Neue Hoff­nung für Herz­pa­ti­en­ten

In­no­va­ti­on. Neue An­wen­dun­gen er­mög­li­chen scho­nen­de Ein­grif­fe am Her­zen und ver­mei­den zel­lu­lä­re Schä­den. Wel­che mo­der­nen Waf­fen den Kar­dio­lo­gen im Ernst­fall schon bald zur Ver­fü­gung ste­hen wer­den. Wie Pa­ti­en­ten in Zu­kunft da­von pro­fi­tie­ren.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -WER­NER STURMBERGER

Wie die For­schung die Herz­me­di­zin ver­bes­sern will

Uta Hop­pe, Lei­te­rin der Salz­burg er Uni­ver­si­täts kli­nik für In­ne­re Me­di­zin II, er­klärt, wel­che Neue­run­gen be­reits Rea­li­tät sind, wel­che es bald sein wer­den und auf wel­che wir noch län­ger war­ten müs­sen.

Sie be­schäf­ti­gen sich mit mo­le­ku­la­rer Kar­dio­lo­gie. Was ist dar­un­ter zu ver­ste­hen?

Uta Hop­pe: Un­se­re Ar­beits­grup­pe be­schäf­tigt sich mit der Be­schaf­fen­heit der Herz­mus­kel­zel­len. Wir be­fas­sen uns vor al­lem mit Ve­rän­de­run­gen, die von Er­kran­kun­gen wie Herz­in­suf­fi­zi­enz oder Herz­in­farkt

„Die neu­en Schritt­ma­cher­sys­te­me be­nö­ti­gen kei­ne Son­den und kein Käst­chen un­ter der Haut mehr.“ Uta Hop­pe, Lei­te­rin der Salz­bur­ger Uni­ver­si­täts­kli­nik für In­ne­re Me­di­zin II

aus­ge­löst wer­den. Wenn die Zel­len des Herzmuskels – wie bei ei­nem In­farkt – akut ge­schä­digt wer­den, ster­ben sie ab. Ha­ben sie aber Zeit, sich an ei­ne Min­der­ver­sor­gung zu ge­wöh­nen, kön­nen sie Schutz­me­cha­nis­men ent­wi­ckeln. Lang­fris­ti­ges Ziel ist es, An­griffs­punk­te zu fin­den, um zel­lu­lä­re Schä­den ver­mei­den zu kön­nen.

Wo wer­den im Mo­ment die größ­ten Fort­schrit­te in neu­en Be­hand­lun­gen er­zielt?

Vor al­lem im Be­reich der Herz-Ka­the­ter-Be­hand­lung gibt es neue, in­no­va­ti­ve An­wen­dun­gen. Das ist ei­ner­seits die Mög­lich­keit, Herz­klap­pen über Ge­fä­ße ein­set­zen zu kön­nen. Gleich­zei­tig gibt es auch bei der Be­hand­lung von Ve­ren­gun­gen der Herz­kranz­ge­fä­ße mit Stents gro­ße Wei­ter­ent­wick­lun­gen. Hier ar­bei­tet man an Ma­te­ria­li­en, die sich wie­der auf­lö­sen.

Wie funk­tio­nie­ren die­se Stents?

Her­kömm­li­che Stents wer­den vom Kör­per nicht ab­ge­baut und ver­blei­ben als Fremd­ma­te­ri­al im Ge­fäß. Die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on der Stents ba­siert auf Ma­g­ne­si­um bzw. Milch­säur­e­po­ly­me­ren, was bei­des vom Kör­per ab­ge­baut wer­den kann. Der Stent hält nach der Deh­nung ei­ner Eng­stel­le das Ge­fäß of­fen, ver­schwin­det dann aber voll­kom­men in ei­nem Zei­t­raum von ei­nem bis vier Jah­ren. Zu­rück bleibt ein völ­lig nor­ma­les Ge­fäß. Auch bei der Be­schich­tung von Stents gibt es neue Ent­wick­lun­gen. Die­se ent­hält Me­di­ka­men­te, die ei­ne Ge­fäß­wu­che­rung un­ter­bin­den.

Wie ist es mög­lich ei­ne ver­gleichs­wei­se gro­ße Klap­pe über ein Blut­ge­fäß zu im­plan­tie­ren?

Die Klap­pen wer­den auf die Grö­ße ei­nes Stents ge­fal­tet. Sie wer­den meist durch ein Leis­ten­ge­fäß im Her­zen po­si­tio­niert und ent­fal­ten sich dann ent­we­der von selbst oder mit­hil­fe ei­nes Bal­lons. Die­se Me­tho­de kommt vor al­lem bei Pa­ti­en­ten zum Ein­satz, die bis­her nicht oder nur mit ho­hem Ri­si­ko ope­riert wer­den konn­ten. In der Re­gel sind das äl­te­re Pa­ti­en­ten, für die ei­ne her­kömm­li­che of­fe­ne Ope­ra­ti­on ei­ne zu gro­ße Be­las­tung dar­ge­stellt hät­te.

