Aus dem Le­ben ge­ris­sen

Un­ter­stüt­zung. Ein Schlag­an­fall kann al­les ver­än­dern. Kei­ner soll­te in so ei­ner Si­tua­ti­on auf sich al­lei­ne ge­stellt sein. Hier gibt es Hil­fe.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten über ih­re St­un­de Null

Es sind nur we­ni­ge Se­kun­den, die ein ge­sam­tes Le­ben ver­än­dern. Ein Schlag­an­fall tritt plötz­lich und un­er­war­tet auf. Nicht nur für die Be­trof­fe­nen, auch für de­ren An­ge­hö­ri­ge hat dies un­vor­her­seh­ba­re Aus­wir­kun­gen. Plötz­lich nicht ein­mal mehr in der La­ge sein, die Ge­dan­ken in Wor­te zu fas­sen oder ein­fachs­te All­tags­tä­tig­kei­ten zu er­le­di­gen. Nicht sel­ten füh­len sich die Pa­ti­en­ten und ih­re Fa­mi­li­en über­for­dert. Da­bei soll­te man nicht zö­gern, Selbst­hil­fe­grup­pen – die es in al­len Bun­des­län­dern gibt – zu kon­tak­tie­ren. „Wir sprin­gen ein, wenn der Pa­ti­ent ent­las­sen wird. Meis­tens mel­den sich An­ge­hö­ri­ge, weil sie nicht wis­sen, wie es wei­ter­ge­hen soll“, sagt Ma­nue­la Mess­merWul­len, Vor­sit­zen­de des Dach­ver­bands Schlag­an­fall­hil­fe Ös­ter­reich. Da­bei kom­men bei­spiels­wei­se Fra­gen über die Ge­neh­mi­gung der The­ra­pi­en oder der An­schluss­re­ha­bi­li­ta­ti­on auf. Den Mit­glie­dern der Ver­ei­ne sind all die­se Pro­ble­me nicht fremd, weil sie sich ih­nen meist schon selbst ge­stellt ha­ben. „Sie wis­sen, wel­che We­ge man ein­schla­gen kann“, ist Mess­merWul­len über­zeugt. Man fin­det hier ne­ben In­for­ma­tio­nen über die un­ter­schied­li­chen Un­ter­stüt­zungs­mög­lich­kei­ten

auch Be­ra­tung über The­ra­pie­mög­lich­kei­ten.

HER­AUS­FOR­DE­RUN­GEN. An die Selbst­hil­fe­grup­pen kann man sich nicht nur we­gen Fra­ge­stel­lun­gen zu me­di­zi­ni­schen oder fi­nan­zi­el­len The­men wen­den. Denn die Fol­gen ei­nes Schlag­an­falls kön­nen auch die Ge­fühls­welt der Be­trof­fe­nen ver­än­dern. Hil­fe in An­spruch zu neh­men, ist da­her rat­sam: „Nach ei­nem Schlag­an­fall kom­men kom­plett an­de­re Men­schen nach Hau­se zu­rück. Be­trof­fe­ne ma­chen oft We­sens­ver­än­de­run­gen durch. Für die An­ge­hö­ri­gen ist das sehr schwie­rig“, weiß Mess­mer-Wul­len. Sie hat selbst ei­nen Schlag­an­fall nur knapp über­lebt: „Ich ha­be zwölf Jah­re ge­braucht, bis ich wie­der den gu­ten ko­gni­ti­ven Zu­stand er­reicht ha­be, in dem ich mich heu­te be­fin­de.“Was im­mer man trai­niert, es ist viel Ge­duld zur Be­wäl­ti­gung der Schwä­chen not­wen­dig. Wenn man lang­sam die Be­weg­lich­keit wie­der er­langt, sei esimRoll­stuhlo­der­schonauf­den­ei­ge­nen Bei­nen, mit Rol­la­tor oder mit Krü­cken, soll­te man sich den­noch im­mer voll und ganz kon­zen­trie­ren – ap­pel­lie­ren Ärz­te und Be­trof­fe­ne. Denn als Schlag­an­fall-Pa­ti­ent hat man nicht mehr die­sel­be Kraft wie frü­her, um ei­nen Sturz ab­zu­fan­gen. Egal, ob man sport­lich war oder nicht. Für­dieZu­kunft­wünscht­si­chMa­nue­la Mess­mer-Wul­len, „dass das Ge­sund­heits­sys­tem den Über­le­ben­den mehr Ver­trau­en schenkt.“24.000 Ös­ter­rei­cher er­lei­den jähr­lich ei­nen ers­ten Schlag­an­fall. Die The­ra­pi­en müs­sen oft über Jah­re hin­weg an­dau­ern, da­mit die Be­trof­fe­nen wie­der ei­ne gu­te Le­bens­qua­li­tät er­hal­ten – die­se sind al­ler­dings teu­er. Trotz The­ra­pie und Be­hand­lun­gen er­ho­len sich man­che Pa­ti­en­ten lei­der nicht im­mer voll­stän­dig. Den An­ge­hö­ri­gen kann dann die dau­er­haf­te Be­treu­ung zu Hau­se zu ei­ner Auf­ga­be wer­den, die sie nicht mehr al­lei­ne zu be­wäl­ti­gen wis­sen. Mo­bi­le Di­ens­te kön­nen hier ei­ne wert­vol­le Un­ter­stüt­zung leis­ten. Sie hel­fen bei der Pfle­ge zu Hau­se und ent­las­ten die Fa­mi­li­en­mit­glie­der. Es gibt aber auch Si­tua­tio­nen, in de­nen ein Um­zug in ein Pfle­ge­heim oder in ein Ta­ges­zen­trum die bes­se­re Lö­sung ist. Et­wa, wenn das Aus­maß der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit die Mög­lich­kei­ten der An­ge­hö­ri­gen über­steigt oder die Art der Be­hin­de­rung ei­ne häus­li­che Pfle­ge nicht mehr mög­lich macht. Egal wo­für man sich ent­schei­det, am bes­ten be­spricht man die Mög­lich­kei­ten vor­ab aus­führ­lich mit dem zu­stän­di­gen Arzt. Auch das Pfle­ge­te­le­fon des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit, So­zia­les und Kon­su­men­ten­schutz bie­tet pfle­gen­den An­ge­hö­ri­gen Be­ra­tung und In­for­ma­tio­nen über Be­treu­ungs­mög­lich­kei­ten (Mon­tag bis Frei­tag von 8 bis 16 Uhr: 0800 20 16 22). Das Ro­te Kreuz bie­tet, un­ter an­de­rem, ver­schie­de­ne Kur­se zum The­ma Pfle­ge an. Was man nie ver­ges­sen soll­te: Es kön­nen auch nach ei­ner in­ten­si­ven Be­hand­lungs­zeit im­mer noch Ver­bes­se­run­gen er­zielt wer­den. Auch sol­che, die über die ärzt­li­che Ein­schät­zung hin­aus­ge­hen. Dies ist durch „ei­ser­nen Wil­len, An­stren­gung, Freun­de und Fa­mi­lie“mög­lich, ist Ma­nue­la Mess­mer-Wul­len über­zeugt. -

„Nach ei­nem Schlag­an­fall kom­men kom­plett an­de­re Men­schen nach Hau­se zu­rück. Be­trof­fe­ne ma­chen oft We­sens­ver­än­de­run­gen durch.“ Ma­nue­la Mess­mer-Wul­len, Vor­sit­zen­de des Dach­ver­bands Schlag­an­fall­hil­fe Ös­ter­reich

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