­che­fü rei­nen ab­rup­ten Ge­fäß ver­schluss. In die­sen Fäl­len kommt es zum spon­ta­nen Riss ei­ner Abla­ge­rung in der In­nen­aus­klei­dung der Herz­kranz­ge­fä­ße. Da­durch tritt das Blut in Kon­takt mit dem dar­un­ter lie­gen­den Ge­we­be und das Ge­r­in­nungs­sys­tem wird ak­ti­viert. So ent­ste­hen Blut­pfrop­fen, die schließ­lich das Ge­fäß ver­stop­fen. Die aku­te Ge­fahr: Der Ver­schluss un­ter­bricht die Sau­er­stoff ver­sor­gung des Herzmuskels und das un­ver­sorg­te Mus­kel­ge­we­be be­ginnt ab­zu­ster­ben. „Je zen­tra­ler die­ser Ver­schluss ist, um­so dra­ma­ti­scher und grö­ßer ist der In­farkt. Und je län­ger das Ge­fäß ver­stopft ist, um­so ge­rin­ger ist die Wahr­schein­lich­keit, dass sich der be­trof­fe­ne Mus­kel an­teil da­nach wie­der er­holt “, warn­tPölzl. Kann der Ver­schluss nicht me­di­ka­men­tös be­sei­tigt wer­den, muss durch ei­ne Herz ka­the­te r un­ter­su­chung der Ge­fäß­ver­schluss lo­ka­li­siert wer­den. In wei­te­rer Fol­ge kann das Blut­ge­rinn­sel ab­ge­saugt oder das Ge­fäß durch ei­nen klei­nen Bal­lon ge­dehnt und durch ei­nen Stent – ein klei­nes Me­tall­git­ter, das an die Ge­fäß­in­nen­wand ge­presst wird–ge­stützt wer­den. All das muss in­ner­halb kür­zes­ter Zeit pas­sie­ren, um den Ver­lust des Herz mus­kel ge­we­bes mög­lichst ge­ring zu hal­ten. „Wenn das Ge­fäß früh­zei­tig wie­der ge­öff­net wird, bil­det sich vor al­lem an den Rand­zo­nen des In­farkts die Sau­er­stoff un­ter ver­sor­gung wie­der zu­rück und die Funk­ti­on er­holt sich wie­der zum Teil“, so Pölzl. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt der Be­hand­lung be­steht dar­in, mit­tels Me­di­ka­men­ten die aku­te hor­mon­be­ding­te Stress­re­ak­ti­on des Her­zens zu min­dern so­wie die Um­bau­vor­gän­ge im Herz­mus­kel­ge­we­be nach ei­nem In­farkt zu dros­seln. „Im bes­ten Fall er­holt sich das be­trof­fe­ne Are­al zur Gän­ze. Im schlech­tes­ten Fall bil­det sich in der ab­ge­stor­be­nen Mus­kel­re­gi­on ei­ne rie­si­ge Nar­be. Die gan­ze lin­ke Herz­kam­mer formt sich um, wird im­mer grö­ßer und in ih­rer Pump­funk­ti­on im­mer schlech­ter.“Als Fol­ge, sagt Ger­hard Pölzl, kön­ne ei­ne Herz­pump­schwä­che – auch Herz­in­suf­fi­zi­enz ge­nannt – ent­ste­hen.

FAK­TOR GE­NE­TIK. Dass die­ses Krank­heits­bild in den letz­ten Jah­ren im­mer häu­fi­ger in Er­schei­nung tritt, hat so­wohl mit der Zu­nah­me der Ri­si­ko­fak­to­ren ei­nes In­farkts, als auch mit dem me­di­zi­ni­schen Fort­schritt zu tun, der den Men­schen nicht nur ein län­ge­res Le­ben er­mög­licht, son­dern auch die Über­le­bens­chan­cen bei ei­nem Herz­in­farkt er­höht. Selbst ein frü­her schwer ein­schätz­ba­rer Fak­tor für ein In­farkt­ri­si­ko ge­winnt durch die For­schung im­mer mehr an Be­deu­tung: das ge­ne­ti­sche Erb­gut. Pölzl: „Es gibt sehr vie­le Pa­ti­en­ten, bei de­nen ei­ne ge­ne­ti­sche Vor­aus­set­zung für die Ent­wick­lung ei­nes Herz­in­farkts ge­ge­ben ist. Wenn je­mand ge­ne­tisch vor­be­las­tet ist, ha­ben Rau­chen oder er­höh­te Blut­fet­te ei­ne we­sent­lich an­de­re Be­deu­tung als bei un­be­las­te­ten Pa­ti­en­ten.“Ei­ne wich­ti­ge Maß­nah­me zur Vor­beu­gung ei­nes In­farkts ist da­her, et­wai­ge Vor­be­las­tun­gen oder Er­kran­kun­gen zu dia­gnos­ti­zie­ren, be­ste­hen­de Ri­si­ken zu mi­ni­mie­ren und je­des wei­te­re zu ver­mei­den. Auch ein ge­sun­der Le­bens­stil und re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung kön­nen sich po­si­tiv auf die klas­si­schen Ri­si­ko­fak­to­ren aus­wir­ken. Vor­sor­ge und Prä­ven­ti­on soll­te man sich al­so – buch­stäb­lich – zu Her­zen neh­men. Denn, so gibt Pölzl zu be­den­ken :„ Die Wahr­schein­lich­keit, nach ei­nem ers­ten ei­nen zwei­ten Herz­in­farkt zu er­lei­den, ist hö­her als die Wahr­schein­lich­keit ei­nes Erst in­farkts.“

„Bei man­chen pas­siert ein Herz­in­farkt aus hei­te­rem Him­mel: oh­ne An­stren­gung, in der Nacht oder mor­gens.“Ger­hard Pölzl, Ober­arzt Uni­k­li­nik Inns­bruck

Re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung und ein ge­sun­der Le­bens­stil wir­ken sich po­si­tiv aus und sen­ken das Ri­si­ko

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