Zu neu­er Stär­ke fin­den

Re­ha­bi­li­ta­ti­on. Nach ei­nem Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall hel­fen re­ha­bi­li­ta­ti­ve Maß­nah­men. Da­bei wer­den die Pa­ti­en­ten mit sanf­ter Be­we­gung und Er­näh­rungs­um­stel­lung fit für den All­tag ge­macht.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -THERESA GIRARDI

So wich­tig ist Re­ha­bi­li­ta­ti­on nach Herz­er­kran­kun­gen

Nach ei­nem über­stan­de­nen Not­fall und der Be­hand­lung im Spi­tal ist es nicht ge­tan. Wäh­rend nach ei­nem Herz­in­farkt ei­ne grund­le­gen­de Mo­di­fi­ka­ti­on des per­sön­li­chen Le­bens­stils im Vor­der­grund steht, wird bei der Re­ha­bi­li­ta­ti­on nach ei­nem Hirn­schlag ver­sucht, den Pa­ti­en­ten wie­der all­tags­fit zu ma­chen. Oft ist die geis­ti­ge wie kör­per­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit stark ein­ge­schränkt, ein­zel­ne Glied­ma­ßen kön­nen ge­lähmt sein, Seh- und Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten er­schwe­ren den Um­gang mit an­de­ren Men­schen und ma­chen klei­ne All­tags­hür­den zu un­über­wind­ba­ren Hin­der­nis­sen.

HERZ­IN­FARKT. Durch ei­nen Herz­in­farkt ist die kör­per­li­che Kon­di­ti­on mög­li­cher­wei­se deut­lich ein­ge­schränkt. Ein Teil des Herz­mus­kel­ge­we­bes kann ab­ge­stor­ben und ver­narbt sein. Durch scho­nen­des Auf­bau­trai­ning je­doch kann die Pump­funk­ti­on der ver­blei­ben­den Mus­ku­la­tur deut­lich ge­stärkt wer­den. Be­we­gung ver­bes­sert nicht nur die Herz­leis­tung, son­dern führt be­kannt­lich auch zu ei­ner er­höh­ten Ka­lo­ri­en­ver­bren­nung. Dies hilft nicht nur, ge­fähr­li­ches Über­ge­wicht ab­zu­bau­en, son­dern auch, den Fett­stoff­wech­sel zu ver­bes­sern. So­mit wird das Rein­farkt­ri­si­ko ver­min­dert. Ne­ben dem Sport sind nach ei­nem Herz­in­farkt Er­näh­rungs­um­stel­lung und die re­gel­mä­ßi­ge Ein­nah­me von Me­di­ka­men­ten eben­so Teil der The­ra­pie. SCHLAG­AN­FALL. Ge­ne­rell dau­ert die sta­tio­nä­re Schlag­an­fall­the­ra­pie in Ös­ter­reich 28 Tage und wird von der Pen­si­ons­bzw. So­zi­al­ver­si­che­rung über­nom­men“, er­klärt Eli­sa­beth Schä­fer, Ge­schäfts­füh­re­rin der Neu­ro­lo­gi­schen Re­ha­bi­li­ta­ti­on SMO in Bre­genz. „Da­mit ist der Pa­ti­ent aber nicht ge­ne­sen. Viel schwie­ri­ger ist oft die In­te­gra­ti­on des Be­trof­fe­nen in den All­tag. Hier­zu sind am­bu­lan­te re­ha­bi­li­ta­ti­ve Struk­tu­ren not­wen­dig, wel­che auch An­ge­hö­ri­ge und un­ter­stüt­zen­de In­stan­zen im Nah­raum des Men­schen ein­bin­den.“Mitt­ler­wei­le sind Ex­per­ten si­cher, dass sich in ei­nem be­deu­ten­den Teil des Ge­hirns, dem Hip­po­cam­pus, zeit­le­bens neue Ner­ven­zel­len bil­den. Auch Mo­na­te nach der Schä­di­gung ein­zel­ner Hirn­area­le kön­nen al­te Fä­hig­kei­ten zu­rücker­langt bzw. auf an­de­re Tei­le des Hirns über­tra­gen wer­den. Man

spricht in die­sem Zu­sam­men­hang von re­stau­ra­ti­ver Neu­ro­lo­gie. „Für die Re­ha­bi­li­ta­ti­on ge­ne­rell be­deu­tet dies ein ra­di­ka­les Um­den­ken: weg von re­pe­ti­ti­vem Üben, hin zu sinn­vol­lem, den gan­zen Men­schen her­aus­lo­cken­dem Tun“, so Schä­fer. Bei ei­nem Drit­tel al­ler Pa­ti­en­ten tritt nach ei­ni­ger Zeit ei­ne spon­ta­ne Bes­se­rung ein und das Hirn er­holt sich wie­der. Laut Ös­ter­rei­chi­scher Schlag­an­fall Ge­sell­schaft blei­ben je­doch 55 Pro­zent der Be­trof­fe­nen in der ei­nen oder an­de­ren Form be­ein­träch­tigt und müs­sen ler­nen, mit Ein­schrän­kun­gen um­zu­ge­hen.

