So er­ken­nen sie ei­nen Schlag­an­fall

Schä­den ver­mei­den. Weil die Sym­pto­me sehr stark va­ri­ie­ren, ist es nicht im­mer leicht, ei­nen Schlag­an­fall zu be­mer­ken. Die Warn­zei­chen müs­sen ernst ge­nom­men wer­den!

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -THERESA GIRARDI

Wert­vol­le Tipps für die Ers­te Hil­fe im Ernst­fall

Lang­sam ent­glei­ten­de Ge­sichts­zü­ge, Läh­mungs­ge­füh­le in ein­zel­nen Glied­ma­ßen oder ei­ner ge­sam­ten Kör­per­hälf­te, plötz­lich ein­tre­ten­de Sprach­stö­run­gen und un­kon­trol­lier­ter Spei­chel­fluss – ein Schlag­an­fall äu­ßert sich auf un­ter­schied­lichs­te Wei­se und hin­ter­lässt meist schwer­wie­gen­de neu­ro­lo­gi­sche Schä­den. Je nach Art des Hirn­schlags wird Ner­ven­ge­we­be von der Blut­zu­fuhr ab­ge­schnit­ten oder durch ei­ne Hirn­blu­tung mit nicht mehr ge­nü­gend Sau­er­stoff ver­sorgt. Der Ef­fekt bleibt der­sel­be: Durch den Nähr­stoff­man­gel kön­nen die Ner­ven­zel­len ih­re Tä­tig­kei­ten nicht mehr durch­füh­ren, neu­ro­na­le Schalt­krei­se bre­chen zu­sam­men und es kommt zu Läh­mungs­er­schei­nun­gen. Ver­mehrt be­trof­fen sin­dMen­schen­ab55,abe­rau­chim­mer mehr jun­ge Pa­ti­en­ten er­lei­den Schlag­an­fäl­le. Ob­wohl ein Schlag­an­fall als dritt­häu­figs­te To­des­ur­sa­che gilt, kennt ein Fünf­tel der Eu­ro­pä­er sei­ne Alarm­si­gna­le nicht – das er­gab ei­ne Um­fra­ge des Max-Planck-In­sti­tuts. „Es kön­nen die Mus­kel­kraft, die Sen­si­bi­li­tät, das Spre­chen, das Se­hen, aber auch an­de­re Sin­nes­qua­li­tä­ten be­trof­fen sein“, so Rot-Kreuz-Spre­cher Tho­mas Ma­recek. Häu­fig gibt es be­reits vor dem Schlag­an­fall An­zei­chen, die auf ei­ne Durch­blu­tungs­stö­rung hin­wei­sen. Ei­ne tran­si­to­risch ischä­mi­sche Atta­cke, auch Mi­ni-Schlag­an­fall, dau­ert meist nur we­ni­ge Mi­nu­ten und geht in 40 Pro­zent der Fäl­le ei­nem Hirn­schlag vor­aus. Bei ei­nem oder meh­re­ren der fol­gen­den An­zei­chen ist in je­dem Fall die Ret­tung zu ver­stän­di­gen:

– Ein­sei­ti­ge Läh­mung oder Kraft­min­de­rung in Arm oder Bein oh­ne Ur­sa­che

– Taub­heits­ge­fühl oder krib­beln in ei­ner Ge­sichts­hälf­te, ein­sei­tig her­ab­hän­gen­der Mund­win­kel

– Ver­schwom­me­nes Sicht­feld oder Seh­stö­rung bis hin zur ein­sei­ti­gen Blind­heit

– Sprech­stö­rung in Form von un­deut­li­cher Aus­spra­che oder gänz­li­cher Sprech­blo­cka­de

– Schwin­del und Gleich­ge­wichts­stö­run­gen

– Plötz­lich auf­tre­ten­de, star­ke Kopf­schmer­zen

– Schluck­stö­run­gen und Spei­chel­fluss aus dem Mund

– Er­schöp­fungs­ge­füh­le und Ver­wirrt­heit

– Kreis­lauf­zu­sam­men­bruch und Be­wusst­lo­sig­keit Ne­ben der Durch­füh­rung der rich­ti­genErs­te-Hil­fe-Maß­nah­men­steht­bei Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten der rasche Trans­port in ein Kran­ken­haus mit aus­rei­chen­der Dia­gno­se­mög­lich­keit im Vor­der­grund. Da­mit die Zeit­span­ne, in­ner­halb de­rer zur Ver­mei­dung von Spät­fol­gen ei­ne The­ra­pie be­gon­nen wer­den muss, nicht über­schrit­ten wird. „Selbst wenn die Aus­fall­er­schei­nun­gen nur vor­über­ge­hend wa­ren, muss der Pa­ti­ent so schnell wie mög­lich in das nächst­ge­le­ge­ne Kran­ken­haus­ge­bracht­wer­den,wel­ches­zu­rBe­hand­lung von aku­ten Schlag­an­fäl­len ein­ge­rich­tet ist“, so Tho­mas Ma­recek. So­ge­nann­te Stroke-Units ha­ben sich auf die Be­hand­lung von Schlag­an­fäl­len spe­zia­li­siert und sind in der La­ge, et­wa 50 Pro­zent der Be­trof­fe­nen in­ner­halb­von90Mi­nu­ten­nach­de­mAn­fall zu ver­sor­gen. Um­so wich­ti­ger ist es, dass Erst­hel­fer und An­ge­hö­ri­ge so­for­ti­ge Hil­fe an­for­dern. Bei Zwei­feln gibt der Schlag­an­fall­test „FAST“Auf­schluss:

F wie Face: Die er­krank­te Per­son auf­for­dern zu lä­cheln – ist das Ge­sicht ein­sei­tig ge­lähmt oder ver­zo­gen?

A wie Arms: Die er­krank­te Per­son

auf­for­dern, die Ar­me zu he­ben – kann der Er­krank­te bei­de Ar­me oh­ne Pro­ble­me an­he­ben und von sich stre­cken?

S wie Speech: Die er­krank­te Per­son auf­for­dern, ei­nen Satz nach­zu­spre­chen – sind Sprach­stö­run­gen er­kenn­bar, fließt Spei­chel un­kon­trol­liert?

T wie Ti­me: Kann der Er­krank­te all den Auf­for­de­run­gen fol­gen? Falls nicht, ist ein so­for­ti­ger No­t­ruf ab­zu­set­zen – denn Zeit ist Hirn! Wäh­rend auf den Ret­tungs­dienst ge­war­tet wird, soll­te mit dem Er­krank­ten ge­spro­chen und ei­ne Lie­ge­po­si­ti­on mit er­höh­tem Ober­kör­per ge­schaf­fen wer­den. Be­en­gen­de Klei­dungs­stü­cke soll­ten ge­öff­net und für Frisch­luft ge­sorgt wer­den. Dem Pa­ti­en­ten nichts zu Es­sen oder Trin­ken ver­ab­rei­chen, da die Schluck­funk­ti­on ge­stört sein könn­te. Bei Er­bre­chen oder Be­wusst­lo­sig­keit den Be­trof­fe­nen in die sta­bi­le Sei­ten­lan­ge brin­gen und si­cher­stel­len, dass Puls und At­mung funk­tio­nie­ren. Kommt es zu ei­nem Kreis­lauf­still­stand, so ist un­ver­züg­lich die Herz-Lun­gen-Wie­der­be­le­bung an­zu­wen­den.

Auch Be­wusst­lo­sig­keit kann ein Zei­chen für ei­nen Schlag­an­fall sein

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