DIE KLEI­DER DER EI­GE­NEN VIER WÄN­DE

KURIER_WOHNEN - - Inhalt -

Ein­rich­tungs­pro­fis ver­ra­ten, wie man die pas­sen­den Mö­bel fin­det

Kräf­ti­ge Farb­kom­po­si­tio­nen, wei­che Fal­ten, raue Tex­tu­ren oder zar­te For­men – das Zuhause ist der Spie­gel sei­ner Be­woh­ner und bie­tet da­bei Aus­drucks­mög­lich­kei­ten auf je­dem ver­füg­ba­ren Mil­li­me­ter.

» Lee­re. Die Wän­de sind weiß und schein­bar kalt, der Ge­ruch von fri­scher Far­be liegt in der Luft. Beim Be­tre­ten der Zim­mer scheint je­der Schritt wie neu und un­be­rührt. Vor den Au­gen der zu­künf­ti­gen Be­woh­ner er­öff­net sich auf nur we­ni­gen Qua­drat­me­tern ein Ort des Nichts, des Neu­an­fangs, der Mög­lich­kei­ten. Je­der, der be­reits in ein neu­es Zuhause ge­zo­gen ist, kennt das über­wäl­ti­gen­de Ge­fühl, das sich vor den kah­len Wän­den ste­hend im In­ne­ren breit macht. Es ist ein Ge­fühl der Ein­schüch­te­rung vor der neu­en Auf­ga­be und der un­bän­di­ge Mo­ti­va­ti­on, die Lee­re mit den ei­ge­nen »

Hän­den zu for­men. Die Kunst, see­len­lo­se Räu­me mit Le­ben und Per­sön­lich­keit zu fül­len, ist ei­ne Wis­sen­schaft an sich. Nicht um­sonst exis­tiert in die­sem Be­reich ei­ne ge­sam­te In­dus­trie, die rat­lo­se Heim­be­sit­zer durch das La­by­rinth der end­lo­sen Far­ben, For­men und Stof­fe führt. Ka­rin Quas ist Raum­ge­stal­te­rin und kennt den Weg durch das La­by­rinth. Die Un­ter­neh­me­rin hat ein Au­ge fürs De­tail und kann auf jah­re­lan­ge Er­fah­rung im In­nen­ein­rich­tungs­be­reich zu­rück­grei­fen. Be­tritt man ih­ren Schau­raum in der Gum­pen­dor­fer­stra­ße, er­kennt man so­fort das mu­ti­ge Spiel von Far­ben und State­ment-Stü­cken, wel­che ein in­di­vi­du­el­les Ge­samt­bild prä­sen­tie­ren. Mut ist ein Schlüs­sel­wort für Ka­rin Quas und darf im Ein­rich­tungs­be­reich nicht feh­len. „Vie­le ha­ben Pro­blem­e­mit­den Pro­por­tio­nen­der Räu­me und rich­ten die­se mit viel zu klei­nen Mö­bel­stü­cken ein. Be­son­ders auf­fäl­lig ist das im Alt­bau. Mehr Mut zur Grö­ße ist da­her wich­tig“, er­klärt die Un­ter­neh­me­rin. Als ers­ten Schritt legt der Pro­fi die Grund­stim­mung mit Far­be oder Ta­pe­ten an den Wän­den fest und be­stückt dann pas­send da­zu den Raum mit Mö­beln. Das Vor­stel­len der Raum­di­men­sio­nen vor dem in­ne­ren Au­ge, auch mit der zu­künf­ti­gen Ein­rich­tung, ist für Lai­en oft ein gro­ßes Pro­blem. Ka­rin Quas emp­fiehlt zur In­spi­ra­ti­on »

