Be­we­gung schützt vor Throm­bo­sen

Fol­gen­rei­che Blut­ge­rinn­sel. Et­wa zwei von 1000 Men­schen er­kran­ken jähr­lich an ei­ner Throm­bo­se. Lan­ges Sit­zen und zu we­nig Be­we­gung er­höht das Ri­si­ko.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -WER­NER STURMBERGER

Im schlimms­ten Fall droht ei­ne Lun­gen­em­bo­lie

Beim Ko­chen kurz nicht aufgepasst und in den Fin­ger ge­schnit­ten. Wer kennt das nicht? Doch schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten stoppt das Ge­r­in­nungs­sys­tem die Blu­tung: „Die Blut­plätt­chen ak­ti­vie­ren sich an die­ser Wun­de und be­gin­nen zu klum­pen. Da­bei set­zen sie auch Wachs­tums­fak­to­ren frei, da­mit der Pfropf sta­bi­li­siert wird und die Wun­de rasch zu­sam­men­wächst“, er­klärt Ivo Volf vom In­sti­tut für Phy­sio­lo­gie der Me­di­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wi­en. Das ver­hin­dert den Blut­ver­lust und das Ein­drin­gen von Kei­men. Im Nor­mal­fall be­fin­den sich je­ne Mecha­nis­men, die das Blut ge­rin­nen las­sen, und je­ne, die es flüs­sig hal­ten, in ei­nem Gleich­ge­wicht. Wird es ge­stört, führt dies ent­we­der zu ei­ner Blu­tungs­nei­gung oder ei­ner Über­ak­ti­vi­tät der Ge­r­in­nungs­fak­to­ren. Was bei Wun­den und Ver­let­zun­gen ei­ne rasche Hei­lung be­güns­tigt, ist dau­er­haft aber schäd­lich und kann das Ent­ste­hen von Throm­bo­sen (Blut­ge­rinn­seln) för­dern. Die Über­ak­ti­vi­tät be­güns­tigt auch At­he­ro­skle­ro­se, wel­che wie­der­um das Throm­bo­seRi­si­ko er­höht. Die Ve­rän­de­rung der Blut­ge­fä­ße ent­steht über Jah­re hin­weg und bleibt meist lan­ge un­be­merkt. Sie führt zu ei­ner Ver­kal­kung der Ge­fäß­wän­de durch die Abla­ge­rung von wei­ßen Blut­kör­per­chen und Blut­fet­ten, so­ge­nann­ten Plaques. Oft kommt es auch zu ei­ner Ve­ren­gung. Das Blut kann nicht mehr un­ge­hin­dert flie­ßen.

MEIST SPÄT DIA­GNOS­TI­ZIERT. Ein­deu­ti­ge Sym­pto­me tre­ten erst dann auf, wenn sich im Be­reich der Plaques ein Blut­ge­rinn­sel bil­det. „Grund­sätz­lich kön­nen die­se durch At­he­ro­skle­ro­se be­ding­ten Throm­bo­sen in al­len Ar­te­ri­en auf­tre­ten. Bil­det sich ein Throm­bus, ver­sperrt die­ser die Blut­zu­fuhr nach­fol­gen­der Ge­fäß­ab­schnit­te. Da­mit wird die Sau­er­stoff­ver­sor­gung un­ter­bro­chen und das um­lie­gen­de Ge­we­be stirbt

ab“, so Volf. Be­son­ders ge­fähr­lich sind sol­che Ge­rinn­sel im Ge­hirn, wo sie zu ei­nem Schlag­an­fall, und im Her­zen, wo sie zu ei­nem Herz­in­farkt füh­ren kön­nen: „Häu­fig ist in­ten­si­ve kör­per­li­che Ak­ti­vi­tät der Aus­lö­ser. Die Be­las­tung führt auch zu ei­ner Ak­ti­vie­rung der Blut­plätt­chen. Durch den ho­hen Puls flie­ßen die Plätt­chen schnel­ler an den Plaques vor­bei. Das be­güns­tigt die Bil­dung ei­nes Throm­bus“, so der Ex­per­te. Be­reits im Vor­feld ei­nes In­farkts kann sich ei­ne Ve­ren­gung der Herz­kranz­ge­fä­ße (An­gi­na Pec­to­ris) be­merk­bar ma­chen. Sie äu­ßert sich in Schmer­zen in die­sem Be­reich oder auch als Atem­be­klem­mung.

IN DEN BEI­NEN. Throm­bo­sen tre­ten nicht nur in Ar­te­ri­en, son­dern auch in Ve­nen auf. „Die­se sind schmerz­haft, aber meist we­ni­ger ge­fähr­lich als ar­te­ri­el­le Throm­bo­sen. Das Blut in den Ve­nen führt kei­nen Sau­er­stoff mehr, es kann al­so durch ei­ne Stau­ung nicht zu ei­ner Un­ter­ver­sor­gung des Ge­we­bes kom­men“, sagt Volf. Ge­fähr­lich wird es, wenn sich ein Ge­rinn­sel von dort löst. Mit dem Blut­strom kann die­ses durch das Herz und wei­ter in die Lun­gen­ar­te­ri­en ge­lan­gen, wo es ei­ne le­bens­be­droh­li­che Lun­gen­em­bo­lie (sie­he Gra­fik) aus­lö­sen kann. An­zei­chen für die­se sind Atem­not, ste­chen­de Brust­schmer­zen beim At­men und schnel­ler Puls. In neun von zehn Fäl­len wird die­se durch ein Bein­ve­nen-Ge­rinn­sel aus­ge­löst. Be­merk­bar ma­chen

sich Bein­ve­nen-Throm­bo­sen häu­fig durch ei­nen zie­hen­den Schmerz in der Wa­de und vom Knö­chel­be­reich aus­ge­hen­de Schwel­lun­gen des Beins.

