MIT EI­GE­NEN HÄN­DEN ER­SCHAF­FEN

KURIER_WOHNEN - - Inhalt - -EL­GIN FEU­SCHAR

Do it yours­elf ist nicht nur ein Trend, es ist ei­ne Le­bens­ein­stel­lung

Für man­che ist „do it yours­elf “kein Trend, son­dern ei­ne Le­bens­ein­stel­lung. Hei­mi­sche Pio­nie­re auf dem Ge­biet eb­nen den Weg für an­de­re und in­spi­rie­ren zu sa­gen­haf­ten Krea­tio­nen.

Zwi­schen Mas­sen­pro­duk­ti­on und Weg­werf­ge­sell­schaft wächst auch im Wohn­be­reich der Wunsch nach In­di­vi­dua­li­tät. Die Su­che nach Mö­bel­stü­cken, die ein­zig­ar­tig sind und da­bei das Zuhause mit ei­nem per­sön­li­chen Cha­rak­ter er­fül­len, las­sen sich oft ganz ein­fach selbst kre­ieren. Die hei­mi­sche Do-it-yous­elf-Sze­ne zeigt, dass mit ein paar ge­konn­ten Hand­grif­fen vie­les mög­lich ist und der Ver­wirk­li­chung kei­ne Gren­zen ge­setzt sind. Ei­ne sol­che Heim­wer­ker-In­sti­tu­ti­on be­fin­det sich in der Wie­ner Stad­lau. Geht man durch die of­fe­nen Ei­sen­to­re des Werk­sa­lons lie­gen Schleif­ge­räu­sche und ein süß­li­cher Holz­ge­ruch in der Luft. Hier, im hin­ters­ten Eck ei­nes In­nen­hofs, am Ge­län­de der ehe­ma­li­gen Elin-Wer­ke, ent­ste­hen vie­le Din­ge: Retro-Nacht­käst­chen, Pols­ter­mö­bel, Pa­let­ten­ti­sche, Gar­ten­mö­bel und bald auch gan­ze Bett­ge­stel­le aus Holz. Bei ei­nem Streif­zug durch die Werk­statt zieht An­toi­net­te Rhomberg ein klei­nes, un­schein­ba­res Holz­käst­chen aus dem Ge­wirks lo­ser Bret­ter und Staub. Wie ein Phö­nix aus der Asche. „Die­ses Käst­chen ist noch work in pro­gress und kam mit sei­nem ei­ge­nen Bau­plan. Die Gra­fik-De­si­gne­rin, die dar­an ar­bei­tet, hat es zu Hau­se ent­wor­fen und baut seit zwei Wo­chen in ih­rer Frei­zeit bei uns dar­an“, er­klärt die jun­ge Vor­arl­ber­ge­rin.