durch­aus Zeit­schrif­ten und das In­ter­net ,aber­der Gan­gin Schau­räu­me­o­der Mö­bel­häu­ser ist für sie un­er­läss­lich. „Ge­hen Sie raus und neh­men Sie Maß. In Na­tu­ra wir­ken die Mö­bel oft ganz an­ders und man wird sich der Di­men­sio­nen bes­ser be­wusst“, ap­pel­liert sie. Das klas­si­sche Mood­board, be­ste­hend aus un­ter­schied­li­chen Stof­fen, Tex­tu­ren, Ma­te­ria­li­en so­wie For­men, ist durch­aus ei­ne gu­ter An­halts­punkt, um­die­rich­ti­ge Stim­mung­des Rau­mes fest­zu­le­gen. Für die pas­sen­den Pro­por­tio­nen ist die­se Her­an­ge­hens­wei­se al­ler­dings­ir­re­füh­rend und ver­lang­tet­was mehr Zen­ti­me­ter­ar­beit. Das sieht auch Sonja Za­me­c­nik so. Die In­nen­ar­chi­tek­tin der Pla­nungs­fir­ma z-plan in der Bri­git­ten­au weiß, wie schwer es mit un­ter­schied­li­chen Raum­schnit­ten und den pas­sen­den Mö­beln sein kann.„Es gibt Fäl­le, da wer­den So­fas ge­kauft und dann ist durch die fal­sche Grö­ße bei­spiels­wei­se der Weg zur Ter­ras­se ver­sperrt“, er­klärt die er­fah­re­ne In­nen­ar­chi­tek­tin. Um sol­che Faux­pas von An­fang an zu ver­mei­den, emp­fiehlt sie ein Grund­riss­kon­zept mit den ex­ak­ten Ma­ßen. „Wer nicht un­be­dingt zeich­nen möch­te, kann die Pro­por­tio­nen auch am Bo­den in den ei­ge­nen vier Wän­den ab­kle­ben. Durch die­sen Pro­zess sieht man so­fort, was hin­ein passt und was nicht.“Doch be­vor über­haupt ge­klebt oder ge­zeich­net wird, muss ei­ne »

Rei­se zu sich selbst an­ge­tre­ten wer­den. Raum­pla­nung soll mehr kön­nen, als nur gut aus­se­hen. Sie be­her­bergt ein gan­zes Le­ben und das be­deu­tet Funk­tio­nen zu er­fül­len und per­sön­li­chen Be­dürf­nis­se ab­zu­de­cken. Sonja Za­me­c­nik er­kun­digt sich da­her vor der ei­gent­li­chen Ar­beit bei ih­ren Kun­den über das ak­tu­el­le Le­ben. „Man­che sind sehr sport­lich, an­de­re ha­ben ei­ne Men­ge Klei­dung, wie­der an­de­re ha­ben Kin­der. Je nach die­sen Ge­ge­ben­hei­ten wird ein Raum funk­tio­nal ge­stal­tet“, er­klärt die In­nen­ar­chi­tek­tin ih­rer Her­an­ge­hens­wei­se. Rea­lis­mus ist vor al­lem in Zei­ten des In­ter­nets beim Ein­rich­ten ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um. Ga­b­rie­le Zel­ler ist ei­ne hands-on-Raum­aus­stat­te­rin, die­als­ge­lern­te Ta­pe­zier­meis­te­rin und Tex­til­spe­zia­lis­tin bei ih­ren Kun­den auch noch selbst die Mö­bel rückt. Das In­ter­net als Ort der In­spi­ra­ti­on ent­puppt sich bei ih­ren Kun­den oft als Büch­se der Pan­do- ra. „Die Kun­den ver­lie­ren sich im World Wi­de Web und sind da­nach oft ver­wirr­ter als zu­vor. Vor al­lem wird es häu­fig schwie­rig, ge­nau je­ne Pro­duk­te zu be­schaf­fen, die sie ge­se­hen ha­ben“, so die er­fah­re­ne Raum­aus­stat­te­rin. Den Wunsch, das Ei­gen­heim dem Vier Ster­ne- Ho­tel aus dem letz­ten Som­mer­ur­laub an­zu­pas­sen, hört der Pro­fi min­des­tens ge­nau­so oft. In­spi­ra­tio­nen soll­ten aus dem di­rek­ten Um­feld, aus dem Le­ben in der ei­ge­nen Stadt »