NEUE BE­HAND­LUN­GEN.

Um die La­ge und das Aus­maß der Er­kran­kung be­stim­men zu kön­nen, wer­den bild­ge­ben­de Ver­fah­ren ein­ge­setzt. Pri­mä­re Dia­gno­se­me­tho­de ist die ul­tra­schall­ba­sier­te und da­her ri­si­ko­lo­seDopp­ler-So­no­gra­fie.Ei­neRönt­gen­un­ter­su­chung der Blut­ge­fä­ße mit­tels Kon­trast­mit­tel ist mitt­ler­wei­le un­üb­lich. Throm­bo­sen wer­den vor­wie­gend mit ge­rin­nungs­hem­men­den Mit­teln the­ra­piert: Die Erst­be­hand­lung er­folgt meist mit He­pa­rin, län­ger­fris­ti­ge The­ra­pi­en set­zen auf so­ge­nann­te Cu­ma­ri­ne, die durch die Vit­amin-K-Hem­mung die Blut­ge­rin­nung her­ab­set­zen. Seit kur­zer Zeit sind auch neu­ar­ti­ge An­ti­throm­bo­ti­ka für die Be­hand­lung von Ven­en­throm­bo­sen zu­ge­las­sen. Die­se ver­ein­fa­chen die The­ra­pie deut­lich, sind al­ler­dings teu­rer. Kom­pres­si­ons­strümp­fe sind gera­de bei Bein­ven­en­throm­bo­sen nach wie vor wich­ti­ger Be­stand­teil der The­ra­pie. Durch die Sta­bi­li­sie­rung des Ge­rinn­sels hel­fen sie, ei­ne Em­bo­lie zu ver­hin­dern und wir­ken Schwel­lun­gen ent­ge­gen. Das Tra­gen sol­cher Strümp­fe emp­fiehlt sich auch auf län­ge­ren Flug- oder Bus­rei­sen. Auch auf aus­rei­chend Be­we­gung und Flüs­sig­keits­zu­fuhr soll­te ge­ach­tet wer­den.

RI­SI­KO­FAK­TO­REN.

Mit zu­neh­men­dem Al­ter nimmt die Throm­bo­seHäu­fig­keit zu. Ne­ben dem Le­bens­al­ter gel­ten die Pil­le so­wie Hor­mon­er­satz­the­ra­pi­en, Ope­ra­tio­nen, schwe­re Ver­let­zun­gen,Über­ge­wicht,Dia­be­tes,Ni­ko­tin und Be­we­gungs­man­gel als Ri­si­ko­fak­to­ren.In­ei­ner­ak­tu­el­lenStu­die­an jun­genFrau­en­zeig­tenIvoVol­fund­sein Kol­le­ge Ro­chus Po­kan vom In­sti­tut für Sport­wis­sen­schaf­ten an der Uni Wi­en, dass die Blut­plätt­chen un­trai­nier­ter Frau­en­deut­lich­ak­ti­viert­er­sind,als­je­ne von sport­lich ak­ti­ven. Sie nei­gen da­her eher zur Bil­dung von Throm­bo­sen. Die gu­te Nach­richt: Im Rah­men der Stu­die konn­ten die For­scher zei­gen, dass sich die Wer­te der un­trai­nier­ten Frau­en je­nen der trai­nier­ten Frau­en nach acht Wo­chen­re­gel­mä­ßi­genTrai­nings­weit­ge­hend an­nä­her­ten. Für Volf ist da­her klar: „Be­we­gung ist die bes­te Vor­beu­gung. Nicht nur ge­gen Throm­bo­sen, son­dern ge­gen al­le For­men von Herz-Kreis­laufEr­kran­kun­gen.“

Langstre­cken­flü­ge be­las­ten die Blut­ge­fä­ße in den Bei­nen. Kom­pres­si­ons­strümp­fe hel­fen

HERZVERSAGEN DURCH LUN­GEN­EM­BO­LIE In den Bein­ve­nen kann sich ein Blut­ge­rinn­sel (Throm­bus) bil­den (1) und da sG efäß ver­schlie­ßen. Ge­fähr­lich wird es, wenn sich die­ser Pfropf lö stu nd mit dem Blut­strom in die Lun­gen­ar­te­ri­en ge­langt (2). Ver­schließt er dort ei­ne Ar­te­rie (3), wird ei­ne le­bens­be­droh­li­che Lun­gen­em­bo­lie aus­ge­löst – die­se kann im schlimms­ten Fall töd­lich en­den.

Die si­chers­te Vor­beu­gung ge­gen Throm­bo­sen ist aus­rei­chen­de be­we­gung. Es reicht schon ein Spa­zier­gang oder leich­tes Jog­gen

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