Blut­hoch­druck sen­ken

„Stil­ler Kil­ler“. Blut­hoch­druck ver­ur­sacht jah­re­lang kei­ne Be­schwer­den und wird erst er­kannt, wenn Fol­ge­er­kran­kun­gen wie Schlag­an­fall oder Herz­in­farkt auf­tre­ten.

KURIER_UNSER HERZ - - Bluthochdruck - -MO­NI­KA DLUGOKECKI

Welt­weit sind rund ei­ne Mil­li­ar­de Men­schen von der Volks­krank­heit be­trof­fen. In Ös­ter­reich hat je­der Drit­te zu ho­he Blut­druck­wer­te. Laut Ex­per­ten könn­te oft schon ei­ne Än­de­rung des Le­bens­stils hel­fen, sich zu schüt­zen. Denn die größ­ten Ri­si­ko­fak­to­ren sind Über­ge­wicht, Ni­ko­tin, Be­we­gungs­man­gel und fal­sche Er­näh­rung. So neh­men die Men­schen statt den emp­foh­le­nen fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag (das ent­spricht et­wa ei­nem Tee­löf­fel) der­zeit schon neun bis zwölf Gramm des „wei­ßen Gol­des“zu sich. „Das Pro­blem ist aber nicht das be­rühm­te Nach­sal­zen, son­dern der Sal­zan­teil in den di­ver­sen Fer­tig­pro­duk­ten“, warnt Er­näh­rungs­ex­per­tin Ur­su­la Vy­bi­ral. Laut Schät­zun­gen könn­te die Re­duk­ti­on der Salz­men­ge um die Hälf­te schon pro Jahr 2,5 Mil­lio­nen To­des­fäl­le welt­weit ver­hin­dern. Vy­bi­ral warnt aber vor vor­ei­li­gen Um­stel­lun­gen: „Kei­ne Er­näh­rungs­wei­se er­setzt den Weg zum In­ter­nis­ten. Die rich­ti­ge Er­näh­rung kann auf un­se­ren Or­ga­nis­mus un­ter­stüt­zend ein­wir­ken und den Hei­lungs­pro­zess so­gar po­si­tiv be­ein­flus­sen, den­noch ist die schul­me­di­zi­ni­sche Me­di­zin un­er­läss­lich.“

GUT FÜR DIE BLUT­WER­TE. Wel­che Le­bens­mit­tel sind denn nun gut für die Blut­wer­te? Ge­mü­se, Obst, Voll­korn­pro­duk­te und fett­ar­me Milch­pro­duk­te soll­ten auf dem Spei­se­plan ste­hen. Vor al­lem Ka­li­um agiert als Ge­gen­spie­ler von Na­tri­um (in Salz ent­hal­ten), das im Kör­per Was­ser bin­det und da­durch das Blut­vo­lu­men er­höht. Wich­tig für den Blut­druck – in der Fach­spra­che als Hy­per­to­nie be­zeich­net – ist vor al­lem das Ver­hält­nis von Na­tri­um zu Ka­li­um im Kör­per. Denn wenn von Letz­te­rem ge­nü­gend vor­han­den ist, wird ver­mehrt Na­tri­um über die Nie­ren aus­ge­schie­den und der Blut­druck da­durch nicht be­ein­flusst. „Den Mi­ne­ral­stoff ent­hal­ten vor al­lem Ge­mü­se­sor­ten wie Spi­nat oder Grün­kohl. Beim Obst sind Ba­na­nen, Ma­ril­len, Avo­ca­dos, Ki­wis oder Nüs­se reich da­von“, so Vy­bi­ral. Aber auch hoch­wer­ti­ge Koh­len­hy­dra­te wie Erd­äp­fel, Reis, Voll­korn­nu­deln, Buch­wei­zen, Ama­ranth und Cous­cous eig­nen sich gut, um den Blut­druck in Schach zu hal­ten. Fisch und Oli­ven­öl ent­hal­ten wert­vol­le Ome­ga-3-Fett­säu­ren bzw. ein­fach un­ge­sät­tig­te Fett­säu­ren. Die­se wir­ken sich eben­falls po­si­tiv auf den Blut­druck aus. Fleischlieb­ha­ber zie­hen bei den Emp­feh­lun­gen der Ex­per­ten den Kür­ze­ren, denn Fleisch soll­te man nur in ge­rin­gen Men­gen ver­zeh­ren, näm­lich nicht öf­ter als zwei bis drei Mal pro Wo­che. Und auch da eher nur wei­ßes Fleisch, wie Huhn oder Pu­te.

