Mo­derns­te Tech­nik für das Herz

Chir­ur­gie. Me­di­zin­tech­ni­sche Ver­bes­se­run­gen ha­ben das Ri­si­ko bei Ein­grif­fen stark sin­ken las­sen.Vor al­lem mi­ni­mal in­va­si­ve Ope­ra­ti­ons­me­tho­den und mi­nia­tu­ri­sier­te Schritt­ma­cher scho­nen den Pa­ti­en­ten.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -WER­NER STURMBERGER

Die Hilfs­mit­tel der Herz­chir­ur­gen

Vie­le der Ein­grif­fe am Her­zen sind mitt­ler­wei­le zu Rou­ti­neOpe­ra­tio­nen ge­wor­den. De­ren Un­mit­tel­bar­keit ist in der Me­di­zin aber wei­ter­hin au­ßer­ge­wöhn­lich: „Meis­tens sieht man so­fort, ob der Ein­griff ge­klappt hat und wie er – im po­si­ti­ven Fall – dem Pa­ti­en­ten hilft. Das ist je­des Mal ein Er­folgs­er­leb­nis, das mei­ne Mit­ar­bei­ter und mich an­treibt“, sagt Gün­ther Lau­fer, Lei­ter der Kli­ni­schen Ab­tei­lung für Herz­chir­ur­gie der Me­di­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wi­en. Be­son­ders im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter sind Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen die häu­figs­te To­des­ur­sa­che. Der Be­darf an ef­fek­ti­ven Be­hand­lungs­me­tho­den und die da­mit ein­her­ge­hen­de For­schungs­ak­ti­vi­tät sind ent­spre­chend hoch. Die ste­ti­gen Wei­ter­ent­wick­lun­gen der Me­di­zin­tech­nik – bild­ge­ben­de Ver­fah­ren, In­stru­men­te, Naht­ma­te­ri­al, Herz­ka­the­ter –, ha­ben die Sterb­lich­keits­ra­te bei die­sen Ein­grif­fen deut­lich sin­ken las­sen. Auch Ver­bes­se­run­gen im Be­reich der chir­ur­gi­schen Aus­bil­dung und neue Ope­ra­ti­ons­ver­fah­ren ha­ben da­zu bei­ge­tra­gen: „Bei­na­he ein Fünf­tel al­ler Ope­ra­tio­nen er­fol­gen mi­ni­mal in­va­siv. Das heißt mit klei­nen Schnit­ten, meis­tens seit­lich am Brust­korb oh­ne Durch­tren­nung des Brust­beins. Durch die en­ge­re Zusammenarbeit mit Kar­dio­lo­gen hof­fen wir zu­künf­tig 30 Pro­zent al­ler Pa­ti­en­ten so be­han­deln zu kön­nen“, so der po­si­ti­ve Aus­blick von Gün­ther Lau­fer.

STENTS AUF DEM VOR­MARSCH.

„Man merkt, dass ge­wis­se Maß­nah­men der Prä­ven­ti­on ge­grif­fen ha­ben. Da­zu zählt ei­ner­seits das Be­wusst­sein für ge­sün­de­re Er­näh­rung, Be­we­gung und das Ri­si­ko des Rau­chens, zum an­de­ren cho­le­ste­rin­sen­ken­de Me­di­ka­men­te. Dem­ent­spre­chend ha­ben sich auch die Krank­heits­bil­der ver­än­dert“, so der Chir­urg. Wäh­rend frü­her Er­kran­kun­gen der Herz­kranz­ge­fä­ße in der Herz­chir­ur­gie be­son­ders häu­fig wa­ren, hal­ten sich die­se nun­mehr mit je­nen der Herz­klap­pen die Waa­ge. Die klas­si­sche By­pass-Ope­ra­ti­on gibt es nach wie vor, sie hat sich aber stark wei­ter­ent­wi­ckelt: „Heu­te wer­den Brust­wan­dar­te­ri­en und Ar­mar­te­ri­en statt Ve­nen als Über­brü­ckung der ver­eng­ten Herz­kranz­ge­fä­ße ver­wen­det. Je­de By­pass-Ope­ra­ti­on ist an die spe­zi­el­len ana­to­mi­schen und funk­tio­nel­len Ge­ge­ben­hei­ten der Min­der­durch­blu­tung des Herzmuskels ei­nes Pa­ti­en­ten an­ge­passt. Sie ist so­mit ganz in­di­vi­du­ell ge­stal­tet“, er­klärt Lau­fer. Ein By­pass stellt si­cher, dass das Herz wie­der über­all aus­rei­chend mit Nähr­stof­fen ver­sorgt wird. Die Ope­ra­ti­on fin­det vor­wie­gend am of­fe­nen Her­zen un­ter Ein­satz ei­ner Her­zLun­gen-Ma­schi­ne statt. Trotz der mitt­ler­wei­le ge­rin­gen Sterb­lich­keits­ra­te ge­lan­gen By­pas­se sel­te­ner zur An­wen­dung. Han­delt es sich näm­lich um ein­zel­ne Eng­stel­len in den Ge­fä­ßen und nicht um ei­nen ge­sam­ten Be­reich, greift man auf we­ni­ger in­va­si­ve Tech­ni­ken zu­rück – wie bei­spiels­wei­se Stents. Das sind fi­li­gra­ne Draht­ge­rüs­te, die über ei­nen Herz­ka­the­ter ein­ge­führt wer­den. „An der ver­eng­ten Stel­le wer­den sie auf­ge­dehnt und drü­cken dann die Ge­fäß­wand nach au­ßen. Das Blut kann wie­der un­ge­hin­dert flie­ßen. Da­durch ver­hin­dern sie die Bil­dung ei­nes Ge­rinn­sels“, so der Ex­per­te. Ist die Funk­ti­on der Klap­pen stark be­ein­träch­tigt, kann ei­ne Herz­in­suf­fi­zi­enz dro­hen: Ge­we­be und Or­ga­ne wer­den nicht mehr aus­rei­chend mit Blut und da­mit auch nicht mit ge­nü­gend Sau­er­stoff ver­sorgt. Häu­fig füh­ren­de ge­ne­ra­ti­ve Kalk abla­ge­run­gen oder B in de­ge­webs schwä­che zu Fehl­funk­tio­nen der Herz­klap­pen. Auch bak­te­ri­el­le oder vi­ra­le In­fek­tio­nen kön­nen sol­che ver­ur­sa­chen. Ist ei­ne me­di­ka­men­tö­se Be­hand­lung nicht mög­lich, wird ver­sucht die Herz­klap­pen ope­ra­tiv zu re­pa­rie­ren oder durch Pro­the­sen zu er­set­zen. Da­für wer­den ent­we­der me­cha­ni­sche oder aus Schwei­ne- oder Rin­der- »