RE­HA IST TEAM­AR­BEIT. Ärz­te, Trai­ner, Pfle­ge­per­so­nal, An­ge­hö­ri­ge und na­tür­lich der Pa­ti­ent ar­bei­ten zu­sam­men, um ei­ne An­pas­sung an die Le­bens­wirk­lich­keit des Be­trof­fe­nen zu meis­tern. „Im Sin­ne des auch von der WHO ver­mit­tel­ten ganz­heit­li­chen ICF-An­sat­zes geht es um die Zu­rücker­lan­gung der größt­mög­li­chen Selbst­stän­dig­keit“, er­klärt Eli­sa­beth Schä­fer. Die Phy­sio­the­ra­pie ver­sucht Be­we­gungs­ab­läu­fe zu trai­nie­ren, Mus­keln aus­zu­bau­en, an der Ko­or­di­na­ti­on und dem Gleich­ge­wichts­sinn des Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten zu ar­bei­ten. Läh­mun­gen und Taub­heits­ge­füh­le in ein­zel­nen Kör­per­tei­len kön­nen da­durch ver­bes­sert und in man­chen Fäl­len so­gar be­sei­tigt wer­den. Durch Sprach­übun­gen re­ak­ti­vie­ren Lo­go­pä­den die Leis­tun­gen Schrei­ben, Le­sen, spon­ta­nes Spre­chen, aber auch Ges­tik, At­mung, Ar­ti­ku­la­ti­on und Nah­rungs­auf­nah­me. Er­go­the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men fo­kus­sie­ren fein­mo­to­ri­sche Aspek­te. Der Pa­ti­ent lernt, sich die Zäh­ne zu put­zen, ei­ne Ga­bel zu hal­ten oder die ei­ge­ne Haus­tü­re ab­zu­sper­ren. Ne­ben neu­ro­psy­cho­lo­gi­schem Trai­ning zur Ver­bes­se­rung der Ge­dächt­nis­leis­tung und Auf­merk­sam­keits­ga­be re­gen künst­le­ri­sche The­ra­pi­en neue Hirn­zel­len an. „Wir wol­len un­se­re Pa­ti­en­ten da­zu brin­gen, wie­der ak­tiv am Le­ben teil­zu­neh­men. Das kann der Gang vom Fern­se­her zum Kühl­schrank sein oder der Wie­der­ein­tritt ins Be­rufs­le­ben“, sagt die Ex­per­tin.

LE­BENS­QUA­LI­TÄT. Für An­ge­hö­ri­ge und Be­trof­fe­ne än­dert sich schlag­ar­tig al­les. „So tun sich vie­le Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten mit Mul­ti­tas­king im All­tag schwer. Sie er­mü­den schnel­ler, sind ver­gess­li­cher und lei­den in­fol­ge des­sen oft an De­pres­sio­nen. Es

wird ein Ge­fühl des Nichts-mehr­wert-Seins ent­wi­ckelt“, so Schä­fer. Be­glei­ten­de The­ra­pie­maß­nah­men ver­su­chen, die per­sön­li­che Le­bens­si­tua­ti­on des Be­trof­fe­nen zu sta­bi­li­sie­ren und neue Per­spek­ti­ven und Le­bens­zie­le zu schaf­fen. Auch für Fa­mi­lie und Freun­de be­deu­tet die Krank­heit oft ei­ne dras­ti­sche Ve­rän­de­rung. Die ver­trau­te Per­son ist viel­leicht plötz­lich kör­per­lich stark ein­ge­schränkt, kann sich nicht mehr so gut aus­drü­cken oder hat sich even­tu­ell cha­rak­ter­lich ver­än­dert. „Was oft bleibt, sind neu­ro­psy­cho­lo­gi­sche Stö­run­gen. Der Pa­ti­ent bleibt sein Le­ben lang vul­nera­bel, kann aber ler­nen, mit der Er­kran­kung um­zu­ge­hen.“Schu­lun­gen für An­ge­hö­ri­ge im rich­ti­gen Um­gang mit Schlag­an­fall-Pa­ti­en­ten bie­tet das Ro­te Kreuz an. Mo­bi­le Hilfs­diens­te, zum Bei­spiel der Ca­ri­tas oder des Hilfs­werks, bie­ten Un­ter­stüt­zung bei der Pfle­ge und Or­ga­ni­sa­ti­on des Haus­hal­tes.

FI­NAN­ZIE­RUNG. Wäh­rend die sta­tio­nä­re Akut-Re­ha­bi­li­ta­ti­on flä­chen­de­ckend in ganz Ös­ter­reich eta­bliert ist, be­steht die Mög­lich­keit zur neu­ro­lo­gi­schen am­bu­lan­ten Re­ha in den meis­ten Bun­des­län­dern nur in Kran­ken­häu­sern und Ein­rich­tun­gen der Kran­ken­kas­sen. Die The­ra­pie in pri­va­ten In­sti­tu­tio­nen muss meist noch selbst fi­nan­ziert wer­den. „In Vor­arl­berg wird die am­bu­lan­te neu­ro­lo­gi­sche Re­ha­bi­li­ta­ti­on vom so­ge­nann­ten So­zi­al­fonds über­nom­men, auch in den rest­li­chen Bun­des­län­dern ar­bei­tet man an ei­ner Fi­nan­zie­rungs­lö­sung – so­dass künf­tig nicht nur die am­bu­lan­te kar­dio­lo­gi­sche Re­ha von der Pen­si­ons­ver­si­che­rung fi­nan­ziert wird“, so Schä­fer. Um­fas­sen­de In­for­ma­tio­nen zu den Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tun­gen und Kos­ten­an­trä­gen bie­tet der Re­ha­kom­pass der Ge­sund­heit Ös­ter­reich Gm­bH (GÖG) und des Haupt­ver­bands der ös­ter­rei­chi­schen So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger.

Kar­dio­trai­ning und re­gel­mä­ßi­ges EKG ste­hen bei je­der Her­zRe­ha­bi­li­ta­ti­on an ers­ter Stel­le

Wan­dern eig­net sich per­fekt für die Stär­kung ei­nes an­ge­grif­fe­nen Herz-Kreis­lauf-Sys­tems

Vor al­lem im Win­ter ist der Be­such ei­nes Fit­ness­stu­di­os auch für äl­te­re Men­schen per­fekt zur Herz-Stär­kung ge­eig­net

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