War­um wird die­se Me­tho­de nicht auch bei jün­ge­ren Pa­ti­en­ten an­ge­wandt?

Die­se Herz­klap­pen wer­den aus dem Herz­beu­tel ei­nes Tie­res ge­fer­tigt. Das Ma­te­ri­al ver­kalkt re­la­tiv rasch. Bei jün­ge­ren Pa­ti­en­ten greift man eher zu Klap­pen aus lang­le­bi­ge­ren Ma­te­ria­li­en wie Kar­bon, die

al­ler­dings nicht über ei­nen Ka­the­ter im­plan­tiert wer­den kön­nen. Es gibt all­ge­mein den Ver­such, auf syn­the­ti­sche Ma­te­ria­li­en zu wech­seln, die den Ei­gen­schaf­ten der ei­ge­nen oder aus bio­lo­gi­schen Ma­te­ria­len ge­fer­tig­ten Herz­klap­pen gleich­kom­men. Die Klap­pen müs­sen spe­zi­fi­sche me­cha­ni­sche An­for­de­run­gen er­fül­len und Si­cher­heit vor In­fek­ten und Ge­rinn­seln bie­ten. Bis­her wur­de das mit syn­the­ti­schen Ma­te­ria­li­en noch nicht in aus­rei­chen­dem Maß er­reicht. Im Mo­ment ar­bei­tet man auch mit 3-D-Druck-Tech­no­lo­gi­en. Da­von maß­ge­schnei­der­te Herz­klap­pen zu dru­cken, ist man aber noch weit ent­fernt.

Auch Schritt­ma­cher las­sen sich über den Herz­ka­the­ter im­plan­tie­ren?

Das sind die so­ge­nann­ten Mi­cras. Bis­her wur­de das Käst­chen un­ter­halb des Schlüs­sel­beins ein­ge­setzt und über Ka­bel mit dem Her­zen ver­bun­den. Die neu­en Schritt­ma­cher­sys­te­me be­nö­ti­gen da­ge­gen kei­ne Son­den und kein Käst­chen un­ter der Haut mehr. Bat­te­rie und Tech­nik be­fin­den sich in ei­ner klei­nen Kap­sel, die über ei­nen Ka­the­ter di­rekt im Her­zen im­plan­tiert wird. Der Nach­teil des Sys­tems ist, dass es bis­her nur ei­ne Kam­mer sti­mu­lie­ren kann. Es wird zu­dem mit klei­nen Häk­chen im Her­zen ver­an­kert und heilt all­mäh­lich in das Herz ein. Ei­ne Ent­fer­nung des Ge­räts ist so­mit re­la­tiv schwie­rig. Das Sys­tem kommt eher bei äl­te­ren Pa­ti­en­ten zur An­wen­dung. Für jün­ge­re Pa­ti­en­ten, die im Lau­fe ih­res Le­bens meh­re­re Bat­te­rie­wech­sel des Schritt­ma­chers be­nö­ti­gen, ist es noch we­ni­ger gut ge­eig­net.

Vie­le Ex­per­ten se­hen die Zu­kunft im Be­reich der bio­re­ge­ne­ra­ti­ven Ver­fah­ren. Et­wa, dass man Ge­rüs­te im­plan­tiert, auf de­nen selbst­stän­dig kör­per­ei­ge­ne Zel­len wach­sen.

Für Herz­klap­pen gibt es dies­be­züg­lich in­ter­es­san­te und viel­ver­spre­chen­de An­sät­ze, gera­de für Kin­der. Es gab auch Ver­su­che, in Fol­gen ei­nes In­farkts ab­ge­stor­be­ne Re­gio­nen mit­hil­fe von Stamm­zel­len wie­der zu re­pa­rie­ren. An sol­chen An­wen­dun­gen ar­bei­tet man aber be­reits seit gut zehn Jah­ren. Die gro­ßen Er­war­tungs­hal­tun­gen ha­ben sich bis­her nicht er­füllt. Die greif­ba­ren Neue­run­gen fin­den sich ge­gen­wär­tig eher im Ma­te­ri­al­be­reich.

„Die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on der Stents ba­siert auf Ma­g­ne­si­um be­zie­hungs­wei­se Milch­säur­e­po­ly­me­ren, was bei­des vom Kör­per ab­ge­baut wer­den kann. “

Uner­müd­lich stel­len sich For­scher den me­di­zi­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen der Zu­kunft

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