104 Mit neu­em Herz zum Iron­man

Triathlon. El­mar Sprink (44) zeigt, wo­zu ein Kör­per trotz Herz­trans­plan­ta­ti­on noch fä­hig sein kann. Er nimmt an Tri­ath­lons teil und be­treibt von Rad­fah­ren bis Lau­fen zahl­rei­che Aus­dau­er­sport­ar­ten. Sie hel­fen ihm beim Le­ben mit ei­nem frem­den Herz.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Wie Tri­ath­let El­mar Sprink mit Spen­der­herz Sport be­treibt

El­mar Sprink war im­mer sport­lich, hat sich ge­sund er­nährt und nicht ge­raucht – den­noch ver­sag­te sein Herz. Vor vier Jah­ren be­kam er ein neu­es trans­plan­tiert. Mit die­sem Herz ist der Köl­ner be­reits drei Mal durchs Ziel des welt­weit här­tes­ten Tri­ath­lons ge­lau­fen. Es war der 12. Ju­li 2010, als ihn sei­ne Frau be­wusst­los auf dem So­fa vor­fand. Der Nach­bar, ein Arzt, der zu­fäl­lig zu Hau­se war, re­ani­mier­te El­mar Sprink. Ei­ne Wo­che zu­vor hat­te der da­mals 39-Jäh­ri­ge schon den Iron­man in Kla­gen­furt we­gen Atem­be­schwer­den ab­ge­bro­chen. „So wie im­mer vor ei­nem Ren­nen, hat­te ich mich noch von ei­nem Kar­dio­lo­gen un­ter­su­chen las­sen. Da wur­de mir ge­sagt, ich ha­be Be­las­tungs­asth­ma. Aber mit dem Herz war al­les in Ord­nung“, er­in­nert sich der Be­triebs­wirt. Die Ärz­te ver­mu­te­ten ei­ne Herz mus­kel ent­zün­dung, doch be­stä­ti­gen konn­te die Ur­sa­che bis heu­te nie­mand. Im Ch arité,d er Uni­ver­si­täts kli­nik in Ber­lin, wur­de ihm ein De­fi­bril­la­tor ein­ge­baut. Dann kehr­te ein we­nig Ru­he ein, Sprink ging so­gar wie­der ar­bei­ten. Das ging gut, aber nur für kur­ze Zeit: Im Jän­ner 2011 litt er un­ter Herz­rhyth­mus­stö­run­gen, die Pump­funk­ti­on wur­de im­mer schlech­ter. In der Kli­nik sag­te man ihm im April: „Sie brau­chen ein Spen­der­herz.“

VERSCHLECHTERUNG.

Sprink woll­te sich beim Transpl an­tat ions zen­trum an­mel­den. „Da konn­te ich die Längs­sei­te des Sta­di­ons in Köln schon nicht mehr ge­hen“, so der Fuß­ball­fan. Für ei­ne Or­gan trans­plan­ta­ti­on war er je­doch noch zu ge­sund, ei­ne Ver­bes­se­rung war aber auch nicht in Sicht. „Da fragt man sich schon: Soll ich mir jetzt wün­schen, dass es schlech­ter wird? Denn das, so war mir be­wusst, wä­re die ein­zi­ge Lö­sung zu ei­nem an­de­ren Le­ben.“An ein nor­ma­les Le­ben war zu die­sem Zeit­punkt nicht mehr zu den­ken: Er konn­te kaum mehr ge­hen und nur noch im Sit­zen schla­fen. Dem Herz­kran­ken blieb nichts an­de­res üb­rig als ab­zu­war­ten. Bis auch die an­de­ren Or­ga­ne schlech­ter wur­den, die Gal­len­bla­se muss­te raus. Im De­zem­ber kam Sprink schließ­lich auf die War­te­lis­te im Trans plan tat ions­zen­trum. Als sich sein Zu­stand ra­pi­de ver­schlech­ter­te, bau­te man ihm in ei­ner No­tope­ra­ti­on ei­ne Herz­pum­pe ein und er wur­de an ei­ne Herz-Lun­gen-Ma­schi­ne( E CM O) an­ge­schlos­sen. Bis zum 9. Ju­ni, dem Tag der Trans­plan­ta­ti­on, blieb er auf der In­ten­siv­sta­ti­on an die­ser Ma­schi­ne. Dass er so lan­ge an der ECMO über­lebt hat, ist ei­gent­lich das größ­te me­di­zi­ni­sche Wun­der – viel­leicht so­gar ein noch grö­ße­res als die Ab­sol­vie­rung des Iron­man. „Wenn ich das Ärz­ten er­zäh­le, dann glau­ben die mir das kaum“, ist Sprink amü­siert.