LE­BENS­KÜNST­LER. In ih­rem und Mar­tin Pa­pou­scheks Werk­sa­lon ver­schlägt es die un­ter­schied­lichs­ten Men­schen von al­len Le­bens­we­gen. Vie­le kom­men aus dem Be­reich De­sign, an­de­re ha­ben lang­jäh­ri­ge Er­fah­rung mit Holz­ar­beit und wie­der an­de­re wol­len ein­fach als Aus­gleich zum Bü­ro­job am Wo­che­n­en­de die Spä­ne fal­len se­hen. Ei­nes ha­ben sie aber al­le ge­mein­sam: den Wunsch, et­was mit den ei­ge­nen Hän­den zu kre­ieren. Aus dem Nichts ein Ob­jekt zu er­schaf­fen, ei­ne Idee zum Le­ben zu er­we­cken. Die Hob­by-Tisch­ler­werk­statt in der Stad­lau ist im Jahr 2013 nach ei­ner Welt­rei­se Rhom­bergs und Pa­pou­scheks ge­grün­det wor­den. Als Vor­bild dien­ten die Co-Ma­king Spaces in Aus­tra­li­en, Ame­ri­ka und In­di­en. Die­se wer­den we­ni­ger als Or­te der klas­si­schen Ar­beit, son­dern der Krea­tio­nen und Sy­ner­gi­en ver­stan­den. „Wir ha­ben auf un­se­rer Rei­se in New York die Hacking-Spaces ken­nen ge­lernt. Dort, wo sich IT­ler zu­sam­men­schlie­ßen und ge­mein­sam an Lö­sun­gen ar­bei­ten und Res­sour­cen zur Ver­fü­gung stel­len. So et­was woll­ten wir auf un­se­re Art und Wei­se auch zu Hau­se schaf­fen“, er­klärt An­toi­net­te Rhomberg. Über die Trep­pe des Werk­sa­lons er­reicht man ein of­fe­nes Ate­lier, wo sich 14 selbst­stän­di­ge Un­ter­neh­mer aus al­len Be­rei­chen ein­quar­tie­ren und Ide­en aus­tau­schen. Was in den letz­ten Jah­ren in die­sem Ate­lier pro­jekt­mä­ßig so ent­stan­den ist, kann nur mit ei­nem Wort be­schrie­ben wer­den: Ma­gie. Bei den Work­shops im un­te­ren Teil des Werk­sa­lons ist es ganz egal, wel-

ches Vor­wis­sen die Hob­by-do-ityour­sel­fer mit sich brin­gen. Der spät­be­ru­fe­ne Tisch­ler­meis­ter Mar­tin Pa­pou­schek rich­tet sein kon­zen­trier­tes Ad­ler­au­ge auf ein­zel­ne Bast­ler und die schwe­ren Ge­rä­te. Work­shops für Pols­te­run­gen oder Gar­ten­mö­bel las­sen selbst den un­er­fah­rens­ten Neu­ling ein Er­folgs­er­leb­nis in der Do-it-yours­elf-Sze­ne ken­nen­ler­nen. Am En­de ei­nes er­folg­rei­chen Ta­ges ver­lässt der ei­ne oder an­de­re die Werk­statt mit ei­nem neu­en Mö­bel­stück für sein Zuhause. 2017 star­tet im Werk­sa­lon das neue Pro­jek­te vom „Brett zum Bett“. Hier kön­nen an­ge­mel­de­te Teil­neh­mer an ei­ner Forst­wan­de­rung na­he Wi­en teil­neh­men und er­le­ben an­ge­wand­te Baum­kun­de in der Na­tur haut­nah. An­schlie­ßend wird Holz im Sä­ge­werk oder Holz­han­del ge­mein­sam aus­ge­sucht und zu gu­ter Letzt im Werk­sa­lon zu ei­nem maß­ge­schnei­der­ten Bett­ge­stell wei­ter­ver­ar­bei­tet.

DAS DO-IT-YOURS­ELF-HAUS. Mit ähn­li­chem Pio­nier­geist be­trat Chris­ti­an Fran­tal die hei­mi­sche DIY-Sze­ne im Jahr 2012 „Ich hab da ei­ne Idee: aut­ar­kes Woh­nen“, war sein »