BE­WUSS­TES ES­SEN. Vy­bi­ral emp­fiehlt im Fal­le von Hy­per­to­nie „ei­ne pu­re Er­näh­rungs­form mit Ge­rich­ten aus bes­ten Zu­ta­ten, al­les in Bio-Qua­li­tät und von hei­mi­schen An­bie­tern.“Da­bei geht es nicht um Ver­bo­te, viel eher um ge­sun­de Al­ter­na­ti­ven, von de­nen man dann auch mehr es­sen kann. Schon klar, be­wusst ge­sund le­ben ist nicht im­mer ein­fach – vor al­lem, wenn der Job ei­nem viel ab­ver­langt. Doch wie geht man bei Heiß­hun­ger­at­ta­cken vor? „Auch hier gilt: Lie­ber ein bis zwei Rip­pen Scho­ko­la­de es­sen und zu­frie­den wei­ter­ma­chen, als sich in Ver­zicht üben und dann – weil Heiß­hun­ger – die al­ten, ver­ges­se­nen Ni­ko­läu­se der Kin­der auf­fut­tern“, so die Ex pert in, die das„Ea­syEat ing “- Er­näh­rungs­pro­gramm ent­wi­ckelt hat. Vor­sicht ist je­doch bei La­krit­ze ge­bo­ten: Es ent­hält Gly­cer­r­hi­zin, das den Blut­druck hoch­treibt. Bei be­trof­fe­nen Pa­ti­en­ten sind schon klei­ne Men­gen ge­fähr­lich.

BE­WE­GUNG, BE­WE­GUNG. Genau wie bei der Er­näh­rung, su­chen vor al­lem beim The­ma Sport vie­le nach Aus­re­den. Da­bei rei­chen schon ein­fa­che Maß­nah­men, um den Blut­druck zu sen­ken. „Es ist nie zu spät, um an­zu­fan­gen“, sagt Burk­hard Weis­ser vom In­sti­tut für Sport wis­sen­schaft der Uni Kiel. Der Fach­arzt für In­ne­re Me­di­zin und Sport­me­di­zin rät da­zu, sich ei­nen Schritt­zäh­ler an­zu­schaf­fen, um ein Ge­fühl für die ei­ge­ne Fit­ness zu be­kom­men.„ Es geht nicht dar­um, gleich ei­nen Ma­ra­thon zu lau­fen. Viel eher kann man Schritt für Schritt ver­su­chen, sich zu stei­gern“, sagt der Ex­per­te. Denn Be­we­gung hat auch ei­nen di­rek­ten Ein­fluss auf das ve­ge­ta­ti­ve Ner­ven­sys­tem, das die Ak­ti­vi­tä­ten der in­ne­ren Or­ga­ne steu­ert. Die­ses be­steht aus zwei Tei­len: Der sym­pa­thi­sche Teil re­gelt die kör­per­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten bei An­stren­gung oder Stress, der pa­ra­sym­pa­thi­sche Teil stellt den Kör­per auf Nah­rungs­auf­nah­me und Ru­he ein. Durch re­gel­mä­ßi­ge sport­li­che Ak­ti­vi­tä­ten wird der Pa­ra­sym­pa­thi­kus ver­stärkt ak­ti­viert und der Kör­per läuft nicht mehr un­un­ter­bro­chen auf Hoch­tou­ren – was wie­der­um dem Blut­druck gut­tut. So­mit kann man auch mit Stress­si­tua­tio­nen bes­ser um­ge­hen, die Ge­fä­ße wer­den elas­ti­scher und es wird we­ni­ger Fett ab­ge­la­gert. „Rau­chen ist auch ein sehr ho­her Ri­si­ko­fak­tor“, mahnt Weis­ser. Schon ei­ne Zi­ga­ret­te er­höht den Blut­druck für 20 Mi­nu­ten. „Statt­des­sen lie­ber rein in die Sport­sa­chen und spa­zie­ren ge­hen“, so Weis­ser.

Re­gel­mä­ßi­ges Aus­dau­er­trai­ning wirkt sich güns­tig auf den Blut­druck aus

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