TRANS­PLAN­TA­TI­ON.

Nach der Ope­ra­ti­on muss­te er ler­nen, wie­der al­lei­ne zu sit­zen, zu ste­hen und dann lang­sam zu ge­hen. Me­di­ka­men­te, die das Im­mun­sys­tem un­ter­drü­cken, da­mit sein Kör­per das neue Herz nicht ab­stößt, sind seit­her sein stän­di­ger Be­glei­ter. Sie er­hö­hen je­doch das Ri­si­ko ei­ner In­fek­ti­on: „Ich ver­mei­de Men­schen­mas­sen, fah­re et­wa nie mit den öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln.“Im Kran­ken­haus schrieb Sprink ei­ne Lis­te mit Din­gen, die er noch ma­chen woll­te. „Ei­nen Lat­te Mac­chia­to bei

mei­nen El­tern im Gar­ten ge­nie­ßen, mit mei­ner Frau spa­zie­ren ge­hen, mei­ne Fahr­rad­run­de noch ein­mal fah­ren. Zum Ent­set­zen mei­ner Frau kom­men heu­te noch im­mer neue Sa­chen drauf“, sagt er la­chend.

ERS­TE SCHRIT­TE.

Und der Sport­ler fing tat­säch­lich wie­der mit dem Rad­fah­ren an. Es folgt ein Snow­board­ur­laub im Stu­bai­tal. „Je mehr Sport ich mach­te, des­to bes­ser fühl­te ich mich wie­der.“Sei­nen ers­ten Wett­be­werb ab­sol­vier­te Sprink acht Mo­na­te nach der Ope­ra­ti­on: ei­nen zehn Ki­lo­me­ter lan­ger Os­ter­lauf in Pa­der­born. Da wur­den auch Me­di­en auf sei­nen Kampf­geist auf­merk­sam, seit­her fun­giert der heu­te 44-Jäh­ri­ge als Bot­schaf­ter: „Of­fen­bar hat mei­ne Ge­schich­te vie­le Leu­te da­zu be­wegt, po­si­tiv über Or­gan­spen­den zu den­ken“, freut sich Sprink. In Deutsch­land dür­fen oh­ne Zu­stim­mung des Spen­ders oder der nächs­ten Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen kei­ne Or­ga­ne ent­nom­men wer­den. Das Pro­blem da­ran: „Wenn je­mand ver­stor­ben ist, will die Fa­mi­lie in Ru­he ge­las­sen wer­den. Wenn das vor­her ge­klärt wä­re, dann müss­te nicht mehr dar­über ge­re­det wer­den. Doch wer setzt sich schon ger­ne zu Leb­zei­ten mit dem Tod aus­ein­an­der?“In Ös­ter­reich ist die Ge­set­zes­la­ge ei­ne an­de­re: Als Or­gan­spen­der kom­men prin­zi­pi­ell al­le Ver­stor­be­nen in­fra­ge, bei de­nen der ir­re­ver­si­ble Hirn­tod fest­ge­stellt wur­de, und die zu Leb­zei­ten ei­ner sol­chen Ent­nah­me nicht wi­der­spro­chen ha­ben. El­mar Sprink tas­te­te sich lang­sam an sei­nen ers­ten Triathlon her­an. Ei­ne Re­ge­ne­ra­ti­on in ei­ner der­ar­ti­gen Ge­schwin­dig­keit gab es wahr­schein­lich den­noch nir­gends auf der Welt. Ein Iron­man be­steht aus 3,86 Ki­lo­me­tern Schwim­men, 180 Ki­lo­me­tern Rad­fah­ren und ei­nem Ma­ra­thon­lauf. Den ers­ten nach der

„Je mehr Sport ich mach­te, des­to bes­ser fühl­te ich mich wie­der. Of­fen­bar hat mei­ne Ge­schich­te vie­le Leu­te da­zu be­wegt, po­si­tiv über Or­gan­spen­den zu den­ken.“ El­mar Sprink, Iron­man mit Spen­der­herz