ge­schöpft wer­den. Die Hap­tik ist da­bei maß­geb­lich, um De­sign zu be­grei­fen. Kon­tras­te, vor al­lem bei Tex­tu­ren, kön­nen im Web 2.0 nicht über den Bild­schirm trans­por­tiert wer­den. „Ich emp­feh­le, rea­le Ma­te­ria­li­en an­zu­se­hen und auch zu be­rüh­ren. Neh­men Sie mög­lichst vie­le Ober­flä­chen­mus­ter zu sol­chen Streif­zü­gen mit: ein Stück Flie­se, ein Kis­sen vom So­fa, ein Blatt mit Wand­far­be, ein Schub­la­de des Mö­bels“, er­klärt Ga­b­rie­le Zel­ler be­züg­lich der an­fäng­li­chen Über­wäl­ti­gung. Die Raum­aus­stat­te­rin ar­bei­tet ge­zielt mit Griff­mus­tern, bei de­nen ih­re Kun­den Hap­tik und Farb­vor­lie­ben zu­ord­nen kön­nen. Die un­ter­schied­li­chen Prä­fe­ren­zen sind da­bei enorm. „Ein Glück, dass der ak­tu­el­le Markt­so viel bie­tet und par­al­lel so­vie­le Stil­rich­tun­gen zu­lässt“, freut sich der Pro­fi. Räu­me bie­ten da­bei un­end­li­che Mög­lich­kei­ten in der Gestal­tung und ver­wan­deln ei­nen Ort in ein Zuhause mit Per­sön­lich­keit. -EL­GIN FEU­SCHAR

Ka­rin Quas, H. Quas Ges­mbH

„Trends in dem Sin­ne gibt es nicht mehr. Heut­zu­ta­ge ist al­les mög­lich. Je­der hat sei­nen per­sön­li­chen Ge­schmack und die­ser ist in ei­nem stän­di­gen Wan­del.“

Ka­rin Quas setzt in ih­rem ei­ge­nen Schlaf­zim­mer auf bun­te Ak­zen­te, die dem Raum Per­sön­lich­keit ver­lei­hen

Die rich­ti­ge Raum­pla­nung soll in ers­ter Li­nie funk­tio­nal sein. Da­bei hilft es, das ak­tu­el­le Le­ben zu ana­ly­sie­ren, um her­aus­zu­fin­den, was ei­nem wich­tig ist

Die Pla­nung ei­nes Zu­hau­ses be­trifft auch den Part­ner. Die­ser soll­te bei den wich­tigs­ten Ent­schei­dun­gen ein­ge­bun­den sein

Sonja Za­me­c­nik, In­nen­ar­chi­tek­tin z-plan

„Man muss sich im Kla­ren dar­über sein, wel­che Funk­ti­on ein Raum er­fül­len soll und wel­che Be­dürf­nis­se vor­lie­gen. Ein Raum ist im­mer ei­ne Re­fle­xi­on des ak­tu­el­len Le­bens­ab­schnitts.“

Ga­b­rie­le Zel­ler, Raum­aus­stat­te­rin LIGÉS

„Das Wich­tigs­te ist, die fi­xen Be­stand­tei­le des Rau­mes wie Bö­den und Tü­ren in die Farb­ab­stim­mung des Kon­zepts ein­zu­bin­den. So ent­steht ein stim­mi­ges Er­geb­nis.“

Far­ben an den Wän­den set­zen Stim­mun­gen. Die­se kön­nen mit Ak­zen­ten in Form von Mö­beln, Bil­dern oder Vor­hän­gen kom­ple­men­tiert wer­den

Ga­b­rie­le Zel­ler, Raum­aus­stat­te­rin LIGÉS

„Be­trach­ten Sie Ih­ren Grund­riss nach den We­gen, die Sie häu­fig ge­hen wer­den und plat­zie­ren Sie die Mö­bel ent­spre­chend. Der Mensch geht stets den kür­zes­ten Weg.“ Für wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur In­nen­ein­rich­tung und Tipps die Sei­te mit der Gra­tis-App „Short­cut Re­a­der“scan­nen

Grund­riss­kon­zep­te hel­fen, die Grö­ße des Raums mit den ein­zel­nen Mö­bel­stü­cken zu re­la­ti­vie­ren. Wich­tig ist hier auch, die Pfa­de des All­tags ein­zu­pla­nen

Mood­boards aus go­ßen Ein­zel­tei­len hel­fen, ein Raum­kon­zept bes­ser vor­stel­len zu kön­nen

Das Spiel mit un­ter­schied­li­chen Ober­flä­chen schafft in­ter­es­san­te Kon­tras­te

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