ur­sprüng­li­cher Ge­dan­ke. Vor dem in­ne­ren Au­ge des in­no­va­ti­ven Bast­lers schwirr­te die Vi­si­on ei­nes selbst ge­bau­ten Hau­ses auf vier Rä­dern. Mo­bil, nach­hal­tig und prak­tisch soll­te sein Do-it-yours­elf-Un­ter­schlupf wer­den. Ein Jahr spä­ter pas­sier­te das Un­fass­ba­re. Fran­tal und sein Team er­hiel­ten durch die On­li­ne-Platt­form Crowd­fun­ding 70. 000 Eu­ro von 100 In­ves­to­ren. Ge­tra­gen durch den fi­nan­zi­el­len Rü­cken­wind, wur­de der ers­te Pro­to­typ auf ei­nem ent­le­ge­nen Bau­ern­hof in Nie­der­ös­ter­reich ge­baut. Ab die­sem Zeit­punkt roll­ten Fran­tals Wohn­wa­gon-Häu­ser kom­plett aus Holz und aut­ark quer durch Ös­ter­reich. Am Flach­dach sorgt ein au­to­no­mes Fo­to­vol­ta­ik­sys­tem in Form von So­lar­pa­nee­len für die Strom­ver­sor­gung. Die Ge­samt­leis­tung von 1,2 kWp ist sobe­rech­net, dass­der Strom­ver­brauch das gan­ze Jahr ge­deckt wer­den kann. Trotz­dem ist ein be­wuss­ter Um­gang mit der Ener­gie er­for­der­lich, um von den Pa­nee­len al­lei­ne le­ben kön­nen. LED-Be­leuch­tung, Lap­top und Han­dy sind strom­tech­nisch für das Mi­niWun­der auf vier Rä­dern kein Pro­blem. Im In­te­ri­eur in­for­miert ei­ne mo­der­ne An­zei­ge über die Strom­men­ge und wie es kon­kret um den Ver­brauch steht. Um noch ei­nen wei­te­ren »

Nut­ze aus den Strah­len der Son­ne zu zie­hen, gibt es im aut­ar­ken Wohn­wa­gon ein be­son­de­res Warm­was­ser- und Hei­zungs­sys­tem. Die Holz-So­larZen­tral­hei­zung hat als Kern­stück ei­nen 250-Li­ter-Wär­me­spei­cher, der im In­dus­tri­al Chic auch als op­ti­scher Hin­gu­cker im Raum fun­giert. Ent­wi­ckelt mit der Fir­ma Eco­therm in Ober­ös­ter­reich, wird die Wär­me der So­lar­an­la­ge in den Spei­cher ein­ge­speist. Auch die mensch­li­chen Ab­fall­stof­fe wer­den in ei­ner be­son­ders um­welt­freund­li­chen Toi­let­te oh­ne Ka­nal­an­schluss ge­hand­habt. Dank ei­nem spe­zi­el­len Trenn­ein­satz in der Bio-Toi­let­te wer­den flüs­si­ge und fes­te Aus­schei­dun­gen ge­trennt und in der Na­tur als Kom­post wei­ter ver­wen­det. Um auch ei­nen in sich idea­len Was­ser­kreis­lauf zu er­mög­li­chen, wur­de für den aut­ar­ken Wohn­wa­gon ein pflanz­li­cher Klär­kreis­lauf ent­wi­ckelt. Das be­nutz­te Was­ser aus der Du­sche oder der Ab­wasch wird am Dach von spe­zi­el­len Sumpf­pflan­zen ge­rei­nigt und im An­schluss wie­der ver­wen­det. Mit dem Jahr 2016 gibt es nun schon sechs un­ter­schied­li­che Wohn­wa­gonAr­ten, die in ih­rer Grö­ße und der Form der Aut­ar­kie va­ri­ie­ren. Das Team gibt da­bei sein Wis­sen im Do-it-yours­elf Häu­sel­bau­er­be­reich ger­ne wei­ter und bie­tet Work­shops für die Her­stel­lung von Mö­beln und aut­ar­kes Woh­nen an. Ei­ner der Work­shops soll Gre­en­s­kills noch at­trak­ti­ver ma­chen. Der Lehr­gang wird in Zu­kunft be­rufs­be­glei­tend über neun Mo­na­te hin­weg statt­fin­den. Ge­star­tet wird Mit­te »

Ok­to­ber 2016 mit mo­nat­li­chen Ein­hei­ten, die In­puts über nach­hal­ti­ges Bau­en und Le­ben lie­fern. „Wir wol­len zei­gen, wie zu­kunfts­fä­hi­ges, nach­hal­ti­ges Woh­nen aus­se­hen könn­te, das gleich­zei­tig auch Spaß macht und den Lu­xus der Re­duk­ti­on fei­ert. Wir wol­len Mut ma­chen, den ei­ge­nen Weg zu ei­nem aut­ar­ken, selbst­be­stimm­ten Le­ben zu fin­den. Wir be­glei­ten un­se­re Kun­den auf dem Weg dort­hin“, er­klärt The­re­sa St­ei­ni­ger­vom Wohn­wa­gon über die Mög­lich­keit, ihr Wis­sen wei­ter­zu­ge­ben.