„So wie im­mer vor ei­nem Ren­nen, hat­te ich mich noch von ei­nem Kar­dio­lo­gen un­ter­su­chen las­sen. Da wur­de mir ge­sagt, ich ha­be Be­las­tungs­asth­ma.“

Ope­ra­ti­on ab­sol­vier­te er mit 11 St­un­den 35 Mi­nu­ten – mit dem al­ten Herz war er nur sie­ben Mi­nu­ten schnel­ler. „Da­bei ma­che ich das in mei­nem Tem­po und nicht mehr un­ter ei­nem Leis­tungs­as­pekt. Wie lan­ge ich brau­che, ist zweit­ran­gig.“

LE­BENS­QUA­LI­TÄT.

Ob er der Mei­nung ist, dass der Ex­trem­sport sei­nem Kör­per gut tut? „Es kommt dar­auf an, was man vor der Er­kran­kung ge­macht hat. Wenn je­mand in der Bun­des­li­ga ge­spielt hat, wie­so soll der nicht mit neu­em Herz in der drit­ten Li­ga spie­len? Zu­ge­ge­ben, der Tag ist für den Kör­per nicht ge­sund. Aber ich ma­che das ja nicht oft und be­rei­te mich ver­nünf­tig dar­auf vor. Das Trai­ning bringt mir so viel an Le­bens­qua­li­tät und mi­ni­miert Pro­ble­me, die durch Me­di­ka­men­te auf­tre­ten kön­nen, wie ho­her Blut­druck.“Tat­säch­lich wer­den Herz­pa­ti­en­ten Schwim­men, Rad­fah­ren und Ge­hen emp­foh­len. „Da heißt na­tür­lich nicht, dass man 180 Ki­lo­me­ter lau­fen soll“, räumt Sprink ein. „Ich ma­che viel­leicht ein biss­chen zu viel Sport. Aber es gibt so vie­le Pa­ti­en­ten, die lei­der gar kei­nen Sport be­trei­ben, und das ist mit Si­cher­heit noch schlech­ter.“Selbst Stu­di­en

be­le­gen, dass der Herz­mus­kel durch re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung ge­stärkt wird. Der Sport hel­fe ihm au­ßer­dem auch, psy­chi­sche Be­las­tun­gen aus­zu­glei­chen.

LE­BENS­ER­WAR­TUNG.

Die Le­bens­er­war­tung ei­nes Spen­der herz­emp­fän­gers hängt von mög­li­chen In­fek­tio­nen und Ab­sto­ßungs­re ak­tio­nen ab. Je­der Zehn­te stirbt im ers­ten Jahr nach der Ope­ra­ti­on, zehn Jah­re da­nach le­ben noch sie­ben von zehn Be­trof­fe­nen. Ob er sich manch­mal fragt, wie­so das genau ihm pas­siert ist? „Na­tür­lich hat teich schon sol­che Ge­dan­ken. Aber so wie es jetzt läuft, ist al­les gut. Im Grun­de weiß doch nie­mand, wie lan­ge man lebt – egal ob mit oder oh­ne Trans­plan­ta­ti­on.“Mit dem Sport tut El­mar Sprink nicht nur sich selbst Gu­tes, für an­de­re ist er zu ei­nem Vor­bild ge­wor­den. Er ist so­zu­sa­gen der Ma­nu­el Neu­er oder Ro­bert Le­wan­dow­ski un­ter herz­kran­ken Kin­dern ge­wor­den, wie er selbst sagt. „Es ist schön, wenn ich et­was zu­rück­ge­ben kann.“

Je mehr Sport El­mar Sprink be­treibt, des­to woh­ler fühlt er sich mit sei­nem neu­en Herz

Mit sei­nem ei­ge­nen Herz war El­mar Sprink beim Triathlon nur um sie­ben Mi­nu­ten schnel­ler als nach der Trans­plan­ta­ti­on

De­zem­ber 1967 im Groo­te Schuur Ho­s­pi­tal in Kap­stadt: Chir­urg, Chris­tia­an Bar­nard, führ­te mit sei­nem Team die ers­te ge­lun­ge­ne Herz­trans­plan­ta­ti­on durch

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