„Bei­na­he ein Fünf­tel al­ler Ope­ra­tio­nen am Her­zen er­fol­gen mitt­ler­wei­le mi­ni­mal in­va­siv. Das heißt mit klei­nen Schnit­ten, meis­tens seit­lich am Brust­korb oh­ne Durch­tren­nung des Brust­beins.“ Gün­ther Lau­fer, Herz­chir­urg Med Uni Wi­en

Herz­beu­tel­ge­we­be ge­fer­tig­te Klap­pen ver­wen­det. Spe­zi­el­le Neu­ent­wick­lun­gen ma­chen es mög­lich, die­se bio­lo­gi­schen Klap­pen zu fal­ten und übe rei­nen Herz­kath et er zu im­plan­tie­ren. Da­von pro­fi­tie­ren vor al­lem sehr kran­ke und äl­te­re Pa­ti­en­ten, da der Ein­griff – der meist über die Leis­te er­folgt – ver­gleichs­wei­se klein ist.

HERZ­SCHRITT­MA­CHER.

Wenn das Herz zu lang­sam oder un­re­gel­mä­ßig schlägt, wer­den Schritt­ma­cher ein­ge­setzt. Dies ist häu­fig in hö­he­rem Al­ter im Rah­men von de­ge­ne­ra­ti­ven Pro­zes­sen im Her­zen der Fall. Herz­schritt­ma­cher ge­ben ent­spre­chen­de elek­tri­sche Im­pul­se ab, die zu ei­ner Kon­trak­ti­on des Her­zens füh­ren. Im We­sent­li­chen be­ste­hen die Ge­rä­te aus ei­ner Bat­te­rie, die für ge­wöhn­lich un­ter dem Schlüs­sel­bein po­si­tio­niert wird, und aus Son­den am Her­zen, die des­sen Tä­tig­keit sti­mu­lie­ren. Die Im­plan­ta­ti­on des Schritt­ma­chers ist für ge­wöhn­lich ein klei­ner Ein­griff. Die Son­den wer­den von der Schlüs­sel­bein­gru­be aus­ge­hend über ei­ne Ve­ne bis ins Herz ge­scho­ben. Neu­ar­ti­ge Mo­del­le sind so klein, dass sie kom­plett in der Herz­kam­mer Platz fin­den. Sie sind der­zeit aber noch auf die Sti­mu­la­ti­on nur ei­ner Herz­kam­mer be­schränkt.

QUA­LI­TÄT RET­TET LE­BEN.

Die ho­hen Stan­dards in der Herz­chir­ur­gie sind nicht nur me­di­zin­tech­ni­schen Neue­run­gen zu ver­dan­ken. Ge­stützt wer­den die­se von ei­nem bun­des­wei­ten Qua­li­täts­si­che­rungs­pro­gramm. „In ei­nem Com­pu­ter­pro­gramm wer­den die Er­geb­nis­se ei­ner Ope­ra­ti­on mit dem Ge­sund­heits­zu­stand des Pa­ti­en­ten und dem Ri­si­ko des Ein­griffs ver­knüpft. So kön­nen Ope­ra­teu­re und ge­sam­te Ab­tei­lun­gen ih­re Er­geb­nis­se mit de­nen al­ler an­de­ren ver­glei­chen“, er­klärt Gün­ther Lau­fer. Er selbst war an der Ent­wick­lung des Sys­tems be­tei­ligt. För­dert das Eva­lu­ie­rungs­sys­tem Auf­fäl­lig­kei­ten zu Tage, kön­nen dies An­zei­chen für Pro­ble­me bei der Be­hand­lung sein. Wer­den sie früh­zei­tig er­kannt, sind die not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen da­für ge­ge­ben, sie rasch wie mög­lich ab­zu­stel­len. Da­durch kann flä­chen­de­ckend ei­ne qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung si­cher­ge­stellt und so­mit Le­ben ge­ret­tet wer­den.

Ein Herz­schritt­ma­cher un­ter­stützt das Herz

Ein Kunst­herz ist ei­ne Al­ter­na­ti­ve

Ei­ne künst­li­che Aor­ten­klap­pe

Neue bio­lo­gi­sche Herz­klap­pen kön­nen auch über Herz­ka­the­der im­plan­tiert wer­den

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