YES WE CAN. Wer mit sei­nem DIYPro­jekt gleich star­ten möch­te, kann auf dem Dach­bo­den, in der Ga­ra­ge, im Wald, ja so­gar im Sperr­müll der Nach­barn­ganz­be­son­de­re Schät­ze­aus­gra­ben und ver­wan­delt die­se in nur we­ni­gen Hand­grif­fen in ein kom­plett neu­es Mö­bel­stück. Ganz nach dem Mot­to: aus Alt mach Neu. Da­bei gibt es ein­fa­che An­lei­tun­gen, die nicht St­un­den der ei­ge­nen Zeit rau­ben und im End­ef­fekt nur die Fin­ger zu­sam­men­kle­ben. Im Lau­fe die­ses Ar­ti­kels stel­len wir Ba­s­tel­pro­jek­te vor, die für al­le je­ne rich­tig sind, die ih­rem Zuhause ei­nen in­di­vi­du­el­len Cha­rak­ter ver­lei­hen und da­bei die Geld­bör­se scho­nen möch­ten. Bau­en Sie Ih­ren ei­ge­nen Wohn­zim­mer­tisch aus al­ten Obst­kis­ten und kre­ieren Sie da­bei nicht nur ein sty­li­sches Mö­bel­stück, son­dern auch ei­ne prak­ti­sche Abla­ge­mög­lich­keit. Die Ses­sel aus Trans­port­kis­ten, die mit der rich­ti­gen La­ckie­rung auch für den Gar­ten ge­eig­net sind, sind da­bei ide­al für den Loun­ge­be­reich. Las­sen Sie sich von den Ide­en die­ser Sei­ten zu neu­en Krea­tio­nen in­spi­rie­ren und ver­wan­deln Sie sim­ple Räu­me in ein spe­zi­el­les Zuhause mit Per­sön­lich­keit.

Tex­til trifft De­sign, Gra­fik trifft Ent­wick­lung. Der Co-Ma­king Space des Werk­sa­lons in Wi­en bie­tet Platz für am­bi­tio­nier­te Un­ter­neh­mer und lässt Sy­ner­gi­en zu

„Für un­se­re Hob­by­Tisch­ler ist der Aspekt des Kreie­rens ein ganz be­son­de­rer“– An­toi­net­te Rhomberg

Die­ses Gar­ten­mö­bel kann in ei­nem der un­zäh­li­gen Work­shops des Werk­sa­lons von je­der­mann und je­der­frau ge­fer­tigt wer­den

Mar­tin Pa­pou­schek und An­toi­net­te Rhomberg be­trei­ben den Werk­sa­lon seit dem Jahr 2013

The­re­sa Stei­ni­ger (li.) und Chris­ti­an Fran­tal (re.) sind die Ge­sich­ter hin­ter dem aut­ar­ken Do-it-your­sel­fPro­jekt, das als Wohn­wa­gon auf den Stra­ßen Ös­ter­reichs rollt

Wer ei­nen krea­ti­ven Lam­pen­schirm sucht, soll­te sich sei­nen al­ten Glo­bus vor­knöp­fen

Treib­holz oder Zwei­ge kön­nen der idea­le Klei­der­stän­der sein

Al­te Obst­kis­ten , auf ei­ner Span­plat­te fi­xiert und mit Rol­len am Bo­den, ver­wan­deln sich zu ei­nem prak­ti­schen Wohn­zim­mer­tisch mit un­zäh­li­gen Abla­ge­mög­lich­kei­ten

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